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Mensch im Hinduismus |
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Für den Hindu gibt es
zwei grundsätzliche Heilswege, die aber auch miteinander verbunden werden
können; er kann einmal, z. B. nach der Manusmrti, die aufgrund seiner Geburt
innerhalb der sozialen Gruppe (in den Dharmaschriften eine der vier varnas,
nämlich Brahmana, Ksatriya, Vaisya, Sudra; varna überschneidet sich in der
Bedeutung mit jati = „Kaste") und seines jeweiligen Lebensstadiums (asrama)
gegebenen objektiven, sozialen und zugleich religiösen Pflichten erfüllen. Auf
diese Weise kann er sein jetziges Leben verbessern bzw. eine bessere
Wiedergeburt erlangen, wobei ihn lebensbegleitende Riten ((Samskaras)
fördern. Für die meisten Hindus ist dies ein erstrebenswertes Ziel. Die
Dharmaschriften, die diesen Standpunkt vertreten, betonen vor allem die
Notwendigkeit des Lebensstadiums des Hausvaters (grhastha), das man
durchlaufen muss, bevor man - wenn überhaupt - im letzten Stadium der
sozialen Welt als Sannyasin entsagt und Reabsorption in das
undifferenzierte Brahman anstrebt. Der grhastha wird als bes. wichtig
angesehen, denn er sorgt für die Söhne, Opfer, Almosen und damit für die
Erhaltung der Welt. Der andere Weg besteht darin, dass der Mensch, anstatt
auf den im Leben vorgegebenen Bedingungen aufzubauen, sich von seinem Karma
befreien und Erlösung von der Wiedergeburt anstreben kann. In der Doktrin
ist die Wahlmöglichkeit nicht gänzlich frei. Unter dem Einfluss des
Buddhismus kann die Wahl durch vergangenes karma bedingt sein, während in
der Gottesliebe (Bhakti) der Gläubige von Gott erwählt wird. Während beim
ersten Weg dem Mensch aus der Vielzahl menschlicher Möglichkeiten eine bestimmte
ohne Wahlmöglichkeit zufällt, kann er hier den Weg zwar wählen, aber an die
Stelle der Wahlmöglichkeit tritt die Einheitlichkeit der Lehre: Friede oder Quietismus in Form von moksa (Erlösung),
santi (Friede) oder Nähe zu bzw.
Einheit mit Gott sind das einzige Ziel. In den Bhaktibewegungen kann Dharma
die Bedeutung von persönlichem Glauben annehmen, der den varnasrama dharma
zu einer sozialen Erscheinung reduziert (Sikhs). Die Bhagavadgita verbindet
das Ziel des Weltentsagers oder der Gottesliebe mit dem Handeln in der Welt
dadurch, dass sie den Verzicht in der Handlung, nicht auf die Handlung lehrt
(anasaktiyoga, z. B. in III 9). Der Mensch soll seinen svadharma in Liebe zu
Gott ausführen, und sein begierdeloses Handeln trägt zur Erhaltung des
Zusammenhalts der interdependenten Glieder der Gesellschaft bei (lokasamgraha
III 20). Philosophisch gesehen, ist der „wirkliche" Mensch verschieden von dem, der
sich bewegt, handelt, verschiedenerlei Erfahrungen macht und in der Welt der
Phänomene lebt. Das „essentielle" oder „wirkliche" Selbst (atman) des
Menschen
ist verschieden von dem empirischen ()Iva). Aufgrund von Unwissen (avidyä)
erkennt der M. seine Einheit mit der Weltseele (brahman) nicht. Während das
„Individuum" in die Welt der sozialen Guppen eingebettet und das irdische
Leben von Hierarchien bestimmt ist (s. L. M. Dumont), ist der Weltentsager
am ehesten eine relativ autonome, homogene und individuelle Person im westl.
Sinn. Der Tendenz in der westl. Wissenschaft, abendländische Kategorien wie
z. B. Dichotomien von Reinheit und Unreinheit, Macht und Geist (k,vatra und
brahman) bei der Erklärung ind. Phänomene heranzuziehen, begegnet man
neuerdings in der sozial-anthropologischen Lehre (McKim Marriott: R. Inden)
mit dem Versuch, einheimische Vorstellungen stärker einzubeziehen. Danach
ist typisch für ind. Denken, dass der M. im allg. nicht eine in sich
geschlossene, autonome Persönlichkeit ist wie in der soziol. und psychol.
Theorie des Westens, sondern Personen als „dividuell" oder teilbar gedacht
werden. Der „dividuelle" oder „teilbare" M. muss, um zu existieren,
heterogene Einflüsse in sich aufnehmen und gibt ebenso Einflüsse wieder ab
in Form von „kodierten Substanzen", die von grob (sthtila)stufenweise bis zu
relativ „subtil" (süksma, z. B. körperliche Substanzen, Nahrung, Getreide
oder Land, Geld, Wissen) reichen. Die Übertragung von solchen „kodierten
Substanzen" kann dabei in anderen etwas vom Wesen des Urhebers
reproduzieren. Übertragungen aufgrund von Elternschaft, Heirat,
Dienstleistungen und anderen zwischenmenschlichen Beziehungen, durch Nah
rung aufgrund von Handel, Almos u.a., letztlich von feinen, aber substa
tiellen Formen wie Wort, Ideen usw. pr gen den „dividuellen" M. Dadurch
stimmt sich sein Rang im Fluss d sozialen Beziehungen. Diese Substanz sind
letztlich (ganz wörtlich verstande unterschiedliche Stufen der Konkretisi
rung von „Macht", und die verschied nen Akte der Übertragung haben di
Umverteilung (Vergabe oder Erwerb) vo „Macht" zum Zweck. Macht (tej' =
„Glanz", sattva = „Seiendheit", E senz, virtus) ist dabei als wesentlich „konsubstantielle"
Qualität ihres Inh bers (Einzel-M., Berufsgruppe, Kaste) verstehen. Sie ist
die allgemeine „vit Energie", die sich je nachdem als rel. T gend (bei
Brahmanen z. B. von Geburt vorherrschend) und als weltliche He schaft (artha,
ksatra, beim Ksatriya ang boren) manifestiert. Deswegen hat d König das
Vermögen, die ihm imm nente, weltliche Macht ethisch-re (dharma) zu
handhaben oder sie in Streben nach Erlösung umzumünz - Entgegen der
orth.-brahmanischen Th - rie spiegeln Mythen und Legenden Hindus nicht den
reinen und friedfe gen Brahmanen wider, vielmehr erfah wir darin vom Zwist
und der dyna schen Spannung zwischen den Wert der Entsagung, ritueller
Reinheit u Selbstzügelung einerseits und der Vers chung, in die von Gewalt,
Schreck -; Freude und Liebe gekennzeichnete W verwickelt zu werden,
andererseits. |
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