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Mose

1. Mose gilt neben Abraham und den Patriarchen als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der drei monotheistischen Offenbarungsreligionen. Seine Bedeutung für den Jahwe-Glauben zeigt sich an einer in allen Schichten des Alten Testaments zu findenden Aufnahme seiner Gestalt mit sehr unterschiedlicher thematischer Ausrichtung. Der Name mosaeh lässt sich nicht semitisch herleiten (Ex 2, 10 ist eine Volksetymologie); wahrscheinlich liegt eine Ableitung von ägypt. msj „gebären" vor, wobei „Mose" eine Kurzform der häufiger bezeugten Verbindung mit einem theophoren Element ist (Thut-mose, Ra-mose: Der Gott X hat erzeugt/geboren). Die historische Person Mose ist ausserbiblisch nicht bezeugt, und von ihm selbst sind keine literarischen Zeugnisse überliefert. Seine feste Verankerung in verschiedenen literarischen Kontexten markiert einige historische Fixpunkte. Mose ist wohl in das 13. Jh. v. Chr. zu datieren und hielt sich in Ägypten auf (Ex 2,1-12; wobei die Aussetzungslegende mit ägypt. Lokalkolorit Ex 2,1-10 viele altoriental. Parallelen hat. Mose trat dort in Verbindung mit einer Gruppe von hebr. 'apiru (Ex 1,11-14; 4,29), deren Auszug aus Ägypten (Ex 12 ff.) er anführte. Während Mose sich in Midian aufhielt (Ex 2,15 - 4,23; der Aufenthalt dürfte historisch sein, da die Heirat mit der Midianiterin Zippora Ex 2,21 und die Erzählung von Mose und seinem Schwiegervater Jitro in Ex 18 gegenüber der Darstellung der ausgeprägten Feindschaft zu Midian Ri 6-8; Num 25,6-18; 31 kaum eine literarische Fiktion sein kann), fand die entscheidende Begegnung mit dem Gott Jahwe statt (Ex 3,1 ff.).

2. In dem Überlieferungskomplex im Pentateuch, in dem Mose eine Rolle spielt: Herausführung aus Ägypten (Ex 1-15), Wüstenwanderung und Sinaitheophanie (Ex 15-20; 24; 32-34) und Hinführung zum Kulturland (Num 13; 14-16; 20; 25; 32; Dtn 34), sind verschiedenste Einzeltraditionen zu einem nicht einheitlichen Mose-Bild verarbeitet worden.

Die Pentateuchschichten zeigen spezifische Charakteristika:
- In der jahwistischen (J) Überlieferung tritt Mose als Übermittler der Worte Jahwes auf (Ex 3,8.16.18), der der eigentliche Akteur der Herausführung ist (Exodus) (Ex 14,13 a.14). Mose handelt als Bote, der die Befreiungstat Jahwes ankündigt (Plagengeschichten Ex 7-11*) und der die Zusage Jahwes am Sinai (Bund) stellvertretend entgegennimmt (Ex 34,10).
- Bei dem Elohisten (E) tritt Mose in einen Dialog mit Jahwe (Ex 3,4b.10-12); er hat prophetische Züge und ist damit charismatisch-politischer Volksführer (Ex 3,10; 19,17. Mose als Prototyp der Nordreich-Propheten). Mose ist der von Jahwe legitimierte Retter (Ex 9,22-24), der jedoch wie bei J nicht aus eigener Kraft handelt (Ex 3,12).
- Der Jehowist (JE), der die Vorstellungen von J und E zusammenführt, stellt Mose zudem als Wundertäter dar (Ex 4,1-9; 17,5), was er als göttliche Legitimation Moses verstanden wissen will. Mose ist Partner und Mittler des Bundes mit Jahwe (Ex 34, 27); JE verknüpft Sinai, Bund und Gesetz mit der Hauptperson Mose zu einem Geschehen; Mose wird so auch zum Gesetzesmittler.
- Im deuteronomisch/deuteronomistischen (dtn/dtr) Literaturbereich (bes. Dtn und Jos) wird Mose zum Propheten par excellence (Dtn 18,15.18; 34,10-12; Num 12,6-8). Er wird dargestellt als Redner (Rahmung des „Ur-Dtn"), der als Weisheits- und Gesetzeslehrer unterrichtet (Dtn 1,5). In den späten dtr Schichten zeigt sich eine zunehmende Konzentration auf M. als Gesetzgeber (Dtn 4,44) und Schreiber des Gesetzes (Dtn 31,9.24). M. ist alleiniger Mittler des Bundes (Dtn 28,69) und der Tora. Er wird als Initiator des Monotheismus idealisiert (Dtn 4,35). Jahwe spricht zu M. (Jos 1,3 u. ö.) und durch M. zum Volk (Dtn 2,9.17.18 u. ö.). Er wird als Knecht Gottes (Jos 1,17 u. ö.) und Mann Gottes (Jos 14,6) tituliert.
- In der Priesterschrift (P) wird M. am häufigsten genannt. Er ist alleiniger Mittler. Jahwe spricht nur und direkt durch ihn (Ex 9,35; 35,29; Lev 23,1.9.23). Er wird zum Oberpriester und dann sogar durch den Pentateuchredaktor (Re) wesentlich entindividualisiert und zum Medium göttlicher Offenbarung (Ex 4,12.16.21.23) und erscheint sogar divinisiert (Ex 4,16; 19,9; 34,29-35).
In den Schichten des Pentateuchs zeigt sich demnach eine gewisse Entwicklung des M.-Bildes vom Jahwe-Boten (J), einfachen Volksführer (E), Wundertäter (JE), Gesetzgeber (dtn/dtr) bis zum divinisierten Offenbarungsmittler in der Schlussredaktion des Pentateuchs.

3. Ausserhalb des Pentateuchs und des Buches Josua spielt Mose keine vergleichbar dominante Rolle. Die Belege sind kaum exakt chronologisch einzuordnen und zu systematisieren, jedoch zeigt sich in ihnen die Aufnahme und Weiterführung der für die Pentateuchquellen herausgearbeiteten Charakteristika. So wird im deuteronomistischen Geschichtswerk Mose in Anlehnung an die pentateuchischen dtn/dtr Schichten als Gesetzgeber und Schreiber der Tora erwähnt (1 Kön 8,9; 2 Kön 21,8). Die enge Bindung der Tora an die Person des M. wird z. B. in 2 Kön 2,3; 14,6; 23,8 durch die Formel „die Tora des M." noch prägnanter formuliert. Die prophetische Dimension des M.-Bildes vornehmlich aus E-Pentateuch-Texten (s.o.) schlägt sich in den Überlieferungen der Nordreichprophetie (Elija, Elischa, Hosea) nieder. Sie versteht M. als ihren Ahnherrn und bestimmenden Prototyp (1 Kön 19,1-18; 2 Kön 2,1-18; Hos 12,14). Die Prophetie ist hier bleibende Institution, deren Sukzession durch M. legitimiert wird. Diese Vorstellung wirkt später auf das Prophetengesetz (Dtn 18), wo die Prophetie neben Richtern, König und Priestern die vierte Gewalt im Staat darstellt. Von dem M.-Bild der Nordreichprophetie hebt sich die Schriftprophetie (ausser Hos) ab; hier übernimmt die Person M. keine legitimierende Rolle. Die für den dtn/dtr Literaturbereich konstatierte Fixierung der Tora auf M. zeigt sich pointiert auch im chronistischen Geschichtswerk, wo häufig von der gottgegebenen Tora des M. gesprochen wird (Esra 3,2; 7,6; Neh 8,1; 2 Chr 8,13 u. ö.). Die im AT zunehmende Identifikation von Tora und M. findet beim Chronisten zunächst einen Schlusspunkt, wird aber im NT weiter zugespitzt (s. u.). Die Rezeption der M.-Gestalt in den Psalmen und in der Weisheitsliteratur ist gering, M. wird hier nur kontextbedingt erwähnt und entsprechend dargestellt (Ps 99,6; 105,26; 106,23; Weish 10,16). Häufig wird M. wegen seiner Relevanz für das Exodusgeschehen und aufgrund der Theophanien Jahwes (Ex 3; 19-24) als Religionsstifter bezeichnet. Da die Anfänge Israels und der Jahwe-Religion jedoch nicht linear zu erklären sind, lässt sich M. auch nicht eine ausgeprägte Stifterrolle zusprechen.

4. Im Frühjudentum entstehen Schriften, deren M.-Bild durch Heroisierung und Überhöhung geprägt ist (AssMos; Jub; VitMos) und die z. T. M. als Propheten der Endzeit (Dtn 18,15) bzw. als Typus des Messias deuten.
Im NT ist M. die am meisten genannte Gestalt des AT (80mal), wobei einige Aspekte des atl. M.-Bildes aufgenommen und weiterentwickelt werden. So wird bes. die Gesetzgeberfunktion des M. betont (Mk 1,44 par; 10,3f. par; Lk 2,22; Joh 8,5) und in der Identifikation von M. und Gesetz bzw. Tora (Gen-Dtn) enggeführt (so in der Formel im lukanischen Doppel werk „M. und die Propheten", Lk 16,19; 24,22; Apg 26, 22, oder in 2 Kor 3,15 und Apg 15,21 „M. wird verlesen"). M. steht für „das Gesetz" (Röm 5,14; Apg 21,21) und damit in der tpaullinischen Rechtfertigungslehre in Opposiition zu Christus (Röm 10,4ff.). Der ppropletische Aspekt des atl. M. wird im INVT ebenfalls aufgenommen und in indirebktem M.-Typologien auf Jesus übertragen (vsl. Mt 2 mit Ex 1-3 und in Mt 5 die Blergipredigt). So wird Jesus implizit als derr „es.chatologische Prophet" (Dtn 18,15..18) verstanden (Apg 3,22); 7,37). Dies macht auch die Verklärungsgeschichte 1114k '9,2 par deutlich („auf ihn sollt ihr ]hören", Mk 9,7• Dtn 18,15•), wobei diese ebenfalls eine indirekte M.-Typolcogie ist (vgl. Ex 24), in die Elemente der hellten. M.-Deutung (s. o.) eingeflossen siind. 1M. steht demnach im NT für Kontinuiität ((vgl. die Stephanusrede Apg 7,22-42; 1Rönn 9, 4 ff.) und zugleich für die Diskontirnuittät (Röm 10,4ff.; Hebr 3,1-6) zwischen AT und NT. Er ist nicht als Antitypuss Christi zu verstehen, sondern hat gleicchsatm eine Brückenfunktion als Zeuge der Glaubensgeschichte (Hebr 11,26 fff.).

5. Im Koran steht M. in Parralletlität zu Mubammad, für den M. Worbild als Volksführer, Gesetzesverkündler uind Prophet ist (vgl. Koran 20). übetr diese (M. überbietende) Parallelität hinaaus sind im Islam in etwa die unter 2 gemannten Grundzüge des M.-Bildes zu Ifindlen.
 


 

 

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