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Messianismus - allgemein

Der Begriff, ursprünglich auf ein Phänomen im Frühjudentum bezogen, hat sich im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte nahezu völlig von seiner etymologischen Herkunft gelöst und zeichnet allg. die Erwartung eines Retters von göttlicher Qualität, von Gott gesandt und/oder ihm ähnlich. Die Erwartung ist differenzierbar aufgrund ihrer Intensität, historischen und personalen Ausrichtung, politischen und sozialen Pragmatik sowie in bezug auf ihr Verhältnis zur und Einordnung in die jeweilige Religion. In diesem weiten Sinn ist Messianismus auch ausserhalb der Bibel und der jüdisch-christlichen Religion zu finden. Im Hinduismus erwartet man Krishna, für die Endzeit Kalki, die die Geschichte der Menschheit entscheidend verändern sollen. Der Buddhismus verlegt die Erlösung zuerst in den individuellen Menschen und erwartet erst später vermutlich unter christlichem Einfluss Buddha selbst als in die Geschichte eingreifenden Erlösergott. Im Islam konzentriert sich die Erwartung auf den Mahdi.
Die altorientalischen Religionen hatten die Erwartung auf königliche Retter, vor allem in Krisenzeiten geäussert, gemeinsam. In Ägypten, Mesopotamien und im alten Griechenland wurde diese Erwartung durchaus auch auf Erlösergottheiten (Osiris, Marduk, Tammuz u. a.) appliziert, wobei grundsätzlich innergeschichtliche, nicht endzeitliche Rettungsgestalten erwartet werden. Die kosmische Dimension des Erwarteten wird besonders deutlich gezeichnet im Bereich der altpersischen Religion, während in Griechenland der realpolitische Bezug im Vordergrund steht (vgl. Vergil, 4. Ekloge). Allen diesen Messianismen ist ein weitgehend übereinstimmender Motivrahmen gemeinsam.
Dies gründet in der allen Menschen gemeinsamen Heils- und Erlösungssehnsucht, die sie bis in die Gegenwart hinein anfällig macht für Führergestalten jedweder Provenienz (z. B. Alexander d. Gr., Simon bar-Kochba, Bernhard v. Clairvaux, Lenin, Hitler). Nährboden solcher Erwartungen sind je schon Krisenzeiten, die sich mit bekannten Lösungsmodellen nicht bewältigen lassen, obwohl jeder M. zumindest bei historisch bekannten Modellen ansetzen muss. Dies hat zur Folge, dass sich die meisten Messianismen phänomenologisch als politische Befreiungsbewegungen artikulieren, wobei als Zielvorgabe je eine mehr oder weniger realisierbare Utopie vorschwebt. Solche messianischen Bewegungen artikulieren sich Politisch als Utopien mit sehr ähnlicher Struktur: Aufhebung der Klassengegensätze, Wohlstand für alle, Befreiung von ungeliebten politischen Systemen u.a. Der biblische M. mag seine Entstehung zwar auch an politischen Brennpunkten festgemacht haben, hat sich dann aber bald davon gelöst und unter Annahme ethischer Prägung verstanden als Sehnsucht nach Lösung von Sünde und Schuld.
 


 

 

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