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Phallus |
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Der Phallus (griech.),
das männliche Geschlechtsorgan (Penis) im Zustand der Erektion, und die
Vulva (lat.), das weibliche Geschlechtsorgan, gelten bei zahlreichen Völkern
als Symbole der befruchtenden und zeugenden Naturkraft, als Träger der
Gebärkraft und der Lebensfülle und stellen z. T. Objekte der Anbetung
gegenüber den Mächten der Zerstörung dar. Mit der Darstellung der
menschlichen Geschlechtsteile, insbesondere des Phallus, verbindet sich ein
starker Sinn für das Mysterium des Geschlechtslebens und das Wunder der
Zeugung. Damit einher gehen Mana- und Tabu-Vorstellung. Das Wunderbare,
Göttliche ist zugleich das Gefährliche, Dämonische. Mit der Heilighaltung
der Geschlechtszeichen verbindet sich jedoch keine Laszivität oder Roheit;
sie ist keineswegs eine seltsame Verirrung, sondern zutiefst eigenste
Menschlichkeit. Besonders bei den Agrar- und Jägervölkern sind Phallus-Kulte
anzutreffen. In einem Moor bei Njutanger, Hälsinglund (Schweden) fand man
eine phallische Figur eines bärtigen Gottes der Germanen, die in die erste
Hälfte des 1. Jt. n.Chr. zu datieren ist. In Afrika und Neuguinea besitzen
noch heute zahlreiche Stämme phallusähnliche Fetische. Stark verbreitet war
der Phallus-Kult im älteren Shintoismus Japans, wo der Phallus nicht nur das
Symbol der Zeugungskraft, sondern Inbegriff des Lebensprinzips gegenüber der
Macht des Todes war. In Indien spielt der Phallus (Skt. Lied) namentlich im
Kult des Siva eine grosse Rolle. So wird in seinen Tempeln der Phallus als
Symbol des Gottes Siva aufgestellt und dem weiblichen Geschlechtsorgan (Skt.
Vom) gegenübergestellt. In der hellenisch-römischen Welt war der
Phallus-Kult ebenfalls weit verbreitet. Bei den Kultfeiern des Dionysos
wurden, ähnlich dem römischen Fruchtbarkeitsfest (liberalia) Phallen
öffentlich umhergetragen. Die Phallen wurden auch zum Attribut zahlreicher
Gottheiten. Die ägyptische Gottheit Min, den griechischen Götterboten
Hermes, den germanischen Freyr u. a. verehrte man in der Form eines Phallus
oder stellte sie ithyphallisch, d. h. mit aufgerecktem männlichem Glied,
dar. Unterschwellig lebte der Phallus-Kult, auch wenn ihm eine andere
Bedeutung gegeben wurde und man um den Ursprung nicht wusste, in der
christlichen Volksreligiosität bis in die Neuzeit dergestalt fort, dass noch
im 18. Jh. in Oberbayern ein Phallus-Fetisch unter dem Namen
St.-Leonhards-Nagel durch die Felder getragen und von den Mädchen umarmt und
geküsst wurde. Die ursprüngliche Heiligkeit des Geschlechtlichen, die sich
im Phallus-Kult prägnant ausdrückt, wurde im Lauf der Zeit tabuisiert. Erst
in unserer Zeit ist es gelungen, zunächst gegen den Widerstand der
christlichen Kirchen, Verkrampfungen zu lösen und die Unbefangenheit des
Menschen gegenüber dem Geschlechtlichen zurückzugewinnen. |
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