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Mönchtum

1. Mönchtum (von griech. monazein = als einzelner leben) wird von fast allen Forschern der Gegenwart als allg. menschliche Grundgegebenheit und dementsprechend als Weltphänomen (J. Leclercq) angesehen. So sind in allen Hochreligionen monastische Lebensformen anzutreffen, die sich als Einsiedlertum, als Gemeinschaftsklöster oder als Mischformen darstellen. Sie entwickeln sich aus dem Willen zur Ganzhingabe des Menschen an Gott und deren Annahme durch Gott und sind folgerichtig in die sozialen und rechtlichen Dimensionen der Volks- und Religionsgemeinschaft eingebunden.
Im vor- und ausserchristlichen Bereich nimmt das Mönchtum innerhalb des Buddhismus und Jinismus den weitesten Raum ein. Beide Religionen sind letztlich wie der Taoismus und Lamaismus Mönchsreligionen. Mönchische Lebensformen finden sich gleichfalls im Hellenismus, bes. den Philosophenschulen der Pythagoreer, in der Tugendlehre der Stoa, der späteren Popularphilosophie, aus der manche Begriffe und Fachausdrücke, wie Askese, Anachorese, Koinobion, Schema (für das Mönchsgewand) übernommen werden.
In der Art des mönchischen Lebens unterscheidet man den Anachoreten, d.i. der Mönch, der aus der Reihe der Brüder in die Einsamkeit zieht - er wird auch Einsiedler, Eremit genannt -, vom Zönobiten, d. i. der Mönch, der in einer Gemeinschaft, in einem Kloster unter einer Regel und einem Abt Gott dient.
Im Alten Testament weisen die Prophetengemeinschaften sowie die Gemeinschaft von Qumran mehr oder weniger die Züge einer monastischen Lebensform auf.

2. Dem Selbstverständnis des alten christlichen Mönchtum ist die obige Betrachtung des monastischen Phänomens fremd; eine unmittelbare Abhängigkeit vom ausserchristl. Mönchtum wird von der neuzeitl. Forschung auch nicht angenommen. Wie das frühkirchl. Mönchtum sieht auch die Theologie des Mönchtums der Gegenwart das Mönchtum in Christi Ruf zur Nachfolge gemäss dem Evangelium begründet, die sich in der Vielfalt der Lebensformen aus der Fülle der geschenkten Gnadengaben (Charisma) entfaltet. Dieser bibl. Grundauftrag bleibt als Wesenskern auch in allen geistlichen Gemeinschaften bestehen, wo vom Mönchtum im Sinne des 1. Jt. keine Rede mehr sein kann. Monastische Lebensformen werden erstmals nach der decischen Verfolgung (249/250) bes. aber nach der Konstantinischen Wende historisch fassbar. Männer und Frauen versuchen Worte Jesu (z. B. Mk 10,19; Mt 19,11 ff.; Lk 18,18 ff.) in einer Ganzhingabe ihres Lebens an Gott zu verwirklichen. Nach den in der Hl. Schrift genannten Lehrern, Propheten und Wundertätern ragten bald Männer und Frauen hervor, die Schüler um sich sammeln wie Antonius (gest. 356) oder Gemeinschaften bilden wie Pachomius, Basilius, Martin und Benedikt (im Zeitabschnitt von 360-550); diese wiederum entwickeln sich durch ein Leben nach einer Regel und auf Dauer bald zu einem Stand und werden später Orden genannt.

3. Da die Nachfolge Jesu im Unterschied zu den nichtchnstl. Religionen dem in Jesus Christus ergangenen Heilswort Gottes entspricht, das an den Menschen in seiner Freiheit gerichtet ist, spricht man hier nicht von Geboten, sondern von „Räten". Sie artikulieren sich in den Gelübde-Formeln, für die nicht die Zahl und der formelle Ausdruck massgebend ist, sondern die Übereignung des Menschen an Gott, mit dem unabänderlichen Entschluss, der Person Christi keine andere Person, aber auch keine Sachwerte oder den eigenen Willen vorzuziehen. Das II. Vatikanum wird in PC sowohl der bibl. Grundlegung wie der gesch. Entwicklung gerecht, indem es das Evangelium als oberste Norm des Ordenslebens hinstellt, dem Charisma der Stifter Rechnung trägt (PS w) und dem M. einen besonderen Abschnitt widmet. Die Würzburger Synode hat vor allem den ekklesialen Charakter des allen geistlichen Gemeinschaften gemeinsamen Grundauftrags herausgestellt (Geistl. Gemeinschaften 2.1.7).

- Vom allg.-menschlichen Vorverständnis und dessen evangelischer Erfüllung allein kann schliesslich auch das Weiterleben der mönchischen Lebensformen im Reformatorischen Christentum (Taize, Grandchamp, Casteller Ring u. a.) verstanden werden.
 


 

 

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