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Parsi/Parsismus

1. Parsi sind die Nachkommen der Religion Zarathustras. In einer früheren Zeit war der Parsismus als zarathustrische Religion im Iran Staatsreligion unter den Sassaniden (226-651 n.Chr.). Damals wurden die Avesta-Texte als heilige Bücher der zoroastrischen Religion gesammelt. Als bald nach dem Tod Muhammads (632) die neue Religion des Islam die Ausübung ihrer zoroastrischen Religion behinderte, wurden die Anhänger gezwungen, aus ihrem Heimatland auszuwandern. Mit Ende des 9. Jh. n.Chr. hatte der Grossteil das persische Stammland verlassen und eine neue Heimat in Pakistan, vor allem in Nordwestindien (Sanjan), gefunden, wo sie, ihre Religion frei ausübend, Tempel bauen konnten. Dort kam für sie der Name Parsi (Perser) in Gebrauch. Nach einer wechselvollen Geschichte und grossen Schwierigkeiten (Muslime, Reich der Mogulen) fand ein Grossteil im 17. Jh. unter dem Schutz der Engländer (East Indian Company) die Möglichkeit, sich in Gujurati und dann im Umkreis um Bombay (britische Besetzung 1661) anzusiedeln. Unter der englischen Herrschaft gelang es ihnen z. T., durch Handel und Industrie zu beachtlichem Wohlstand zu kommen. Zu Beginn des 20. Jh. zählte ihre Gemeinschaft weit über 100000 Seelen. Die Unabhängigkeit Indiens (1947) hatte zur Folge, dass die Parsi-Gemeinden in Pakistan sich loslösten und ihre Eigenständigkeit suchten. Die vergangenen Jahrzehnte brachten es mit sich, dass begüterte Parsi-Familien nach England und Amerika auswanderten, aber noch immer an ihren religiösen Traditionen und Gebräuchen festhalten. In England und in den USA kamen Studenten aus Parsi-Familien zum erstenmal in Kontakt mit europäischen und amerikanischen Iranisten, die sich mit dem Avesta wissenschaftlich befassten und das richtige Verständnis für diese Bücher zu erschliessen versuchten. Diese Gelehrten (Iranisten) hatten bei den Parsi-Familien im Ausland grossen Erfolg. In der Neuzeit ziehen wissenschaftliche Kongresse der Iranisten die Aufmerksamkeit auf die Religion der Parsi und ihre alten Traditionen. So fand 1960 in Teheran ein erster Weltkongress der Iranisten statt, nachdem der Schah von Persien die Parsi begünstigte und ihre Rückwanderung förderte. Ähnliche Kongresse folgten in Bombay (1964; 1978), in Toronto (1975) und Chicago (1977). - Jeder Europäer, der mit Parsi-Familien Kontakt hat oder durch Besuche ihre heutige Religionsausübung kennenlernt, kann sich überzeugen, wie sich die Parsi-Familien in aller Welt bemühen, an der Tradition festzuhalten; das Rituelle (Reinigungsvorschriften) hat hier ein starkes Übergewicht.

2. Die religiösen Glaubensvorstellungen sind heute in katechismusartigen kleinen Büchlein zusammengefasst. In ihnen finden sich die wesentlichen Elemente des zarathustrischen Welt- und Menschenbildes: Der ursprünglich schroffe Dualismus Zarathustras wird unter Einfluss monotheistischer Strömungen gemildert, und man bekennt sich zu einer Vorherrschaft des Weisen Herrn (Ahura Mazdah) über den Bösen Geist Ahriman. Die religiös fundierte Ethik ist auf die rechte Wahlentscheidung des Menschen ausgerichtet, d. h. sich in Gedanken, Worten und Taten für das Gute einzusetzen und die Lüge zu bekämpfen. Asha als Begriff des Rechts, der Rechtsordnung, ist eine der sieben amesha spentas, der unsterblichen Heiligen. Es sind für Zarathustra Ordnungsbegriffe, die später vergöttlicht werden. Das Welt- und Menschenbild wird beherrscht von der Unterscheidung in eine alles durchziehende Aufteilung in Bereiche des Guten und des Bösen. Der Mensch muss sich entscheiden, wohin er gehören will und wofür er kämpfen will. Nach dem Tode geht er über die Cinvant-Brücke (Brücke der Scheidung, Trennung). Hier erfolgt die Scheidung der Menschen: Die Guten gehen an einen Ort des Lichtes und des Glückes, die Bösen an einen Ort der Finsternis und des Schreckens. Am Ende der Zeit kommt das kosmische Gericht als allgemeines Feuerordal. Die leibliche Auferstehung der Toten ist verbunden mit der Herrschaft des Weisen Herrn in einer neugestalteten Welt. Die Elemente der zarathustrischen religiösen Vorstellungen, wie sie in den Gathas entwickelt werden (aber auch die späteren Entwicklungsstufen zoroastrischer Tradition), sind in einfachen, wesentlichen Formen noch immer erkennbar.
Die Parsi sind Zeugen einer den Dualismus überwindenden monotheistischen Grundstruktur auf dem Hintergrund der alten indo-iranischen Religionsgeschichte. Im Parsismus haben wir ausserdem das Beispiel einer mächtigen religiösen Tradition, die durch alle Wechselfälle der Geschichte und des Lebens das zarathustrische Erbe im Grunde bewahrt haben.

3. Eine zentrale Bedeutung haben Riten in Verbindung mit dem heiligen Feuer und dem Feueropfer im Feuertempel, wobei das Feuer (atar) nicht angebetet wird, sondern als Mittel der Reinheit und Heiligkeit sowie als Symbol Ahura Mazdahs gesehen wird. Die Bezeichnung „Feueranbeter" für die Parsi ist daher nicht korrekt. Bei den kultischen Feueropfern verdeckt der Priester den Mund mit dem Schleier, um das Feuer nicht zu verunreinigen. Die verschiedenen Opferhandlungen werden begleitet von einer Rezitation bestimmter Avesta-Texte. Die Verstorbenen werden, bevor sie dem Ritus entsprechend bestattet werden, gewaschen, bekleidet und dann unmittelbar in den fensterlosen Turm des Schweigens (dakhma) gebracht, wo sie auf den hohen Mauern des Turmes den Raubvögeln ausgesetzt werden; diese Art der Totenbestattung ist aber heute nicht mehr obligatorisch. Die Angehörigen beten in der Nähe für den Verstorbenen. Der Priester verrichtet drei Tage lang (dies entspricht wohl dem Warten der Seele auf das Gericht) eigene Zeremonien für die Verstorbenen.
- Priester werden in eigenen Schulen ausgebildet und lernen die Avesta-Texte mit Gatha Texten auswendig. In der Parsi-Familie wird das Kind mit etwa 9 Jahren in die göttliche Streitschar aufgenommen und entscheidet sich damit für den Kampf gegen das Böse. Dabei erhält es u. a. eine heilige. Schnur. Das Lösen des Knotens gilt als Absage an das Böse, das neuerliche Knoten der Schnur selber während des Tages bedeutet eine Erneuerung des Versprechens, gut zu sein in Gedanken, Worten und Werken.
 


 

 

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