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Meditation - islamisch

1. Die Meditation spielt eine zentrale Rolle in der islamischen Mystik. Man kann sagen, dass der Sufismus viele seiner Eigenheiten durch eine ständige Meditation der im Koran enthaltenen Wahrheiten entwickelt hat, so dass, wie P. Nwyia sagt, „eine Koranisierung des Gedächtnisses" eintrat, in der die Worte des Heiligen Buches alles Denken und Sinnen beherrschen und der Meditierende in immer tiefere Sinnesebenen eindringt. Das koranische Gebot „Gedenket Gottes oft" (Koran 33,41) und das Versprechen „Wahrlich, durch das Gedenken an Gott werden die Herzen stille" (Koran 13,28) waren die Grundlage für den dhikr, d. h. das „Gedenken". Dhikr war zunächst das ständige Gedenken an Gott und seine wundersamen Werke, das zu jeder Zeit und überall möglich ist, doch wurde es in kurzer Zeit zu einem wohlregulierten System.
 

2. Eine der wichtigsten Pflichten des Sufi-Meisters war und ist, dem Novizen den passenden dhikr zu geben - einen der 99 „schönsten Namen Gottes", eine religiöse Formel wie „Ich bitte Gott um Verzeihung" oder „Lob sei Gott", oder auch das Glaubensbekenntnis (Shahada). Diese Formel muss Tausende von Malen Tag um Tag wiederholt werden, bis der gesamte Körper vom dhikr durchdrungen ist, so dass, wie die Quellen berichten, selbst die Blutstropfen des Meditierenden das Wort „Allah" auf den Boden schreiben, und jedes Glied seinen eigenen starken dhikr vollführt. Eine ganze Theologie der göttlichen Namen und ihrer Wirkungen auf den Meditierenden wurde entwickelt, denn falsche Anwendung einer dhikr-Formel konnte nicht nur zu schweren seelischen, sondern auch körperlichen Störungen führen. Die Meditation wurde bald mit Atemregulierung verbunden, die im Laufe der Jahrhunderte zu einer komplizierten Technik führte, bei der das lange Anhalten des Atems bes. wichtig ist. Hier mögen ind. Einflüsse zu vermuten sein. Während viele Orden den lauten dhikr in Gemeinschaft üben, haben andere den schweigenden dhikr vorgezogen, vor allem die Nakshbandiya, die sich vom 14. Jh. an in Zentralasien, dann in Indien und der Türkei ausbreitete. Dieser Orden kennt eine Meditation der fünf oder sieben Feinpunkte innerhalb des Körpers, in der der Meditierende sein Gedenken immer weiter ausbreitet und vertieft, bis es den ganzen Menschen durchdringt. Gelegentlich werden farbige Lichterscheinungen mit den Feinpunkten verbunden. Die Entwicklung der Meditation ist von einem indischen Sufi des 18. Jh. als eine geistige Wanderung durch die Buchstaben des Wortes Allah beschrieben worden, an deren Ende der Meditierende im leuchtenden Ring des letzten Buchstabens von Allah, dem h (0), in völliger Seligkeit ruht.
 

3. Von früher Zeit an wurde der aus Indien eingeführte Rosenkranz (tasbih, subha) verwendet, um die Zählung der Gottesnamen oder der Formeln zu kontrollieren; seine 33 Perlen müssen dreimal abgebetet werden, bis alle 99 schönsten Namen Gottes ausgesprochen sind. Doch viel häufiger wird ein einziger, dem Zustand des Meditierenden entsprechender Name wiederholt.
 

4. Die Meditation kann jederzeit im Zustand ritueller Reinheit vollzogen werden; viele Muslime meditieren nach dem Ritualgebet. Als günstigste Zeit gelten die Stunden zwischen 2 und 4 Uhr nachts. Bis heute gilt das Wort des Propheten, dass jemand, der Gottes gedenkt, „wie ein grüner Baum inmitten verdorrter Bäume" ist.
 


 

 

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