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Moksha |
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1. Während Nirvana im
Buddhismus der Schlüsselbegriff für das letze Ziel des Menschen ist, ist
Moksha der entsprechende wichtigste Begriff im Hinduismus. Die Begriffe
Moksha und Mukti sind abgeleitet von der Skt.-Wurzel muc(= erlösen,
befreien). Beide Begriffe werden ausschliesslich im religiösen Sinne
verwendet und bedeuten die Erlösung von dem Kreislauf der Geburt und der
Wiedergeburt (Samsara). Die Idee des Moksha kommt erst in den früheren Upanisaden voll zur
Entfaltung. Der Begriff existiert weder in den Veden noch in den Brahmanas.
Nach den Veden ist das letzte Ziel des Menschen Svarga (= die himmlische
Welt), wo er mit den Göttern in Seligkeit lebt. Als in
den Upanisaden Brahman und Atman identifiziert wurden, bestand das letzte Ziel
des Menschen in der Verwirklichung dieser Identität: „Derjenige, der das
höchste Brahman kennt, wird Brahman selbst". In der
Zeit der verschiedenen Acaryas (Lehrer) des Vedanta kam der Begriff Moksha
dann allgemein in Gebrauch.
Nach den Advaitins (hauptsächlich die Anhänger von Sankara) verursacht
Avidya (Unwissenheit) das Samsara; folglich ist Vidya oder Jnanam (wahres
Wissen) der einzige Weg zur Erlösung. Atman ist in der Wirklichkeit ein
einziger (vgl. Brhadaranyaka Up. I 4.1), während Maya oder Avidya für die
scheinbare Vielfalt verantwortlich sind. Mit dem Anbruch des wahren Wissens
verschwindet die Unwissenheit. Die individuelle Seele (Jivatman)
verwirklicht ihre Identität mit der Höchsten Seele (Paramatman): Derjenige,
der erkennt, „Ich bin Brahman!", wird zu diesem Weltall (Brhadaranyaka Up. I
4.10; vgl. Chandagya Up. VI 8.7: Mandukya Up. 2; Svetahvatara Up. 116). Nach
den Advaitins besteht Moksha in der Verwirklichung der wahren Natur des Jivatman.
Dieser ist, was wir in Wirklichkeit sind. Im Gegensatz dazu ist Moksha nach den Theisten (hauptsächlich die Anhänger von Ramanuya) nicht etwas, das dem
Jivatman angeboren ist. Gott schenkt seinem Verehrer die Erlösung, so dass
Moksha ein Geschenk der Gnade des Herrn ist (Ka-lila Up. I 2.23; gvetdevatara
Up. VI 16). 2. M. hat folgende Wesenszüge: a) M. ist von Svarga zu
unterscheiden. Svarga ist der Ort, an dem Jivatman seine Verdienste
geniesst, doch muss er von dort wieder in diese Welt zurückkehren. Dagegen
brauchen diejenigen, die Moksha erreicht haben, nie mehr zurückkehren (Brhadaranyaka
Up. VI 2.15; Chandogya Up. VIII 1.6). M. ist die endgültige Erlösung von
Geburt und Tod (Mundaka Up. I. 2.11; Brhadaranyaka Up. VI 2.15). b) Moksha ist
die vollkommene Freiheit vom Karma-Gesetz. Die guten oder bösen Taten haben
keine Wirkung mehr auf die Befreiten (Brhadaranyaka Up. IV 4.22-23;
Chandogya Up. IV 14.3; VIII 1.5). Es ist zwar nicht so, dass man gleich nach
der Befreiung von Samsara sterben muss. Der Befreite lebt vielmehr weiter wie
alle anderen, doch er geniesst die völlige innere Freiheit und erlangt eine vollständige Herrschaft über Körper und Geist. Ein solcher Befreiter wird Jivanmukta genannt. Videha-Mukti (Erlösung ohne Leib) ist die Bezeichnung für
den Tod des Jivanmukta. a) Karmamarga, der Weg des selbstlosen Handelns: die eigene Pflicht erfüllen ohne Anhänglichkeit an die Früchte des Tuns (Gita II 47-48); b) Bhaktimarga, der Weg der liebevollen Hingabe an den persönlichen Gott (Gita XII 13-20; XVIII 58 und 62);
c) Jnana marga, der Weg des wahren Wissens, der richtigen Erkenntnis, der Erleuchtung (Gita IV 36,37 und 39). |
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