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Der Manichäismus, eine
auf den Religionsstifter Mani (216-276/277) rückgehende gnostische Lehre,
versteht sich als Erfüllung der grossen Religionen des Christentums,
Zoroastrismus Buddhismus, ja als Überhöhung aller bisherigen Glaubensformen.
Dieses Selbstverständnis geht auf den Stifter selbst zurück, der sich
einerseits als „Apostel Jesu Christi" verstand, sich andererseits aber auch als
letzte Verkörperung des „wahren Propheten" sehen konnte, der in gewissen
Gestalten des AT, aber auch in Jesus, Zarathustra und Buddha erschienen sei.
Deren Botschaften seien aber im Laufe der Zeit verstellt und verfälscht
worden, Manis Lehre entspreche dagegen ihrer ursprünglichen Verkündigung.
Mani war vor allem im sassanidischen Reichsgebiet tätig. Der Mani empfahl sich
deshalb der Reichsführung unter Schahpuhr I., weil er sich als einigendes Band für den
Vielvölkerstaat vorstellte. Dennoch hat er sich weder im Iran durchgesetzt, wo heftige
Verfolgungen nach Manis Tod einsetzten, noch in Nachbarreichen. Die schon
von dem Mani-Jünger Mar Adda eingeleitete Mission in Syrien-Palästina und
Ägypten sollte allerdings eine weiterreichende Auswirkung im Römischen Reich
haben. Im 4. Jh. war Ägypten eine Hochburg des Manichäismus. Von hier aus verbreitete
er sich über Nordafrika, wo sich ihm Augustinus neun Jahre lang als „Hörer"
zuwandte, nach Spanien, Gallien und Rom. Auch von Syrien und Kleinasien aus
stiess er nach Italien und Rom vor, ebenso ins Balkangebiet und bis nach
Gallien. Die staatliche Verfolgung des Manichäismus wurde schon unter Diokletian (297)
eingeleitet und von christlichen Kaisern fortgesetzt. Massgeblich an der
Identifizierung und Unterdrückung der „Häretiker" war die Kirche beteiligt,
die im konvertierten Augustinus einen besonderen Kenner der als persisch und
somit als fremd gebrandmarkten Lehre hatte. Dieser verfasste eine Reihe von anti-manichäischen Schriften. Im Westen erschien der Manichäismus geradezu als
Ketzerei katexochen. Auch nach seinem Untergang im Römischen Reich im 6. Jh.
zog man gegen ihn zu Felde, wobei sich die Angriffe allerdings gegen
Nachfolgebewegungen (Priszillianismus, Paulikianismus, Bogomilismus)
richteten.
Im Osten breitete sich der Manichäismus zunächst ins transoxanische Gebiet aus. Von
hier gelangte die Religion des Mani über die zentralasiat. Seidenstrasse bis
nach China. 762 erhob der Khan der uigurischen Türken den manichäischen
Glauben zur Staatsreligion seines Steppenreiches. Nach Zerschlagung des
uigurischen Reichs 840 und nach einer Religionsverfolgung in China 845
fanden die östl. Manichäer im Reich von Kocho (Turfanoase) eine
Zufluchtsstätte, wo die Religion bis ins 13. Jh. fortlebte. Nach der
genannten Verfolgung haben Manichäer auch in der südchin. Küstenprovinz
Fukien Wurzeln gefasst, wo ein stark sinisierter Manichäismus bis ins 16. Jh. bestand.
Trotz der sprachlichen Anpassung an Christi. Begriffe im Westen, an
zoroastrisehe und zurvanistische im Iran und an buddhistische in Zentral-
und Ostasien Weist der M. unter dem Firnis der verschiedenen Terminologien
eine bemer kenswerte Einheitlichkeit und Homogenität auf. Die
Geschlossenheit des Lehrsystems dürfte vor allem darauf beruhen, dass die
vom Stifter selbst stammenden sieben kanonischen Werke im gesamten ökumen.
Verbreitungsgebiet der manichäischen Kirche in Übersetzung vorlagen. Hinzu
kamen dann freilich homiletische und didaktische Werke der späteren Jh.e,
kirchengesch. Schriften hagiographischen Charakters, liturgische Werke
einschliesslich Buss- und Beichttexten, vor allem aber Hymnen und Psalmen,
die sowohl im kopt. wie im zentralasiat. Raum von einer sehr lebendigen
Religiosität zeugen.
Die Grundlage der manichäischen Lehre ist die Doktrin von den zwei
Prinzipien und drei Zeiten. Sie besagt, dass sich die beiden Mächte Gut und
Böse von Anfang an gegenüberstanden, aber in unserer gegenwärtigen,
verderbten Welt in Vermischung existieren, um erst am Ende der Zeiten wieder
getrennt zu werden. Typisch gnostisch ('Gnosis) ist, dass das gute Prinzip
geistig, das böse materiell ist, wobei auch Psychisches - im Gegensatz zu
Seelischem - gleichsam als verfeinerte Materie zum Bösen gehört. Der
manichäische Mythos erklärt den Ablauf der Welt von der Urzeit bis zur
endgültigen Befreiung des in der Materie gefangenen Lichts. Er spricht
davon, dass urspr. das gute Reich des Lichts, dem der Lichtvater vorsteht,
vom Reich der Finsternis, das durch Uneinigkeit und Unruhe gekennzeichnet
ist, getrennt war. Erst der beabsichtigte Einfall des Bösen ins Lichtreich
führte zu Kampf und Vermischung und zur Bildung des Kosmos durch die Mächte
des Lichts als einer Maschinerie zur Befreiung des durch die Dämonen
gefangenen Lichts, das sich in der Gestalt des göttlichen „Urmenschen" und
seiner fünf Söhne in die Tiefe begeben hatte, um den Kampf aufzunehmen. Der
Urmensch wurde zwar befreit, doch seine Söhne, die letztlich wesensidentisch
sind mit ihm, befinden sich noch in der Macht der bösen, materiellen Kräfte.
Die Summe dieser unbefreiten, leidenden Lichtelemente wird im Westen als
Jesus patibilis, im Osten als Buddha gotra bezeichnet. Ein Wechselspiel von
Zug und Gegenzug kennzeichnet den kosmischen Kampf um das gefangene Licht.
Nach Entsendung des „Lebendigen Geistes" aus dem Lichtreich, der zahlreiche
Dämonen überwinden kann, um aus ihren Leibern den Kosmos zu schaffen, bilden
die Finsternismächte im Gegenzug den Menschen, in den sie jenes erbeutete
Licht einkerkern, das die aus fünf „Gliedern" (Nous, Denken, Einsicht,
Gedanke, Überlegung) bestehende Seele darstellt, die zu den fünf Söhnen des
Urmenschen in Bezug stehen. Der „Dritte Gesandte", eine Konkretisierung des
„Rufes" aus dem Jenseits, zu dem der transzendente Jesus, „Jesus der Glanz",
in einem emanatorischen Verhältnis steht, bringt dem Menschen die Botschaft
von der Zugehörigkeit seiner Seele zum Lichtreich, so wie schon in Urzeiten
Jesus dem Adam die rettende Gnosis brachte. Allerdings wurde Adam insofern
rückfällig, als er, von Gier getrieben, mit Eva Kinder zeugte und damit
Voraussetzungen für die Perpetuierung der Gefangenschaft des Lichts im
menschlichen Körper schuf.
Predigt und Ritus, vor allem die ‚Busse, sind die geeignetsten Mittel, um
den Kampf gegen das Böse in der gegenwärtigen Zeit fortzusetzen, denn die
Predigt verkörpert den urspr. Ruf aus dem Jenseits, und die Busse verhilft
dem „neuen Menschen", der die Erkenntnis gewonnen hat, dazu, gegen den
„alten Menschen" zu kämpfen, der den Zustand der Unerlöstheit verkörpert.
Nach manichäischer Vorstellung wird im Laufe der Zeit das Wirken der
erlösenden Götter, vor allem des Grossen Nous, dazu führen, dass immer mehr
Licht aus dem Kosmos befreit wird. Dies hat im Gefolge, dass zumal in der
Endzeit Kampf und Streit zunehmen. Nach einem letzten „grossen Krieg"
erscheint Jesus als Richter, trennt die Schafe von den Böcken und schafft
die Voraussetzungen für eine endgültige Scheidung von Gut und Böse, das nun
- kosmologisch gesehen - in einem grossen Klumpen (globus) sich selbst
überlassen bleibt.
Die manichäische Kirche, deren Hauptträger die „Erwählten" (electi) sind,
die ein mönchisches Leben führen müssen, gliedert sich in fünf Stände (12
Apostel, 72 Bischöfe, 360 Presbyter, „Erwählte" und „Hörer"). Die
Geistlichen werd materiell von den Hörern (auditares) od „Katechumenen"
unterstützt, die zwar weltlichen Leben verbleiben, grundsä Verhalten die
Möglichkeit haben, na einer Wiedergeburt in den Stand des „E wählten"
einzutreten und von hier a zur Erlösung zu gelangen. Manche Tex sehen die
Erlösung allerdings auch den „Vollkommenen Hörer" vor.
Die manichäische Ethik ist zusammeng fasst in den „drei Siegeln", den Siege
des Mundes, der Hände und des Herze Angespielt ist hier auf das Versiegeln d
„Tore" der Sinne gegen das Böse, so d es weder Wort, Tat noch Sinne affizie
Aber die negative Ethik hat auch eine sitive Entsprechung, denn wo der No
vom Menschen Besitz ergriffen hat, w den Reden, Handeln und Denken v den
Tugenden beherrscht, die ein pos ves Leben kennzeichnen. Eine System sierung
der Götterwelt in 12 „Herrsch tümer" setzt diese in Beziehung zu stimmten
rel. Qualitäten, die sich äusseren „Zeichen" im Leben des Fro men auswirken.
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