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Kult/Gottesverehrung in Natur- und Stammesreligionen

Kult besteht im naturvölkischen Bereich aus einer Vielzahl stereotypisierter, magischreligiöser Handlungen (Riten), die zu Zeremonien und grossen Festfeiern zusammengefasst werden. Die meisten gründen nach Überzeugung der den Kult Vollziehenden im Mythos, besonders die Festfeiern werden als periodisch zu wiederholende Dramatisierungen urzeitlicher Begebenheiten verstanden. Nach äusserer Form und innerer Zielsetzung werden gewöhnlich apotropäische (drohende Übel und böse Geister abwehrende), eliminatorische (der Ausschliessung von Bösem aus der Gemeinschaft dienende), reinigende und (mit den verehrten Numina) einende Riten unterschieden. Diese und ähnliche Abgrenzungen sind aber nicht ausschliessend, denn in allen Kategorien können nahezu sämtliche Handlungsmuster und materiellen Substrate Verwendung finden, deren Zweck erst durch Worte, die das äussere Tun begleiten, oder durch hinzutretende innere Haltungen festgelegt wird. So können Besprengung mit Wasser oder Blut, Enthaltsamkeit (von Speise und Trank, aber auch Geschlechtsverkehr), Schreien, Lärmen oder Schweigen in allen genannten Kategorien vorkommen.
Vollständigste Äusserung des K. bildet das Opfer. Es besteht darin, dass Güter jedweder Art dem eigenen Gebrauche entzogen und übermenschlichen Mächten übereignet werden, um Ehre, Anerkennung, Dank oder Anbetung auszudrücken. Dabei können sowohl die zumeist unblutigen Erstlings- oder Primitialopfer der Wildbeuter als auch die quantitativ reicher ausgestatteten Formen in Kulturen mit Überschussproduktion mit dem Gedanken magischer Stärkung der verehrten Mächte verbunden sein und bes. beträchtliche Steigerungen der materiellen Gaben ein utilitaristisches Verständnis des Opfers im Sinne V00 Verträgen auf Gegenseitigkeit zwischen Numina und Verehrergemeinden entstehen lassen. Wie es scheint, stehen bei blutigen und selbst bei Menschenopfern weder der Tötungsakt noch das anschliessende Mahl, sondern die Herstellung einer Verbindung (der Feiernden mit der Gottheit und der K.-Teilnehmer untereinander) im Mittelpunkt.
Kaum weniger wichtig als Opfer sind die sog. Übergangsriten. Darunter sind mit A. van Gennep Riten zu verstehen, die das Verlassen eines Zustandes und den Beginn eines neuen rituell begleiten. In gewissem Sinne fallen zumindest alle grösseren K.-Veranstaltungen darunter, denn diese richten sich nach zeitlichen (Jahreszeiten, Mondphasen, Beginn und Ende von Jagd- oder Ernteperioden) oder örtlichen Veränderungen (Verlassen des Stammesgebietes bei Kriegs- und Beutezügen oder Betreten h11. Bezirke bei K.-Feiern). Die eigentlichen nies de passage betreffen aber das Individuum und greifen bes. bei Schwangerschaft und Geburt, bei Namengebung, Mannbarkeit, Eheschliessung und Tod tief in dessen Leben ein, wobei trotz grosser Verschiedenheit der rituellen Arrangements (z. B. Absonderungen, „Mutproben") die Symbolik von Sterben und Wiedergeborenwerden im Vordergrund steht.
Mitunter können ganz gewöhnliche Menschen als Exponenten von Gruppen K.-Handlungen vollziehen. In reinen Subsistenzgesellschaften geschieht es normalerweise durch Familienälteste, Anführer von Jagdscharen oder bes. Begabte. Auch in differenzierteren Kulturen sind priesterliche Funktionen häufig an die traditionellen Führergestalten (z. B. die Häuptlinge) gebunden. Daneben entwikkein sich aber häufig gleich mehrere priesterliche Berufsstände, die vielfach in ganz individueller Weise Kenntnis von Traditionen und Ritual mit Funktionen des Heilers (Medizinmann), Wahrsagers, Beschwörers oder Zauberers (auch im sozialschädlichen Sinne) vereinen.
 


 

 

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