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Prähistorie

im deutschen Sprachgebrauch „Ur-" oder „Vorgeschichte", ist das Studium der Menschheit im Zustand der Schriftlosigkeit auf der Grundlage archäologischer Quellen (Archäologie), soweit es auf die nichtkörperlichen Eigenarten des Menschen gerichtet ist. Der so erfasste Bereich bildet den ältesten Teil der Geschichte in einem weiteren Sinne des Wortes bzw. der Existenz und der Entfaltung des Menschen vor und ausserhalb der Geschichte im engeren Sinn des Wortes, d.h. vor dem jeweiligen Einsetzen schriftlicher Quellen. Ihr Ende ist damit in einzelnen Gebieten verschieden anzusetzen und in einigen Erdräumen erst in jüngster Zeit herbeigeführt worden. Neben Prähistorie in einem solchen mehr technischen Sinn steht der Vorschlag, darunter alle jene Bereiche zu verstehen, die vor und ausserhalb der sog. „Achsenzeit" liegen.
Der Anfang der Ur- oder Vorgeschichte reicht weit mehr als eineinhalb Millionen Jahre zurück, wahrscheinlich sogar zweieinhalb Millionen Jahre, wenn wir ihn mit dem Auftreten der ältesten künstlich hergestellten und zur Herstellung weiterer Geräte geeigneten Steinwerkzeuge ansetzen. Das erscheint gerechtfertigt, weil sie für eine Befähigung zur Voraussicht und Einsicht, zur systematischen Zueinanderordnung, zur geplanten Aufeinanderfolge von Schritten, zum Aufprägen neuer, nicht vorgegebener Eigenarten sprechen und insgesamt für eine Mittelbarkeit gegenüber der Natur, für ein gewisses Mass an Abstraktion, am Absehen und Abheben vom unmittelbar Gegebenen und Vorliegenden.
Eine der wichtigsten Erfahrungen und Feststellungen der prähistorischen Archäologie sind die insgesamt gewaltigen Zeitmasse und die Beschleunigung des Wandels in einem Wechsel von jeweils längeren, eher statisch erscheinenden Perioden und von kurzen Umbrüchen, hinter denen eine entsprechende Dynamik anzunehmen ist. Die Beobachtung, dass auch heute besonders die Völker sehr einfacher Kultur eine starke Beharrungstendenz zeigen, fällt angesichts der prähistorischen Zeiträume weniger ins Gewicht als der Umstand, dass wir offensichtlich nicht von einem einfach linearen Zeitverständnis ausgehen dürfen, vor allem nicht davon, dass chronometrische Zeit die entscheidende Variable für den Wandel sei; die Zeitdauer an sich ist kein a priori verwendbarer Massstab für die Ausmasse und das Gewicht von Veränderungen.
Fragen nach dem Besitz und der Art von Religion entziehen sich weitgehend dem Zugriff der Archäologie, mögen auch die in anderen Kulturbereichen deutlich werdenden Bedingungen und Befähigungen grundlegende Möglichkeiten andeuten. Konkrete Hinweise gibt es erst vor etwa 50000 Jahren (oder auch mehr) durch Gräberfunde, deren Art für eine Fürsorge für den Mitmenschen über dessen irdischen Tod hinaus spricht. Depositionen von einzelnen Schädeln mögen auf einen ähnlichen Zusammenhang weisen und führen einige Jahrhunderttausende weiter zurück. (Schwierig ist die Deutung von teilweise in ihrem intentionellen Charakter umstrittenen Depositionen von Tierkörperteilen, vornehnmlich Schädeln und Langknochen, zumal vom Bären, aber auch von anderen Tieren und anderen Skeletteilen, z.B. einem Rückgrat, vereinzelt in der Nähe menschlicher Bestattungen.) Die Wertung als Zeugnis von Religion hängt nicht zuletzt ab von einer engeren oder weiteren Definition des Religiösen; in jedem Fall bleiben uns nähere Einsichten in Sinn und Zusammenhang verschlossen. Alles in allem besteht indes kein zwingender Grund, dem Frühmenschen angesichts seiner sonstigen Befähigungen grundlegenade Vorstellungen jener Art abzusprecheen, wie sie bei einfachen Jäger- und Sammlerkulturen weithin anzutreffen sind. Dabei wird man gerade die Einfachheit und damit vermutlich eine Neigung zum Konkreten und wohl eher zu anthroponmorphen - aber auch theriomorphen - Vorstellungen als zu abstrakteren Konzeptionen zu berücksichtigen haben. Für eine spekulative Annäherung kann es jedenfalls nicht ohne Bedeutung sein, dass bei Völkern, deren ganze Lebensweise noch sehr einfach und naturnah ist, nicht die von einer progressistischen Entwickluungsvorstellung als besonders „primitiv" angeseehenen Formen des Religiösen oder Magischen eine zentrale Rolle spielen, sondern auch der Glaube an ein persönlich vorgestelltes höchstes Wesen von erheblicher Bedeutung ist. Die Formen des Religiösen wer denzweifellos von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen mitgeprägt, und das wird bei der Erschliessung religiöser Phänomene in der Prähistorie besonders zu beachten sein. Als spezifisch jägerisch anzusehende Vorstellungen finden sich allerdings zumal in bereits entfalteten Jäger-und Sammlerkulturen; der Umbruch zu den Ackerbau- und Hirtenkulturen hat so tiefgreifende Änderungen des gesamten Gefüges mit sich gebracht, dass sie auch im Religiösen nicht ohne Folgen geblieben sind.
 


 

 

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