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Messianismus - nachbiblisches Judentum

1. In der zwischentestamentlichen Zeit kann sich ein breites Spektrum unterschiedlicher Erwartungen entfalten, teils auf der Basis biblischer Vorgaben, teils völlig unabhängig davon. Gerade die apokalyptische Literatur der zwischentestamentlichen Zeit redet naturgemäss vom Erlöser und verliert sich dabei häufig in Spekulationen, die im Regelfall die Aufnahme der entsprechenden Schrift in den Kanon (jüdisch, alexandrinisch, christlich) verhindert haben. Der fundamentale Pessimismus gegenüber dieser Welt und ihrer Geschichte liess die Hoffnung auf eine kommende Welt entstehen, in der Israel Befreiung und Wiederherstellung erlangen würde. Die eigentliche messianische Zeit ist aber nur die Zwischenzeit, ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich die Erwartungen zu verlagern begannen. Entsprechend differiert das Messiasbild in den Schriften dieser Zeit. Die Hauptgestalt in den messianischen Erwartungen ist der aktive eschatologische König (Sib III 280-293; äthHen 85-90), er ist verstanden als der kämpferische Gegenpol zu den Hasmonäern. Daneben sieht TestLev im Messias einen Priester. Ansonsten wird die messianische Dreierstruktur Prophet, Priester, König durchgehalten (TestBenj 9,2; Test Jud 24,1), wobei eine strikte personale Trennung zu verschwimmen scheint. ÄthHen und 4 Esra 11 greifen aus Ez und Dan die Gestalt des Menschensohnes auf und assimilieren sie mehr und mehr der Messiasgestalt (K. Müller, E. Zenger). Er ist der präexistente Weltenrichter, nach AssMos Gott selbst. Er ist nicht mehr nur das Signal einer neuen Zeit, sondern eines neuen Äons. Als Messias trägt er nun deutlich kosmische Züge. Unter Aufgreifen von 2 Sam 7,14; Ps 2,7; Jes 9, 5 f. breitet sich in der zwischentestamentlichen Zeit mehr und mehr der Glaube an die Gottessohnschaft des Messias aus (4 Esra 7, 28; 12, 31 f.; vielleicht auch in 4QFlor 1,10-13). Entsprechend wird auch Ps 110,1 ausgelegt. Ist aber einmal der grundsätzliche Schritt vom Messias hin zu Gott als alleinigem Retter vollzogen, dann verblasst das Interesse an einer messianischen Zwischengestalt, und es verlagert sich ausschliesslich auf Gott.

2. Die essenische Gemeinde von Qumran am Westufer des Toten Meeres war schon aufgrund ihrer Selbstdefinition als Wegbereiter Gottes (Jes 40,3; vgl. 1 QS 8,14; 9,19) in einer gespannten apokalypt. Erwartung. Aufgrund ihrer priesterlichen Prägung - will die Gemeinde nicht zur nachexilischen Theokratie zurück -muss gerade ihr M. als wegweisend empfunden werden. Zuerst überrascht, dass der Titel selbst nur sporadisch verwendet wird, vornehmlich in CD, dort allerdings eindeutig auf den erwarteten Retter an der Zeitenwende bezogen (CD 8, 2 f.; 9, 40; 15, 5 f.; 18, 8). Qumran hat den antihasmonäischen Ansatz der klasidim in der Messias-Erwartung konsequent durchgezogen und jetzt mit der schon klassisch gewordenen bibl. Begründung (vgl. CD 7, 18 ff.; 4 QTest) einen doppelten Messias erwartet (CD 12, 23 f.; 14,19; 20, 1). Mit bemerkenswerter Konstanz sprechen die Texte von den „Messiassen aus Aaron und Israel", die von einem Propheten (nach 1 QpHab 7,4f. könnte dies der qumranische „Lehrer der Gerechtigkeit", selbst ein Priester, sein) angekündigt werden (1 QS 9,11; vgl. Dtn 18,18; Mal 3,23f.; 1 Makk 4,46). Nach 1 QSa 2,12 ist der priesterliche Messias eindeutig dem königlichen vorgeordnet, der nur in 4 QPB 3 f. ausdrücklich als Davidide ausgewiesen wird. Ihm als Laienmessias obliegen die Aufgaben der militärischen Entscheidungsschlacht in der Endzeit, entsprechend ordnet die Kriegsrolle (1 QM) die Messiasse in umgekehr ter Reihenfolge an (1 QM 5,1). Von der Deutung der Zeitangabe b`' abarit haflamin:, „am Ende der Tage" (?), hängt es ab, ob man sich die beiden Messiasgestalten über die Realgeschichte hinaus tätig vorzustellen hat (vgl. H. Seebass: ThWAT 1973, 224-228).
Einmal begegnet in Qumran der „Mann der Bedrängnis" (1 QH 37,9 f.), der im Anschluss an die Gottesknechtgestalt von Jes 53 als eine leidende Messiasgestalt gedeutet wird (vgl. A. Dupont-Sommer). Fazit: Die Qumranessener haben drei Gestalten mit messianischer Qualifikation erwartet: Prophet, Priester, König. Da der Prophet mit dem „Lehrer der Gerechtigkeit", dem eigentlichen Begründer der Gemeinde in Qumran, gleichgesetzt wird, versteht sich die Gemeinde als zeitlich zwischen der Ankündigung und dem eigentlichen Kommen des Messias stehend. Die Messiasse sind zwar Idealgestalten, übermenschliche Züge haben sie jedoch nicht.

3.Rabb. Judentum
Die messianisch gewertete Erhebung des 1. Jüd. Krieges hatte arge Enttäuschungen gebracht und das Messiasbild erheblich korrigiert, obwohl das eschatologische Grundmuster der Messiaserwartung beibehalten wurde (jSot IX 15). Auch das Ausrufen des Simon bar Kosiba zum Messias durch R. Akiba (Gegenpol R. Johanan b. Torts; vgl. jTaan 4, 7 fol. 68 d) endete mit einem katastrophalen Fehlschlag, der die Erwartung eines politischen Messias, eines Befreiers von der röm. Fremdherrschaft allmählich verdrängte. Als Schulmeinung blieb die Messiaslehre der zwischentestamentlichen Zeit bestehen; sie wurde so gar in mancher Hinsicht noch ausgeba (vgl. die vier messianischen Funktion Suk 52b; vgl. auch das Arsenal messia scher Vorzeichen jSot IX 15; San 96 98b). BB 123b entwirft das Bild ein kriegerischen Messias, der dem untätig Messias aus David an die Seite tritt (v Pes r. 8; Gen r. 99,2). Er wird von sein Feinden getötet. Sein Tod hat aber kei Sühnewirkung (vgl. dazu den Dialog J stin - Tryphon). Nach San 93 b kom der davidische Messias erst, wenn all vorbei ist („passiver M.", Stemberge Das Grundmuster des doppelten Messi (sterblicher Messias aus Joseph, davi scher Messias als eigentlicher Erlös Elija als prophetischer Ankündiger; v Mal 3,23 f.) wird beibehalten (bPes 13 Suk 52 a). Trotz der Kontroverse mit de,, aufstrebenden Christentum hat das rab Judentum seit dem 2. Jh. auch die V. stellung vom leidenden Messias vertret (San 93 b). Nach R. Hillel schliesslich . Israel überhaupt keinen Messias mehr erwarten (San 98 b), dem allerdings R. J seph mit Hinweis auf Sach 9,9 (!) wid spricht. Die Erwartung richtete sich n am Messias vorbei auf die messianisc Heilszeit, die allein von Gott realisi werden konnte. Er führt alle Stämme raels (auch die verlorenen) in ein neuen Exodus, führt alle Gerechten d Völker zum jüd. Glauben und beteili auch die Toten durch die Auferstehu an dieser Heilszeit (Pes. r. I, 6). Das Messiasbild der Tannaiten und Amor schliesslich kaum noch Bezüge zur poli schen Wirklichkeit aufwies (Schäfe verlief es sich allmählich zur reinen Theorie. Im 3. und 4. Jh. entstanden gelege lich antimessianische Bewegungen, politische Hitzköpfe an der Entfaltung hindern. Erst gegen Ende der rabb. im 7. Jh. kam es angesichts der pers. oberungen zu einem neuen Aufschw der Apokalyptik (Midrasch 'ötöt ham Mali). Maimonides neutralisierte und e mythologisierte die Messiaserwartu Messianische Naherwartung füh schliesslich im 16. Jh. zur ,Kabbalah, 17. Jh. zum M. der Sabbatianer. 4. Auch die Sekte der /Samarita stützte ihre Messiaserwartung auf 1 18,15 ff. unter massivem Aufgreifen deuteronomischen Mosefiktion, ind sie den wiederkehrenden Mose als Messias erwartet. Dieser „Wiederkehrende" (Ta'eNvereinigt in sich prophetische und königliche Funktionen, erhält aber auch Züge des Noach. Bei seiner Wiederkunft wird das hl. Zelt auf dem Berg Garizim wieder errichtet, und alle Heidenvölker werden sich zum Glauben der Samaritaner bekennen. Das Verhältnis zu den Juden ('ibrim)in der messianischen Zeit ist nicht eindeutig. Einerseits wird der Messias ihre Sprache verwirren, andererseits werden auch sie sich zu ihm bekehren (vgl. Merx 30f.).
 


 

 

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