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Anthropologie (A.)
bezeichnet die wissenschaftlich-systematisch entwickelte Kunde über den Menschen, sein
Wesen, Werden und Handeln. Der Ausdruck erscheint erstmals im 16. Jh. und findet in
der Folgezeitwendung in Physiologie, Psychologie, Ethik, Ethnologie und
Kulturmorphologie. Anthropologisches Wissen ist als Lebens- und Handlungswissen
so alt wie der Mensch. Die Anthropologie entspringt dem fundamentalen Interesse des
Menschen an
sich selber. Angesichts der verschiedenen und vielseitigen Interessen am
Menschen
unterscheidet eine Vielfalt von Anthropologien. Am bekanntesten sind die philosophischen
Anthropologien (M. Scheler), die biologische Anthropologie (H. Plessner, A. Gehlen), medizinische Anthropologie (V. v.
Weizsäcker), psychologische Anthropologie (S. Freud), die soziologische Anthropologie (K. Marx) oder
die pädagogische Anthropologie (A. Huth, A. Flitner) mit ihren zahlreichen
Untergliederungen. Innerhalb der Theologie haben Begriffe und Anliegen der Anthropologie nur
zögernd Eingang gefunden, zuerst in der evangelischen (R. Bultmann, K.
Barth), dann auch in der katholischen Theologie (K. Rahner, J. B. Metz).
Übereinstimmung herrscht insofern, als die Anthropologie keine theologische Einzeldisziplin
darstellt. Den vorliegenden Entwürfen zufolge ist es Aufgabe einer theologischen
Anthropologie:
1. einen kritischen Dialog mit den bestehenden Anthropologien zu pflegen: Glaube und
Theologie sind grundsätzlich an anthropologischen Erkenntnissen interessiert
und hinsichtlich des Selbstverständnisses des M. auf die Ergebnisse der
Humanwissenschaften angewiesen. Die dem Glauben auferlegte Suche nach dem
wahren Humanum gestattet keine einengende Fixierung auf den Standort der
Offenbarung, sondern bedarf der Ergänzung seitens der verschiedenen A. Das
gilt vor allem im Hinblick auf die Geschöpflichkeit des M., seine Relation
zur Welt und Umwelt, die Bereiche des Sozialen, der Kultur und der
Geschichte. Hier erheben sich Fragen, auf die die Offenbarung keine
verbindliche Antwort erteilt. So steht fest, dass die theol. A. der
vergleichenden Verhaltensforschung, den psychol. und Sozialwissenschaften
oder der philos. A. wertvolle Informationen verdankt, deren Gewissheits- und
Verbindlichkeitsgrad dem krit. Urteil unterliegt. Das dialektische
Verhältnis von profaner zu theol. A. bedingt eine radikalisierende
Thematisierung und Vertiefung jener Dimensionen des M.-Seins, die von den
einzelnen A.n erhoben werden;
2. Aussagen materialer Art zur Erkenntnis des Menschen beizusteuern: Die
theol. A. fusst auf den anthropologischen Aussagen der Schrift, die bei
aller Verschiedenartigkeit den Menschen grundsätzlich in seinem gesch. Bezug
zu Gott sehen. Wichtig für die atl. Sicht des M. sind der Hinweis auf die
Geschöpflichkeit, Gottebenbildlichkeit, Gemeinschafts-, Welt-und
Umweltbezogenheit, Gottesbeziehung, Sprachbegabtheit, Partnerschaft,
Verantwortung, Arbeits-, Kult- und Kulturfähigkeit des M. Dazu kommen die
Gebrechlichkeit und Sündhaftigkeit des M., aber auch die Verheissung und
Bestimmung zum Heil. Für die ntl. Auffassung des M. sind Gestalt und Werk
Jesu Christi zentral. Als Haupt der neuen Menschheit deckt er die von der
Sünde gezeichnete Situation des M. auf. Gleichzeitig tritt in ihm der
versöhnende Gott unwiderruflich auf die Seite des M. Als neuer Adam
repräsentiert Jesus den idealen M. der Zukunft Gottes, weist und ermöglicht
allen den Weg solcher M.-Werdung. Als Subjekt der Liebe Gottes ist der M.
zur Teilnahme am Leben, an der Natur, an Geist und Liebe Gottes berufen. Der
neue M. ist Sohn Gottes und Bruder aller Geschöpfe.
Theol. A. hat darüber hinaus den tragenden Nenner aller Aussagen des
Glaubens über den Menschen aufzuzeigen; dieser lautet nach K. Rahner: „Der
(christlich glaubende) Mensch weiss sich trotz seiner Geschöpflichkeit und
Sündigkeit und in ihr von Gott geschichtlich angesprochen, und zwar mit dem
Wort absoluter, freier, also gnadenhafter Selbsterschliessung" (SM[D] I
182). Daraus resultieren die Grunddaten einer theol. A. wie
Personhaftigkeit, Subjekthaftigkeit, Kreatürlichkeit, Geschichtlichkeit,
Freiheit, Verantwortung, Transzendenzbezogenheit, Fehlbarkeit,
Mitgeschöpflichkeit und Zukünftigkeit des Menschen. Mass und Richtbild dafür
ist Jesus Christus. An ihm als Ausgangs- und Konzentrationspunkt aller
Selbstmitteilung Gottes wird deutlich, was es um die Begnadung,
Verlorenheit, Heilung und Vollendung von M. und Menschheit ist;
3. die transzendental-anthropologischen Voraussetzungen des Glaubens und der
Theologie aufzudecken: Christi. Glaube versteht sich als Botschaft vom /Heil
des M. Gott und M. lassen sich nicht trennen. Der M. ist als Empfänger im
Hinblick auf die Verstehensvoraussetzungen der Botschaft mitzubedenken. Das
heisst: Theologie als transzendentale A. betreiben. Die theol. A. gibt den
formalen Rahmen aller theol. Aussagen ab, der die Heilsbedeutsamkeit für den
M. transparent macht.
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