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Matriarchat – Patriarchat |
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Grundlegend für die Auslösung der neueren Diskussion ist „Das Mutterrecht" von J.J. Bachofen (1861).
Der Verfasser geht aus von einem romantisch verstandenen Muttertum, woraus dann
in politisch-gesellschaftlicher Ausweitung gynaikokratische Strukturen abgeleitet werden. Im Mutterrecht sieht
er „das ursprüngliche Lebensgesetz", das
nicht einem bestimmten Volke, sondern einer „Kulturstufe" angehörte (Vorrede).
Das Weib ist früher als der Mann, „das Weib ist das Gegebene, der Mann das aus
ihr erst Gewordene ... auf dem Gebiet des physischen Lebens steht also das
männliche Prinzip an zweiter Stelle, es ist dem weiblichen untergeordnet.
Darin hat die Gynaikokratie ihr Vorbild und ihre Begründung" (124f.).
Kennzeichen dieser mutterrechtlichen Strukturen waren für Bachofen der
Vorzug der Nacht/des Dunkels, der Auszeichnung des Mondes vor der Sonne, der
Erde vor dem Meer im kosmischen Bereich, der Vorzug der Schwester vor dem
Bruder, der jüngsten Geburt vor der ersten im Sippenbereich, die besondere
Anlage der Frau für die Frömmigkeit im religiösen Bereich. Die Untersuchung alter
Völker beginnt mit den Lykiern (Herodot), es folgten Kreta u. a. Als historische
Quellen zieht Bachofen auch Mythen heran. Letztlich ist seine Untersuchung
jedoch nicht hist., sondern ideologisch, Hintergrund ein philosophischer
Platonismus, für den die Übermacht des männlichen (= geistigen) Prinzips
feststeht. Das weibliche, mutterrechtliche Stadium dient dabei nur als
Kontrastmittel zur Heraushebung des höheren, des männlichen Zeitalters. So
ist für Bachofen die „gynaikokratische Weltperiode ... die Poesie der
Geschichte" (17). Die Entwicklung geht von unten nach oben, von Stoff zu
Geist, von Mutterrecht zu Vaterrecht, wobei das röm. Recht den Höhepunkt
bildet. Den idealen Zustand der Geschlechter beschreibt Bachofen am Ende des
Abschnitts über Kreta: Wie der Mond der Sonne, so folgt Ariadne dem
Sonnenhelden Theseus. „Von des Mannes höherer Natur geblendet ..., sehnt
sich das Weib nach Einigung mit ihm und findet in der Unterordnung unter den
Geliebten ihre höchste Befriedigung. Damit erst ist das Verhältnis der
Geschlechter mit dem höchsten kosmischen Gesetz in Übereinstimmung gebracht"
(137). -Trotz dieser männlichen Selbstrechtfertigung gebührt Bachofen das
Verdienst, eine Diskussion angeregt zu haben, die in mutterrechtlichen
Strukturen nicht nur gelegentliche Ausnahmen, sondern eine frühere
Kulturstufe sah. Hier hat die Forschung weitergearbeitet und neues Material
zutage gefördert, das weiter zurückreicht als das auf griech.-röm. Quellen
beschränkte Bachofens. |
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