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Mandäer

 = Gnostiker, wie das ältere Nasoraie ( = Observanten) Selbstbezeichnung einer noch heute bestehenden Taufsekte (arab. Subba (= Tauchende)) im südlichen Irak und iranischen Huzistan.
Schriften: 1. Ginza ( = Schatz), 2. Johannesbuch, 3. Qolasta ( = Preisung), Gebete und Hymnen, 4. weitere liturgische Texte: Hochzeitsritual, Ritual für Priesterweihe, Diwan Masbuta (Taufritual), 1012 Fragen (für Priester und Novizen), Grosse erste und Kleine erste Welt (Ritenkommentare), Diwan der Flüsse, Erläuterung des Jahresendfestes, 5. Buch der Tierkreiszeichen, 6. Diwan Abathur (Beschreibung der Sphären), 7. Haran Gawaita (Apokalypse). Die Sammlung der Texte (bes. Ginza) erfolgte erst in islam. Zeit zwecks Duldung als Buchreligion. Die Schichtenscheidung steht erst am Anfang. Kolophone reichen bis ins 3. Jh. zurück, jedoch ist die Echtheit nicht allgemein akzeptiert. Hinzu kommen Zauberschalen aus Ton (5./7. Jh.?) und Bleitafeln (6./8. Jh.?). Die mandäische Schriftform hat Parallelen in elymäischen Inschriften und charakenischen Münzlegenden des 2. Jh. und Ähnlichkeiten mit der palmyrischen und nabatäischen Schrift, die Abhängigkeiten sind umstritten. Theodor bar Konai (8. Jh.) (M. = Dostäer) zitiert aus dem Ginzä; mögliche Belege für M. sind die Karterinschrift (2. Hälfte 3. Jh.) und die Märtyrerakten des Siniön bar Sabba`e (Redaktion 5. Jh.?). ,,Sabier" in Koran und islam. Lit. meint kaum allein M., das Verhältnis von „Mugtasila" (AnNadim [10. Jh.]), Elchasaiten und M.n bleibt auch durch den Kölner Mani-Codex ungeklärt. Gemeinsamkeiten zwischen manichäischen Thomaspsalmen (um 270/280) und mandäischen Stücken werden als Entlehnung durch erstere erklärt (bisher kein Widerspruch). Katharer (und vielleicht Nazaräer) in den manichäischen Kephalaia könnten M. sein.
Grundlage der Vorstellungswelt ist der Dualismus von Gnosis/Gnostizismus, wobei ein iran. Typ (Gegensatz Grosses Leben - Chaos/Finsterniswasser) durch jüngere monistische Stücke überlagert sein soll. Demiurg ist Ptahil, sein Helfer Rille, Erlöser primär Mandä d'Haije, daneben Hibil Ziwa, Sitil oder Anöä. Wenig durchsichtig verbinden sich jüd., babyl., iran. und christl. Motive (z. B. Sonntag) bei gleichzeitiger Polemik gegen Juden-turn, Christentum, Manichäismus und bes. Islam. Hauptmerkmal ist die wiederholte Taufe in fliessendem Wasser (Jordan) mit Begleitriten im Heiligtum (Mandi: eingezäunte Kulthütte und Taufteich), sodann die Seelenaufstiegszeremonie (Masiqta); Einehe ist geboten. Die heutige Hierarchie von „Priestern", „Bischöfen" und „Ethnarch" existiert in den alten Texten nicht. - Das M.-Problem besteht in der Streitfrage eines westl. (bzw. vorchristl.) Ursprungs der M.; für ihn werden angeführt: das Vorhandensein frühjüd. Taufsekten (z. B. Essener), der Zentralbegriff „Jordan", westgram. Termini, bes. sb' (taufen) statt 'md, der Zusammenstoss von M.n und Juden in Jerusalem (nach Ginzä), die Auswanderung von M.n ins medische Bergland unter dem Panther Ardaban (1./3. Jh.) und späterer Zug nach Südbabylonien (so Haran Gawaita), Anklänge der Bilderreden des Joh an mandäische Offenbarungsreden. Eine hist. Evidenz ist mit diesen Hinweisen einzeln wie insgesamt nicht zu erreichen. Die Tradition über Johannes den Täufer (daher M. = „Johanneschristen") stammt aus dem Christentum, Mt 2,23 (Nazoraios) ist als Nazarener (nicht Nasoräer) erklärt.
 


 

 

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