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Opfer - vorbiblisch

Im vor- und ausserbiblischen Bereich des Vorderen Orients zeigen die Opfer Vorstellungen der einzelnen Völker und Kulturen bemerkenswerte Übereinstimmungen, aber auch signifikante Differerenzen. Gemeinsam ist, dass Opfer-Ritual, Opfer-Typ und Opfer-Materie z. T. noch prähistorische Elemente widerspiegeln und in jedem Fall in unmittelbarer Verbindung zur jeweiligen Kultur und ihrer Entwicklung stehen. Übereinstimmend ist weitgehend die dynamistische Wertung des Opfers. Es verbindet Geber und Empfänger, in dem es dem Empfänger von Leben und Kraft des Gebers mitteilt und umgekehrt indem der Geber vom heiligen Tier des Empfängers isst; es dient zur Beschwichtigung von Göttern und Dämonen, als Nahrung für die Götter und kräftigt die Schatten in der Unterwelt (Mundöffnungsritual, Toten-Opfer). Zugleich ist es geprägt von der Vorstellung des do-ut-des und steht damit je schon einer Verinnerlichung und ethischen Prägung von Religion und Kultur im Wege. Hier und in der Ausprägung der Opfer-Rituale zeigen sich die Differenzen.

1.Ägypten
In Ägypten waren die 0pfer weder an Zeit noch an einen Ort gebunden. Zumindest in der Amarna-Epoche jedoch wurde der Tempel (mit Opfer-Saal ausgestattet) zum Opfer-Ort. Primär dienten die dazu, die materiellen Bedürfnisse von Göttern, Dämonen und Toten auf magische Weise zu befriedigen. Die dynamistische Opfer-Auffassung zeigt sich darin, dass man annahm, die Gottheit nehme von den Opfern die Opfer-Substanz (Lebenskraft), nicht jedoch die Opfer-Gabe selbst an Das führte positiv zum Opfer-Umlauf (d.h das Opfer diente zum Unterhalt von Priesterschaft und Festgemeinde), negativ zu billigen Ersatz-Opfern und Veräusserlichung des Opfer-Kultes, machte aber auch den Weg zur symbolischen Substitution (Lebenszeichen u. a) frei. Durch Opfer-Umlauf (Opfer-Überweisung) wurde keinerlei Opfer-Gemeinschaft zwischen Gottheit und Opferer begründet (im Ritual sichtbar: Priester opfert hinter verschlossenen Türen). Das Opfer war und blieb ein Mahl der Gottheit selbst. Mahlgemeinschaften werden vage sichtbar im Totenkult (auf die Familie beschränkt), deutlicher in der Spätzeit, in der auch das Brand-Opfer an Bedeutung gewinnt. Die Opfer-Gaben sind die üblichen, wobei in der Frühzeit auffällig der Tierkopf mit einbezogen wird. Das Ritual zeigt die Elemente: Niederlegen der Opfer-Gabe - Erheben der Hände - Gott zum Tisch führen - Räuchern - Besprengen - Ausbreitung der Hände über den Gaben.
Legitimer Opfer-Herr ist einzig der Pharao, dessen Opfer zum sichtbaren Ausdruck der ständigen Wechselwirkung zwischen Götterwelt und Menschenwelt, zum Ausdruck von Pflicht, Dank, Erwartung und Versprechung wird. Gerade das Königs-Opfer fand Eingang in die Mythologie, insofern die Opferung symbolisch die Vernichtung der Feinde anzeigt.

2.Mesopotamien
Schon die Sumerer des 3.-2. Jahrtausends kannten ein umfangreiches Opfer-Ritual, das sowohl spontan als auch kalendarisch fixiert durchgeführt wurde, um den Göttern mittels vegetabilischer Gaben und vor allem Libationen Nahrung zukommen zu lassen. Speise- und animalische Opfer dienten Göttern wie den Bewohnern des Totenreiches zur Stärkung. Die Opfer-Materie ist die übliche, allerdings waren Menschen-, speziell Kinder-Opfer weitgehend unbekannt, wenn man annehmen kann, dass Fundament-Opfer und die Opferung des „Ersatzkönigs" nicht als eigentliche Opfer aufzufassen sind. Die Terminologie (niqa naqu, „ein Opfer vergiessen") zeigt die Primärrolle der Libation im sum., assyr. und babyl. Bereich und zeigt damit auch Übereinstimmung mit dem hethitischen Ritual der Libation als Markierungs-Opfer und den Opfern der Kreter und Mykener.
Die Einbindung der Opfer-Handlung in die Form des kommunizierenden Gastmahles (takultu, qeritu, wörtl. „Einladung zum Gastmahl") ist umstritten. Besondere Bedeutung hatte das Opfer im Rahmen vielfältiger Exorzismus-Rituale. Im Gegensatz zu Westsemiten und Griechen war hier (wie in Ägypten) das Brand-Opfer nahezu unbekannt. Bevorzugter Opfer-Herr waren der König und seine Familie.

3.Kanaan
Das kanaan. Opfer-Ritual wird allein schon wegen der mit dem AT weitgehend übereinstimmenden Terminologie (noch erhalten im späten Opfer-Tarif von Marseille) als Vorläufer des israelitischen Rituales angesehen. Die durch Masseben und Ascheren (hl. Bäume) gekennzeichneten Orte göttlicher Präsenz enthielten in der Regel auch einen Opfer-Platz, sei es in der Gestalt einer „Höhle" (bamah, vgl. Megiddo), sei es als Brandopferaltar in baulicher Zuordnung zu einem Tempel. In der Cella des kanaan. Tempels befanden sich Steinbänke zur Deponierung der Opfer-Gaben. Die Opfer-Materie war die übliche. Bevorzugter Opfer-Herr war der König.
Nach Ausweis der Opfer-Texte wurde das Opfer-Ritual eingeleitet durch eine Händewaschung; es folgten ein Schmuckritus, die Schlachtung, Handerhebung und die eigentliche Opferung als Verbrennung (Srp). Dieser Ablauf des „Ganz-Opfers" ist belegt im Opfer des Keret auf dem Tempeldach. Das „Gemeinschafts-Opfer." war mit einem Opfer-Mahl verbunden, vielleicht sogar mit einer Libation. Das „Sühn-Opfer" ist auch in Kanaan umstritten, da man den Blutritus beim Opfer des Keret auch als Konsekration des Opferers deuten kann.
Das „Toten-Opfer" war beliebt und wurde im Mythos von Anat für den toten Baal durch-/vorgeführt. Menschen- und Kinder-Opfer sind lit. nicht ausgewiesen, obwohl manche Texte im AT gegen solche Opfer gerichtet sein können. Die Ursprünge des phönizisch-punischen Moloch-Rituales, eine bestimmte Opfer-Art, die später auch nach Israel importiert wurde, sind im frühen Kanaan nicht recht auszumachen. Im ugaritischen Kult treffen wir zum erstenmal auf die Institution der Kultmahlgenossenschaft (mrzb), die das Opfer-Mahl institutionalisierte und in späterer Zeit (vor allem bei den Nabatäem, in Palmyra und im griech. thiasos) soziale Funktion erlangte.

4. Griechenland
Während in der mykenisch-minoischen Kultur Tier-Opfer fast völlig fehlen, Tierverbrennung und Feuer-Opfer sogar unbekannt sind, kennen die Griechen diese Elemente, sogar zusätzlich noch Blutriten und Opfer mit communio-Charakter, worin sie weitgehend mit Kanaan und Israel übereinstimmen. Dominierend war die thysia, das „Rauch-Opfer" primär vegetabilischer Opfer-Gaben (Früchte, Honig, Milch, Wein, Wolle u. a.), dann auch der Tier-Opfer. Menschen-Opfer sind nur für die Frühzeit belegt und laufen dann mit steigender Kulturstufe aus. Nur in Katastrophenfällen sind sie danach noch vorgesehen. Auffällig am griech. Opfer-Ritus ist die Betonung des Gebetes (eucii) und das Verzehren der spldnchna, bestimmter Opfer-Teile, wodurch die Communio mit der Gottheit erreicht wurde.

5. Arabien
Hier ist noch rudimentär das Nomaden-Opfer greifbar, für das Milchlibation und Mahl-Opfer bestimmend waren. Die Tier-Opfer im Frühjahr zeigten deutlich Erstlingscharakter. Eine zentrale Rolle spielte der Blutritus (vgl. Passah). Das Opfer- Fleisch wurde im Opfer-Mahl verzehrt oder an die Bedürftigen verteilt. Priester spielten dabei an keiner Stelle eine Rolle.
 


 

 

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