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Kult/Gottesverehrung im Hinduismus

Im allg. werden die kultischen Rituale, von denen es im Hinduismus mannigfaltige Formen gibt, in zwei Gruppen eingeteilt
 

a) die vedischen,
 

b) die agamisclhen.

1. Der vedische Kult
Jeder der vier Veden besteht aus vier Teilen: Mantra,  Brhmana, Aranyaka und Upanisad. Die beiden ersten Teile werden zusammen Karmakanda, d. h. ritueller Teil, genannt. Der wichtigste Bestandteil der Volksreligion der frühesten vedischen Zeit war die Verehrung der Götter, die hauptsächlich Verkörperungen der Mächte der Natur waren. Yajna (Opfer), die wichtigste kultische Handlung, war ein Brandopfer von Getreide, Milch, Butter und Somasaft, einem berauschenden Getränk. Durch solche Opfer glaubte man materiellen und geistigen Wohlstand zu erreichen.
Die Brahmana verwandelten den urspr. einfachen vedischen Kult in ein System sehr komplizierter Zeremonien, die von einer priesterlichen Kaste beherrscht wurden. Der Kult diente der Erhaltung der Schöpfung: „Wir müssen, tun, was die Götter am Anfang getan haben" (Satapatha Brahmana VII 2, 1, 4)., In den Aranyaka (Upasanakanda = Meditationsteil) und den Upanisaden (Jnanakanda = Teil des Wissens) findet sich dann wiederum eine Reaktion gegen die zu starke Betonung der äusseren kultischen Handlungen durch die Brahmana.

2. Der agamische Kult
Mit den Purana und Agama wurde eine neue Phase des Hinduismus eingeleitet. Bhakti, die liebende Selbsthingabe an einen persönlichen Gott, wurde das wichtigste Element des Kultes. Die Purana („alte Erzählungen") enthalten das Subjekt der Volksfrömmigkeit: die Gottheiten Visnu und Siva, ihre verschiedenen Inkarnationen (Avatara) und ihre Gattinnen Sri (Laksmi) und Sakti (Parvati). Die Agama sind theol. Monographien, Handbücher des Kultes. Die drei Hauptsekten des Hindiuismus - Vaisnavismus, Saivismus und Saktismus - haben je eigene Agama. Die Sakta-Agama werden auch Tantra genannt. Die populärste Form der Gottesverehrung ist die Anbetung des Bildes der Gottheit, volkstümlich beikamt als Puja. Der Anbeter darf sich selbst ein Istadevata (bevorzugte Golttheit) aussuchen; entweder übernimmt er die Gottheit eigenen Sippe oder Familie oder er entscheidet sich auf Vorschlag seines Guru für eine passende Gottheit. Das Bild der Gottheit wird aber erst nach der Pratista ( Weihe) angebetet, denn erst durch die Weihe wird das Bild zum Wohnort der Gottheit. Die tägliche häusliche Andacht äussert sich im Singen des Gayatri Mantra (Rgveda III 62,10) oder anderer Mantras (Japa), im Lesen der heiligen Schriften (Patha), in der Meditation (Dhyana) u. a. m. Eine wichtige Rolle im Leben eines frommen Hindu spielen Wallfahrten, die zur Vergebung von Sünden und Erlangung des göttlichen Beistandes materieller und geistiger Not unternommen werden.
 


 

 

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