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Ein ins Spirituelle
hinein entwickelter moderner Fortschrittsglaube an eine geistige
Transformation des Menschen umfasst als New Age (wörtl.: „Neues Zeitalter";
auch: Wassermannzeitalter) verschiedenste gesellschaftliche Bewegungen und
Hypothesen. Erstmals in den Anzeichen des Traditionsbruchs in der
westlichen Kultur um 1968 manifestiert, versteht sich New Age im Sinne eines
neue Paradigmas als Evolution zu einem ganzheitlichen Bewusstsein von der
Selbsttranszendenz des Menschen und als Abkehr von einem
rationalistisch-mechanischen Weltbild.
Komponenten dieses neuen Lebensgefühls sind die grossen Traditionsströme der
orientalischen und jüdisch-christlichen Religionen, wobei letztere sich
weiterhin verzweigt durch das Entstehen der Naturwissenschaften im Zuge der
Säkularisierung und die gnostisch-esoterische Tradition, die wie ein
Schatten die offizielle Religion begleitet. In variabler Intensität
manifestieren sich heute diese 4 Elemente in einer zukunftsorientierten
Systemschau scheinbar divergierender Gruppierungen:
a) in der Wissenschaft: visionäre Physik („Systemtheorie der Evolution";
„Selbstorganisation des Universums"), Systembiologie („Gaia-Hypothese";
„morphogenetische Felder"; „holographisches Modell"), Informatik (globale
Vernetzung), ganzheitliche Medizin, transpersonale Psychologie (Esalen),
Thanatologie;
b) in der Gesellschaft: alternative Erziehung, Abrüstung, Feminismus,
Ökologie, sanfte Technologien, New Age-Management, neue Weltordnung (7
Bahn), eupsychische Therapien, Körpertherapien, Geistheilung;
c) in der Kunst: psychedelische Musik, Oberton-singen, Phantasy- und
Science-Fiction Lit.;
d) in der Spiritualität: neokosmische Religiosität, gnostisch-esoterische
Praktiken, Naturmystik (Findhorn), theosophisch orientierte Bewegungen,
Meditation und Mystik, synkretistische Gurus, Reinkarnations-Theorien,
ausserirdische Intelligenzen.
Direkte Quellen des New Age sind über die Entfaltung theosophischer Gedanken
und über Einflüsse einer kantischen Philosophie der transzendentalen
Erkenntnis durch Erfahrung hinaus in der optimistischen Hippie-Kultur
Kaliforniens zu suchen mit ihrer bewusstseinserweiternden Drogenerfahrung,
ferner in der die Religion auf innerpsychische Phänomene reduzierenden
Psychologie von C. G. Jung bis A. Maslow, der theologische Vision P.
Teilhard de Chardins, der unmittelbaren Begegnung mit der Erfahrungswelt
östlicher Religionen, dem Bemühen um Integration lebendiger Polaritäten
(Mikro-Makrokosmos; Yin-Yang; Androgyn). Im Bemühen, ein planetarisches
Bewusstsein („Raumschiff Erde") zu schaffen, konvergieren alle Aktivitäten
und Utopien in einer „sanften Verschwörung" von intuitiv reagierenden Zellen
eines globalen Gehirns. Transformation des Selbst und der Welt fallen dabei
als Heilsweg und -ziel in eins. Im heilenden Prozess der Erleuchtung
gewonnene spirituelle Energien bewirken einen Evolutionssprung zum bewussten
Kosmos (Metaphysik als panentheistische Transzendenz). Angesichts dunkler
Katastrophenängste wird die Wendezeit eines tiefgreifenden Bewusstseins- und
Wertewandels in allen Lebensbereichen als in der Verantwortung und
Möglichkeit des einzelnen Menschen liegende Herausforderung verstanden und
kann darum nicht durch zentrale Organisationen, sondern durch ein
spirituelles Netz lokaler Gruppen („Netzwerk") und positives Denken
herbeigeführt werden. Ein säkularer Fortschrittsglaube wird durch mythische
Wiederentdeckung von verlorenem Wissen aus vergangenen Kulturen ersetzt,
wobei jedoch eklektische Verkürzungen dieser Traditionen sowie eine
Zurückstellung der Wahrheitsfrage zugunsten von Informationsvermittlung
deutlich werden. Am Horizont wird die Rückkehr eines erlösenden Meisters
(„der Christus") ersehnt, der teils als Gipfel des Evolutionsprozesses,
teils als Avatara früherer Menschheitslehrer erscheint. Wenn New Age einen „Neopaganismus"
(Religion als Öko Kultivierung) fordert und ein erstarrtes Christentum als
„Stadtreligion" (Religion der Institutionen) ignoriert, erwächst für die
Christen die missionarische Herausforderung („zweite Evangelisation") einer
neuen Inkulturation, entschiedener ökumenischer Bemühungen und
theologisch-pastoraler Überlegungen zu trinitarischer Ontologie, Theologie
der Religionen, ökologischer Schöpfungslehre, Basisgemeinschaften. Gemäss
dem Modell christlicher Gnosis-Rezeption sind heutige Bemühungen zu werten,
New Age in eine christliche Erfahrung zu integrieren, nach der das New Age
bereits in der kosmischen Herrschaft Jesu Christi präsent ist und sich
pneumatologisch in der Geschichte entfaltet (Enzyklika „Dominum et
vivificantem").
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