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Name

1. Der Umgang mit Namen bzw. die Benennung vom Dingen ist grundlegender Ausdruck der menschlichen Befähigung zur Sprache. Entsprechend bedeuten die Namen (im Plural) ursprünglich nichts anderes als die Sprache bzw. ist der Name (im Singular) nichts anderes als das Wort. Allerdings haben Namen heute viel von ihrer sowohl in der Religions- wie in der Philosophiegeschichte vorhandenen Bedeutung verloren. Als Namen werden heute weithin die sogenannten Eigen-Namen bezeichnet. Selbst sie haben nicht mehr den bei früheren Kulturen für alle Namen (Bezeichnungen, Wörter) zu beobachtende Eigenschaft, dem Namen- Kenner Verfügungsgewalt und Macht über das mit dem Namen Bezeichnete zu verleihen. Namen können heute im Gegensatz zu anderen Wörtern bedeutungslos sein und genügen ihrer Funktion, wenn sie das mit ihm Bezeichnete identifizierend kennzeichnen
 

2. Angesichts des heute festzustellenden Sprachverlusts im religiösen Bereich verdient der Umgang mit dem/den Namen Gottes und der Götter in der Religionsgeschichte erneute Beachtung. Analog der Einstellung zum Gottesbild, der Schaffung von Bildern und dem Bilderverbot, zeigt sich auch hier eine Dialektik von Gottesbenennung und ihrer Verweigerung. Entsprechend findet sich im biblischen Raum einerseits eine intensive Anrufung des göttlichen Namens (vgl. „Geheiligt werde dein Name", „Der Name des Herrn gepriesen", „Im Namen des Vaters ..“ u. ä.), andererseits das niemals aufgegebene Verbot des missbräuchlichen Gebrauchs des Gottes-Namens im Dekalog. Umgekehrt gibt es auch in asiatischen Religionen neben der entschiedenen Absage an Nennungen (vgl. als klass. Beispiel den Anfang des Tao-te-ching: „Der Name, der sich nennen lässt, ist nicht der ewige Name.") als bekannteste Weise der Namens-Anrufung das jap. Nenbutsu, wörtlich die „Buddha-Nennung", d. h. die vertrauensvolle Anrufung des Amida-Namens im jap. Reine-Land-Buddhismus. Klass. Ausdruck findet die genannte Dialektik in der sog. Offenbarung des göttlichen Namens an Mose in der Vision des brennenden Dornbuschs (Ex 3): Der dem Mose mitgeteilte Name Gottes offenbart Gott als den Unnennbaren und Unverfügbaren: „In dem Masse, in dem den Namen des Gottes zu kennen hiess, Macht zu haben über ihn, ist der Name, der Mose anvertraut wurde, genau der des Wesens, das der Mensch in Wahrheit nicht nennen, das heisst, seiner Sprache zugute halten kann". Theologisch reflektiert wird sie in der Dialektik von apophatisch-negativer und kataphatisch-positiver Theologie (vgl. Dionysius Ps.-Areopagita, De divinis nominibus). Die Beachtung der genannten Dialektik enthüllt aber zugleich eine in den Namens-Spekulationen lange Zeit zuwenig beachtete Seite des Namens: Auch wo die Kenntnis des Namens nicht zum „Begriff" des fremden Wesens führt, sondern dieses das Unverfügbare sein lässt, erlaubt sie die Anrede und Anrufung. In diesem Sinne hat F. Ebner formuliert: „Gott ist bewiesen, indem man ihn anruft". Die Dialektik von Namens-Offenbarung Gottes bzw. menschlicher Gottnennung und -anrufung und Absage an beides ist einer der verheissungsvollsten Ansatzpunkte des beginnenden Religionsdialogs, nicht zuletzt zwischen den abrahamitischen und den asiatischen Religionen.
 


 

 

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