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Der Name dieser jüdischen
Religionspartei, nach Flavius Josephus (Bellum II 8,14) „erste
Philosophenschule", leitet sich her vom hebräischen Verb parag, im Alten
Testament „genau Bescheid geben", mittelhebräisch „sich absondern" und
bedeutet entsprechend „die Genauen (in der Tora-Befolgung)", eher „die
Ausgesonderten" im Sinne von „Heilige, Fromme" oder „die Abgesonderten" im
Sinne von „Separatisten". Für die letztere Deutung spricht die innere
Organisation der Pharisäer in abgeschlossenen „Bruderschaften", obwohl sie
sich für das ganze Volk als verantwortlich betrachteten.
Die Partei der Pharisäer hat ihre Wurzel in der nachexilischen
Laien-Schriftgelehrsamkeit, war in der Makkabäerzeit Teil der
antihellenistischen Bewegung der liasidim und hat sich spätestens unter dem
Hasmonäer Jonatan (wegen seiner Usurpation des Hohenpriesteramtes) im Zuge
einer Aufspaltung dieser Bewegung wie die apokalyptisch orientierten Essener
und die torazentrierten Sadduzäer verselbständigt. Unter Johannes Hyrkan
(135-104 v.Chr.) wegen ihres Eintretens für die rituelle Reinheit (vgl. Lev
21, 13 ff.) massiv bedrängt, in der Folgezeit durch Alexander Jannai
verfolgt, stiegen sie erst unter Salome Alexandra (76-67 v. Chr.) zur
dominierenden Partei auf und beherrschten das Synhedrion (Simon ben Schetach).
Die Pharisäer gewannen bedeutenden Einfluss auf das Volk, den sie als
politische Stärkung gegenüber den Hasmonäern auszuwerten verstanden; sie
richteten (nach hellenistischem Vorbild) Schulen ein, setzten eine gewisse
Schulpflicht für Kinder durch und erreichten sogar eine toraorientierte
Neuordnung des Tempelrituales. Danach gerieten sie lange Zeit gegenüber den
Sadduzäern ins Hintertreffen, um erst unter Agrippa I. (41-44 n. Chr.)
wieder grösseren Einfluss zu gewinnen. Unter Herodes I. zwar politisch
machtlos, gelang ihnen doch die Grundlegung der beiden bedeutenden
rabbinischen Schulen um Hillel und Schamai. Politische Zurückhaltung
(Kontakte mit der römischen Besatzungsmacht) und Ablehnung der Gewalt (im
Gegensatz zu den Zeloten) sicherten ihnen im Jüdischen Krieg das Überleben.
In der Folgezeit spielten sie die entscheidende Rolle in der Reorganisation
des Judentums und schufen somit als Vorläufer der Tannaiten eine Kontinuität
zwischen Frühjudentum und dem Judentum der talmudischen Zeit, weil es ihnen
gelang, den verlorenen Tempelkult durch Tora-Gehorsam und Werksfrömmigkeit
zu ersetzen. Die pharisäisch-rabbinische Komponente erwies sich schliesslich
als zukunftsbestimmende Leitlinie für das Judentum bis ins 18. Jh.
Entsprechend ihrer basidischen Herkunft betonten die Pharisäer den
unbedingten Tora Gehorsam, hielten aber im Gegensatz zu den Sadduzäern auch
die mündliche Väterüberlieferung und die pharisäische Tora Auslegung (Halakha)
für verbindliche Traditionen. Auf diese Weise gewannen sie als
Schriftgelehrte in den Synagogen grosse Bedeutung und relativierten damit
den - wesentlich von den Sadduzäern getragenen - Tempelkult zugunsten des
Synagogengottesdienstes. Trotz strengster Tora-Observanz akzeptierten sie
eine anthropozentrisch orientierte Kompromissbereitschaft (vgl.
Sabbatregelung), denn der Mensch galt ihnen zwar als frei und verantwortlich
für sein Tun, seine Existenz wurde jedoch auch wesentlich mitbestimmt durch
ein unkontrollierbares Schicksal. Daraus leiteten die Pharisäer auch ihre
Forderung nach einer sorgfältigen und milden Rechtsprechung ab. Sie
akzeptierten die apokalyptische Geschichtsauffassung, die Messiaserwartung,
den Glauben an die Auferstehung der Gerechten und an die Unsterblichkeit der
Seele, andererseits aber vermieden sie die apokalyptisch gespannte
Naherwartung der Essener und der frühen Urkirche. So galten sie bei den
jüdischen Parteien als Heuchler und Kompromissler, ein Bild, das auch durch
das Neue Testament nicht dementiert und auch zum Gegenstand pharisäischer
Selbstkritik wurde. Das Negativbild ist jedoch wesentlich durch die
Situation der Auseinandersetzung bedingt und führt zur Verzerrung der
objektiven Wirklichkeit der Pharisäer, die als kompromissbereite
Realpolitiker einzig das Überleben des Judentums zum Ziel hatten. Sorge um
Tradition und Überlieferung, aber auch eine gewisse missionarische
Verpflichtung den Juden in der Diaspora gegenüber führte zu einer doppelten
Absicherung der Tora: Einerseits legten sie durch Midraschim und Halakha
einen „Zaun um die Tora" (Abot 1, 1), andererseits sorgten sie für die
Fixierung des hebräischen Kanons (ca. 100 n.Chr., Synode von Jamnia), der
ebenfalls Züge eines Kompromisses trägt (Voranstellung der Tora, Aufnahme
prophetischer Bücher und der Schriften [gegen die Sadduzäer], Ausklammerung
apokalyptischer und hellenisch geprägter Schriften).
Für das Neue Testament, näherhin für die lukanische und paulinische
Tradition, war der Pharisäismus z. T. (Betonung der Verbindlichkeit der
Schrift, Messiaserwartung, Auferstehungsglaube usw.) akzeptabel, überwiegend
jedoch wurden die Pharisäer als Gegner Jesu negativ gezeichnet. Vor seiner
Bekehrung war Paulus Pharisäer hillelitischer Prägung.
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