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Kult/Gottesverehrung und Kultur |
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Die Begriffe Kult und
Kultur leiten sich her von lat. colere - pflegen, bewahren, achten. Unter
Kultur kann daher ganz allg. die Pflege und Bewahrung des menschlichen
Lebensraumes verstanden werden. Zumindest für vorkritische archaische
Naturreligionen gehört dazu notwendig der Kult, in dem dieser Lebensraum
gesichert, eine heile Welt geschaffen wird; ohne Kult wären Welt und
Gesellschaft dem Verderben preisgegeben. Auch der Gläubige des wiss.
Zeitalters kann dem Kult weder den Anspruch noch die tatsächliche Bedeutung
für die Gestaltung des gesamten Lebens absprechen, wenn er ihn nicht zu
einem partikularen Lebensvollzug ohne echte Verbindlichkeit degradiert.
Kultur gibt es notwendig, wo Menschen miteinander leben, arbeiten, sich
ausdrücken, gestalten und feiern. Daher ist der K. ein integrierender
Bestandteil dieser Kultur. In ihm finden die zentralen Einsichten und
Haltungen, die Ursprung, Sinn und Ziel des menschlichen Lebens betreffen,
ihren symbolischen Ausdruck. Der K. ist gleichsam Konzentrat und
Integrationsfeld der wesentlichen Faktoren kulturellen Verhaltens und
Gestaltens, denn in ihm ereignet sich soziale und rel. Kommunikation in
verbalen, klanglichen und bewegungsmässigen Ausdrucksformen, also durch
Sprache, körperlichen Ausdruck (Gestik, Tanz u. ä.), Musik und Architektur,
bildende Kunst usw. Der kultische Ausdruck ist vom Menschen- und Weltbild
der jeweiligen Gesellschaft abhängig, also von ihrer Kultur, die auch
Einfluss auf das Gottesbild hat. Die gegenseitige Abhängigkeit und
Durchdringung von K. und Kultur bringen es mit sich, dass der kultische
Ausdruck entsprechend der gesch. Entwicklung der Kultur einem Wandel
unterworfen ist. So ist der K. der judenchristl. Urgemeinde an
Ausdrucksformen der jüd. Kultur gebunden, während sich der christl. K. in
der hellenist.-griech. und röm.-lat. Welt Ausdrucksformen dieser Kulturen
bedient. Je besser die Übernahme der Ausdrucksformen einer Kultur in den K.
gelingt, je deutlicher die Sprach- und Zeichenwelt des K. mit den sozialen
Gegebenheiten einer Epoche korrespondiert, desto eher wird der K. von der
jeweiligen K.-Gemeinde angeeignet und zudem auch Wirkungen über die Feier
hinaus im gesellschaftlichen Leben zeitigen können. Daher muss der christl.
Gottesdienst an die Eigenart und Überlieferungen der verschiedenen Völker
angepasst werden (II. Vatikanum, Liturgiekonstitution Nr. 37), unterliegt
also einem Inkulturationsprozess. Zwar ist der christl. Glaube an keine
bestimmte Kultur gebunden, doch sind Verkündigung (Martyria), Feier
(Liturgie) und Leben des Glaubens (Diakonia) immer auf die Ausdrucksformen
bestimmter Kulturen angewiesen. Diese Inkulturation bedeutet die Integration
des christl. K. in die Kultur eines anderen Volkes, und zwar so, dass der K.
nicht nur in Elementen dieser Kultur zum Ausdruck kommt, sondern auch
Einfluss auf diese Kultur hat, so dass ein neues Ganzes entsteht und
zugleich die Weltkirche dadurch bereichert wird. Das geschieht in mehreren
Phasen: I. begegnet der K. als bereits inkulturierte (zumeist europ.) Grösse
einer anderen Kultur; 2. geschieht eine Adaptation, bei der das Moment der
Aneignung im Vordergrund steht; 3. vollzieht sich die eigentliche
Inkulturation, in der der K. von der eigenen Kultur her geprägt, aber auch
die Kultur vom K. her beeinflusst wird. Dabei ist darauf zu achten, dass der
K. nicht in den Dienst politischer und gesellschaftlicher Ziele gestellt und
von der jeweiligen Kultur missbraucht wird. |
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