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Mormonen |
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Populärer Name für die Mitglieder der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" (The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints), einer amerikanischen Sekte adventistisch-chiliastischen Charakters (Chiliasmus). Obwohl die Selbstbezeichnung auch auf Jesus Christus verweist, sind die Mormonen nicht als christliche Sekte anzusprechen, da sie in entscheidenden Punkten vom Christentum abweichen: z. B. sind Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist drei körperlich gedachte Götter und die geretteten Menschen ( = Mormonen) erlangen aufgrund ihrer Gottebenbildlichkeit (potentielle Wesensgleichheit) in der Endzeit die Vollendung zur Göttlichkeit; Leugnung der Erbschuld; Abendmahl nur Erinnerung an Christi Opfer. - Stifter ist der Farmerssohn Joseph Smith (1805-1844), der sich bereits 1820 in einer Vision zum Propheten berufen fühlt. In einer weiteren Vision 1823 erhält er Kunde vom wahren, auf goldenen Platten festgehaltenen Evangelium, das ihm 1827 zur Übersetzung aus dem „Reformägyptischen" übergeben und 1830 erstmals als „Book of Mormon" (dt. 1852) veröffentlicht wird. Diese „hl. Schrift des Herrn für die westliche Erdhälfte", eine Mischung phantasievoller Erfindungsgabe mit verflachter Bibelimitation, enthält als Vorgeschichte der heutigen Mormonen die Geschichte der Ureinwohner Amerikas, die zwar erheblich von der bibl. Überlieferung wie der profanhistorischen Geschichtsschreibung abweicht, als ganz auf Amerika bezogene Geschichtstheologie bzw. erster Versuch einer autark amerikanischen Geschichtsschreibung aber zu beachten ist: Im Anschluss an den missglückten Turmbau zu Babel gelangen Nachfahren vom jüdischen Stamm Josef nach Amerika („Land der Verheissung"). Hier erleben die Nephiten z. Z. der Kreuzigung Jesu Sturm, Erdbeben und Finsternis sowie Erscheinungen des auferstandenen Herrn (Joh 10,16 wird auf Amerikas Ureinwohner bezogen), der u. a. zwölf Jünger beruft und die Bergpredigt wiederholt. Mit der kriegerischen Niederlage (384 n. Chr.) der gottesfürchtigen Nephiten gegen die von Gott abgefallenen und dafür mit „dunkler" Haut gestraften Lamaniten (= Indianer) wird zugleich seine Stiftung vernichtet. Moroni, Sohn des Propheten Mormon (nach dem das gleichnamige Buch benannt ist), gelingt es noch, die von seinem Vater erhaltenen goldenen Platten mit der bisherigen Geschichte zu ergänzen und zu vergraben. - Mit der Hebung dieser Platten 1827 durch J. Smith beginnt die eigentliche Geschichte der Mormonen. Nachdem Smith 1829 selbst das (höhere) Priestertum des Melchisedek erhalten haben wollte, gründete er 1830 in Fayette/N.Y. mit sechs Personen die Mormonen als Wiederherstellung der seit der Apostelzeit fehlenden Kirche Christi und organisierte aufgrund weiterer Offenbarungen in den folgenden Jahren die Hierarchie: die Erste Präsidentschaft (Prophet und 2 Ratgeber), das Melchisedekische (12 Apostel, Patriarchen, Hoherpriester, Siebziger, Älteste) und das (niedrigere) Aaronitische Priestertum (Priester, Lehrer). - Widerspruch und Verfolgung führten die rasch wachsende Gemeinschaft über Ohio und Missouri nach Illinois (von hier aus Beginn der Übersee-Mission), wo einige ihrer Führer wegen Aufruhrs gefangengenommen und J. Smith am 27.6.1844 im Gefängnis zu Carthage vom Pöbel erschossen wurde. Sein Nachfolger B. Young (1801-1877) unternahm mit den inzwischen etwa 15 000 Mormonen (Getaufte über 8 Jahre) 1846/47 den Marsch ins wüste Gebiet um den Grossen Salzsee, wo sie Salt Lake City als Mormonen-Stadt bzw. den Mormonen-Staat Utah, der nach Abschaffung (1890) der 1843 von Smith propagierten Polygamie (1862 staatlich verboten) 1896 Bundesstaat der USA wurde, gründeten und aus einer öden Gegend eine blühende Kulturlandschaft schufen.
- Lehrgrundlage der
Mormonen
bilden die 13 Glaubensartikel des J. Smith von 1841. Neben dem „Book of
Mormon" und der Bibel ("soweit sie richtig übersetzt ist", Art. 8) gelten -
da die Offenbarung nicht beendet ist - auch die vor allem die Offenbarungen
des Gründers enthaltenden Werke „The Doctrine and Covenants" (Lehre und
Bündnisse) und „The Pearl of Great Price" (Die Köstliche Perle) als h11.
Schriften. Massgebend ist auch das Wort des jeweiligen Präsidenten. Die wohl
am straffsten organisierte und theokratisch verfasste Sekte zählte 1984 rund
5,4 Mio. Mitglieder. Hauptverbreitungsgebiet sind nach wie vor die USA
(1982: 2,9 Mio.); in der Bundesrepublik Deutschland bekannten sich 1984 24
500 Personen als M. Abgesehen von Europa und den USA, weist die Sekte zudem
eine anhaltende Wachstumsrate auf. |
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