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(griech.
„All-Gott-Lehre") ist die weltanschaulich-religiöse Form des Monismus,
wonach Gott als einzige, absolute, ewige, unendliche und unpersönliche
Substanz oder Natur in allen Dingen lebt, so dass in Gott das absolute Sein
und die lebendig-schöpferische Natur zusammenfallen. Sowohl die Transzendenz
und Persönlichkeit Gottes als auch die Selbständigkeit anderer endlicher
Substanzen werden dadurch geleugnet. Der Begriff erscheint erstmals im Titel
von J. Tolands Schrift „Panteisticon" (1720), die damit bezeichnete Sache
wurde aber bereits im Altertum vertreten (vgl. Xenophanes und Parmenides bei
Aristoteles Met. 986b; 1001).
Der Pantheismus tritt in verschiedenen, sich teilweise bedingenden und
überschneidenden Formen auf:
1. der theomonistisch-akosmistische Pantheismus verneint mit der Behauptung
der alleinigen Existenz Gottes die Eigenexistenz der Welt (Akosmismus, J. G.
Fichte, B. Spinoza);
2. der physiomonistische oder biologisch-materialistische Pantheismus hebt
mit der Behauptung der alleinigen Existenz von Welt und Natur die
Eigenexistenz des als nachträgliches Interpretament entlarvten Gottes auf
(W. Ostwald, E. Haeckel, H. Taine, Marxismus);
3. der immanent-transzendente Pantheismus behauptet die Verwirklichung
Gottes in der als Modifikation der göttlichen Substanz aufzufassenden Welt
(B. Spinoza, Dt. Idealismus, J. W. v. Goethe, F. E. D. Schleiermacher, R.
Eucken);
4. der transzendente oder mystische Pantheismus erblickt das Göttliche im
Innersten der Dinge, bevorzugt der Seele, so dass das Geschöpf erst durch
Abstreifen der sinnlichen Hülle Gott wird (Plotin, Scotus Eriugena, Vedanta,
Panentheismus);
5. der panpsychistische Pantheismus konstruiert das Verhältnis von Gott und
Welt nach Art der Einheit von Seele und Leib, indem an die Stelle Gottes die
sog. Weltseele gesetzt wird (Panpsychismus);
6. der dynamische oder emanatistische Pantheismus begreift das Hervorgehen
der Welt als reinen Ausfluss oder Emanation aus der göttlichen Substanz
(Gnosis/Gnostizismus, Neuplatonismus, Scotus Eriugena);
7. im evolutionistischen Pantheismus verwirklicht sich Gott erst in einem
dialektischen Prozess und kommt durch den menschlichen Geist zum
Selbstbewusstsein (J. G. Fichte, F. W. J. Schelling, G. W. F. Hegel, A.
Schopenhauer, M. Scheler, G. Gentile, B. Croce, Panlogismus).
Die Widersprüche des Pantheismus treten in bezug auf das Theodizee-Problem,
im Gegensatz von Veränderlichkeit und Unendlichkeit des göttlichen Seins,
von absolutem und endlich-geschöpflichem Sein und im Problem der notwendigen
Negation der menschlichen Freiheit zutage. Religionsgeschichtlich ist der
Pantheismus in asiatischen Religionen zu finden (z. B. Indien: Brahman als
Allkraft; Spuren in buddh. Sekten Japans wie der Shingon- und
Nichiren-Schule ; in der Lehre Tshuh Hsis im 11./12. Jh. in China). Er
verbindet sich gelegentlich auch mit monotheistischen (bes. den mystischen
Strömungen des Judentums und des Islam) sowie polytheistischen Religionen
(Ägypten: Atum ; Iran: Ahura Mazdah; Stoa).
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