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Mensch - philosophisch |
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1. Mensch-Werdung und
Menschen-Bild bringen die ganze Spannweite des Mensch-Seins zum Ausdruck; denn der
Mensch braucht ein Zielbild seiner selbst, um von seinen Werdemöglichkeiten den
jeweils besseren Gebrauch zu machen und so das zu werden, was er von Natur
aus „ist"; umgekehrt bestätigt das ihm voranleuchtende Bild, dass ihm sein
Wesen zugleich gegeben und aufgegeben ist. So entspricht es bereits seiner
Verfassung als "Mängelwesen" (Thomas v. Aquin, A. Gehlen), das sich nur
durch kompensatorische Kulturleistungen in einer Umwelt zu behaupten vermag,
der es durch den Verlust der Instinktorientierung entfremdet ist.
Verglichen mit der Übermacht der Natur ist der Mensch nach Pascal nur ein
Schilfrohr, aber ein „Schilfrohr, das denkt" (Penses, § 347). Hier erhebt
sich das Bild unmittelbar aus der Einsicht in die durch Schwäche und
geistige Kompensationskraft definierte Paradoxie des Mensch-Seins. Gleiches
geschieht bei Nietzsche, wenn er den Menschen „das noch nicht festgestellte Tier"
nennt und ihn mit dem über einen Abgrund gespannten Seil vergleicht. Dabei
bewegen sich beide Deutungen unverkennbar auf der Spur des biblischen
Schöpfungsberichts, der die Schwäche des Menschen dadurch betont, dass er
aus der „Erde vom Ackerboden" gebildet ist (Gen 2,7), und gleichzeitig seine
Grösse mit dem Wort von seiner Gottebenbildlichkeit (Gen 1,27) unterstreicht. Im
Blick auf diese Koinzidenz von Hinfälligkeit und Grösse betont auch die
griechische Tragödie: „Viel Gewaltiges gibt es; doch nichts ist gewaltiger als
der Mensch" (Sophokles). Dem entspricht das Bild des Mikrokosmos, zu dem
das griechische Denken sein Verständnis des Mensch-Seins verdichtet. Als leibhaftige
„Grenzscheide" (horizön) zwischen Körper- und Geisteswelt ist der
Mensch
zugleich ein „Abriss" des kosmischen Seinsganzen, so wie dieses seinerseits
die „Gestalt des Menschen" (F. Werfel) hat. |
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