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Menschenopfer

Sie werden - wie Opfer überhaupt - zu religiös-kultischen oder magischen Zwecken göttlichen Mächten dargebracht. Wo andere Gaben unzureichend erscheinen, wird das denkbar und erreichbar Kostbarste, das Menschenleben - das eigene (Selbstopfer) oder das anderer (Ersatzopfer) -, als Inbegriff der höchsten Energie geopfert. Voraussetzung für die Herausbildung des Menschenopfers ist das mit der Sorge um das Gedeihen der Feldfrüchte verbundene Weltbild der Ackerbauvölker (Ackerbaukulturen). Menschenopfer gebühren den finsteren Mächten wie auch den freundlich gesinnten Gottheiten. Das zweckgerichtete Menschenopfer dient der Sühne und Versöhnung, der Beschwichtigung oder auch der Sicherung des göttlichen Beistandes. Die Intention des Menschenopfers ist insofern wandelbar, als z. B. das aus gegebenem Anlass (Seuche, Hungersnot) erfolgte Menschenopfer zur Versöhnung einer zürnenden Gottheit bzw. zur Beendigung der Notlage zu einem regelmässig vollzogenen „Vermeidungsopfer", d.h. zu einem Präventivmittel, wird. Als Hauptmotiv im Vordergrund steht neben dem Sühnegedanken der Gedanke der Befruchtung. Durch die Freigabe der Urlebensenergie (vorwiegend in Blut, Herz und Kopf des Menschen) im M. wird den Göttern oder Naturgewalten die nötige Nahrung bzw. Kraft gegeben, ihrerseits die Existenz der Menschen zu sichern (z. B. der Sonne die Kraft für den nächtlichen Kampf gegen die Finsternis). Diese aktive Mitwirkung an der Erhaltung der kosmischen Ordnung (durch Wiederholung des Schöpfungsaktes) dient somit letztlich der Lebenserhaltung des Menschen selbst. Die für das M. Ausersehenen geniessen bis zu ihrer Opferung hohes Ansehen; gelegentlich wird ihnen die Verehrung zuteil, die man der Gottheit zollt, der sie geopfert werden sollen. Die Tötungsarten und die mit dem Befruchtungsgedanken verbundenen Praktiken sind sehr unterschiedlich. In gesitteteren Zeiten wird das M. durch pars-pro-toro- (Haar- oder Fingeropfer u. a.), Tier- und Früchteopfer oder symbolische Tötungen ersetzt; z. B. wird der mit den Sünden der Gemeinschaftsglieder beladene Mensch ( = Sündenbock) urspr. zur Sühne getötet, später nur ausgetrieben. Andere Sonderformen des M. (z.T. freiwillige Selbstopfer) sind die Totenbegleitopfer (möglicherweise gehört hierzu auch die Witwenverbren nung), das Harakiri jap. Ritter u. a. Bauopfer (bes. in Brückenpfeiler ein mauerte Kinder) haben sich auch bei bis ins hohe MA gehalten.
In enger Verbindung mit dem M. st die Anthropophagie (Menschenfresse „Kannibalismus"), bei der das Wohl Menschen im Vordergrund steht. Wie Götter wollten auch die Menschen ih Energiebedarf sichern, indem sie die ri ell Getöteten verzehrten (am besten roh-frischem Zustand) bzw. ihr Blut tr ken. Hier handelt es sich um die weitv breitete Vorstellung der Kraftübe gung, die auch nur symbolisch vollzo werden konnte (z. B. Überziehen Haut des Opfers). Wird das M. jedoch mystische Verkörperung von Gotthei verstanden, so bewirken die Mahlzei eine Vereinigung („Gottessen"). - Hal sind Theorien, die M. bzw. Kanniba mus im Proteinmangel begründet seh in Indien z. B. gab es trotz M. und • teinmangels keinen Kannibalismus.
 


 

 

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