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Kult/Gottesverehrung in China |
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Im Zentrum der ältesten Religionen Chinas stand der Ahnenkult, ansonsten ist der Kult als Agrar-Kult zu charakterisieren (vor allem der Kult der Erdgottheit she). Sodann entwickelte sich der Kult des Ti („Herrscher") und des Shang-ti („Höchster Herrscher") und in den späteren Zeiten der Kult des Himmels. Berücksichtigt man die geschichtliche Abfolge der Kult-Formen und die funktionalen Unterschiede, kann man den chin. Kult folgendermassen gliedern: a) mediumistische und exorzistische Kulte („Wuismus” und Orakelwesen); b) Kulte mit einer Lehrtradition (Taoismus, Buddhismus, Sekten); c) offizielle Kulte („Staatskultwesen"; "Konfuzianismus" - insofern als er in enger Beziehung zum Ahnenkult und dem „Staatskultwesen" stand).
Insgesamt lässt sich folgende Kult-Typologie, gültig auch für das heutige China, aufstellen:
1) der Kult der Familie - Zeremonien im Zusammenhang mit der Geburt; Verlobungs- und Hochzeitszeremonien; Begräbnisriten und Ahnen-Kult;
2) der Kult der Volksreligion - Götter und Tempel;
3) das „Staatskultwesen" (heute nur in Form einer Zeremonie für Konfuzius vorhanden);
4) der Kult des Taoismus und
Buddhismus.
Der Kult in China ist ein Produkt des Gemeinschaftslebens und ist dem sozialen
Leben nachgeordnet. Durch den Kult wollte man vor allem den regelmässigen Gang
der Natur sicherstellen. Der Himmel (T'ien) und die Erde (ti) waren
Potenzen, mit denen man rechnen musste. Es bedurfte aber eines besonderen
Charismas, um durch den Kult (Opfer und Gebet) die Harmonie mit Himmel und
Erde herzustellen. Nach der Lehre des Konfuzius (551-479 v. Chr.) erhielt
der Herrscher, Sohn des Himmels (T'ien-tzu), seinen Auftrag vom Himmel (t'ien-ming)
und konnte diesen verlieren, wenn er schlecht regierte. Er allein durfte dem
Himmel für das Volk und Reich Opfer darbringen; ihm waren die Opfer an
Shang-ti, den Himmel und die Erde vorbehalten. Wenn andere das gleiche zu
tun versuchten oder nur eine besondere Beziehung zum Himmel beanspruchten
(z. B. die Taoisten), waren sie deshalb des Hochverrates schuldig. Dies
erklärt u. a., warum das Gebet nicht so sehr zum Leben des Volkes in China
gehört, sondern Angelegenheit der Herrscher und Auserwählter war. Deswegen
auch wurden im Volk „kleinere" Götter verehrt (Volksreligion). Kaiser und
Volk gemeinsam war lediglich der Ahnenkult. Mit ihm steht in enger Beziehung
die K.-Gemeinschaft (t'ungtsung), die die Grundlage der Familienorganisation
im alten China war. Es gab keinen Priesterstand ; er entwickelte sich erst
im Taoismus. Die eigentliche Gottesverehrung entfaltete sich vor allem im
Taoismus, Buddhismus und in der Volksreligion. Der Konfuzianismus und das
„Staatskultwesen" blieben auf zeremonielle Akte beschränkt. Diese waren
nämlich eine Vernunftreligion. 1911 hörten die Opfer am Himmelsaltar auf.
1914 liess Präsident Yüan Shih-k'ai einen Erlass über die Erneuerung des
Himmelsopfers ergehen, und zur Wintersonnenwende verrichtete er zum letzten
Mal in der chin. Geschichte dieses Opfer. |
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