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Messianismus - Neues Testament

Die messianischen Perspektiven des Alten Testaments, noch deutlicher die der zwischentestamentlichen Zeit laufen aufeinander zu und treffen sich im Neuen Testament in der Person Jesu als ihrem Zielpunkt, der die königlichen, priesterlichen und prophetischen Züge miteinander vereinigt und auch den Sühnetod des Leidensknechtes integriert. Die neutestamentliche Messianologie basiert zuerst auf dem Boden des Alten Testaments, indem sie die klassischen Stellen herausgreift, ihre im Frühjudentum gewonnene messianische Valenz akzeptiert und auf Jesus bezieht. Dabei greift das Neue Testament auch auf die von der LXX bereits messianisch interpretierten Aspekte vom „Spross Davids", von der „Sonne der Gerechtigkeit" zurück. Die messianische Interpretation des Ps 110 gewinnt entscheidenden Einfluss. Betont werden weiterhin der davidische, der priesterliche und der prophetische Aspekt des Messias. Gerade in der Ausarbeitung des priesterlichen Aspektes vollzieht der Hebräerbrief eine deutliche Distanzierung zu alttestamentlichen Vorgaben, insofern nun das Priestertum Jesu nicht von Levi, sondern aus der Ordnung des Melchisedek abgeleitet wird. Damit wird zugleich eine Kontraposition zu Qumran bezogen, jedoch weit moderater, insofern dort auch Melchisedek messianische Funktion haben kann (vgl. 11 QMelch). Das „messianische Fieber" (Zenger) im Gefolge der hasmonäischen Usurpation, nun durch die Zeloten antiröm. artikuliert, bildete den hist. Umstand für die In terpretation Jesu. Die Quellenlage ist zwar kompliziert, aber man gewinnt die Auskunft, dass die Identifikation Jesu mit dem Messias nur sehr zögerlich anlief, da mit ihr erhebliche und gefährliche politische Implikationen verbunden waren. So fehlt der Messiastitel für Jesus noch in Q völlig, sonstige Traditionsstücke in den Evangelien scheinen ihn nur selten verwendet zu haben, während erst die Evangelisten ihn in voller Breite einbringen. Trotzdem wird angenommen, dass dieser Hoheitstitel zum ältesten ntl. Bekenntnisgut gehört hat. Die Anfänge für die Prädikation Jesu als xprarng ( = magiab) liegen wohl in den ältesten Überlieferungen des paläst. Judenchristentums. Diese greifen auf mehrere fundamentale Ansätze zurück:

1.Ausgangspunkt ist der Kreuzigungstitel „Der König der Juden" (Mt 27,37 par), der von den Römern ironisch-politisch gegeben, von der Urkirche jedoch eschatologisch-messianisch verstanden wurde.

2. Auch die wahrscheinlich vorösterliche Bezeugung des röm. Hauptmannes (Mt 27,54; Mk 15,39; vgl. abweichend Lk 23,47) impliziert eine messianische Titulatur.

3. Wesentlich undeutlicher bleibt in dieser Hinsicht das Selbstverständnis Jesu, der weder den Titel selbst gebrauchte noch ihn auf sich anwenden liess. Dabei applizierte er auch keine der heilsgesch. Vorgaben exklusiv auf sich, was die Deutung seiner Messianität durch die Urgemeinde zusätzlich erschwerte. Allerdings war er wohl überzeugt, dass sein Wirken etwas mit der eschatologischen Gottesherrschaft zu tun hatte (Mk 2; vgl. Merklein, Zenger). Das geht hervor aus der Art seines Auftretens als jemand, der „in Vollmacht" redet (Bergpredigt), aber auch aus der Art seines Einzuges in Jerusalem, der eindeutig messianische Prägung zeigte (Mt 21,1-10 par; Sach 9,9). -

4. Die nachösterliche Gemeinde konnte im Licht der Auferweckung, verstanden als die Bestätigung des Christus Jesus durch Gott, nun voll die überkommene Messianologie übernehmen und auf Jesus anwenden (Röm 1,3 f.; 1 Thess 1, 10). Dabei gehen die ntl. Tradenten differenziert vor:
- Für Mk ist Christus der Menschensohn und Gottessohn zugleich (Mk 14,61).
- Mt greift bes. extensiv messianische Traditionen auf, um im Blick auf Jesus den Traditionsbeweis zu führen, der sein Ziel in Mt 24,5 findet. Jesus ist der vom Propheten (vgl. Dtn 18,18; Mal 3, 23 f.; Sir 48,10 f.) angekündigte Messias (Mt 11,14; 17,10-12). Dieser Aufweis dient ihm dazu, ein für allemal sonst auftretende Messiasprätendenten abzulehnen.
- Lk hat in seiner Christologie der Messianologie breiten Raum gewährt. Jesus ist durch Zeichen und Wunder, bes. aber durch seine Auferweckung als der Christus ausgewiesen.
- Auch wenn in der Christologie des Joh die Aufnahme von Messiastraditionen nicht im Vordergrund steht, ist für diesen Evangelisten klar, dass Jesus nicht der prophetische Vorläufer (Joh 1,21), sondern der Messias selbst ist (1,41; 4,25), der zugleich Sohn Gottes ist (11,27; 20,31).
- Für den Hebräerbrief liegt die Betonung jesuanischer Messianität vor allem in der Priesterwürde nach der Ordnung des Melchisedek.
Die Prädikation Jesu als Messias und der damit ausgesagte Ausschluss aller sonstigen potentiellen Messiasse führt dann notwendig zur Korrektur des Messiasbildes: Jesus Christus fasst die messianische Idee neu: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen" (Mk 10,42-45). Er ist der Messias der bedingungslosen Gewaltlosigkeit, der eine „Kontrastgesellschaft" zu den überlieferten Formen staatlich-institutionellen und öffentlich-rechtlichen Zusammenlebens um sich bildet, die „christl. ( messianische) Gemeinde", die in freiwilliger Nachfolge und brüderlicher Liebe gründet. Als zweites gewinnt mit Christi Auferstehung die alttestamentlich vorgezeichnete Auferstehungshoffnung (z. B. Ez 37,1-14; 2 Makk 7,9; 12,38-45 u. ö.) eine endgültige Perspektive. Damit ist für die Christen entschieden, wer der Messias ist, aber das Kommen des messianischen Reiches bleibt weiter Gegenstand der Hoffnung; es ist sogar zur Verwirklichung den Christen als Aufgabe aufgetragen. Damit wird das Gottesreich zum Handlungsprinzip (Merklein).
 


 

 

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