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Kult/Gottesverehrung im Judentum

Der jüd. Opfer-Kult im Tempel, die 'aboda (2 Chr 35,10.16), hat mit der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. zwar ein Ende gefunden, doch gehört es zu den grossartigsten Äusserungen jüd. Glaubenslebens, die 'aboda (= Liturgie) voll und ganz auf das Gebet übertragen zu haben. Das war möglich, weil nach jüdischem Glauben der eigentliche Gottesdienst im Herzen stattfindet, eben im Gebet, nämlich dann, „wenn ihr also den Herrn, euren Gott, liebt und ihm mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele dient" (Dtn 11,13). Und das Hauptgebet des synagogalen Gottesdienstes ist das Achtzehngebet, das als Ersatz für den Opfer-K. verstanden werden kann. Es steht vom Ende des Tempel-K. bis heute im Mittelpunkt der synagogalen Liturgie, die in allen jüd. Riten und 'Synagogen genau zu den Zeiten gehalten wird, da vormals die Opfer im Tempel stattfanden: am Morgen und am Nachmittag sowie an ‚Sabbaten und Festen anstelle des Zusatzopfers (Musse) im Anschluss an den Morgengottesdienst. Darüber hinaus wird das Achtzehngebet auch im Abendgottesdienst verrichtet, zählt dort aber nicht als Pflichtgebet, weil es zur Abendzeit keine Opfer im Tempel gab. Zwischen Tempel-K. und Synagogenliturgie gibt es weitere erhebliche Unterschiede: 1. Im Tempel gab es ein erbliches Priester- und Levitentum; man wurde Priester durch Geburt. In der Synagoge wird kein Priester gebraucht, es handelt sich um eine Laienliturgie, bei der 10 Männer die Gemeinde konstituieren. 2. Der Tempel war ortsgebunden, die Synagoge ist nicht ortsgebunden, die Liturgie bedarf letztlich keines hl. Ortes. 3. Im Tempel war das Volk eher zuschauend anwesend, während es im Synagogengottesdienst als Handlungsträger die Liturgie vollzieht.
Zum Element des Gebetes treten die Schriftlesung und -deutung. Die Lesung der Tora ( = 5 Bücher Mose) findet am Sabbat, Montag und Donnerstag statt und wird an Sabbaten und Festen durch ausgewählte Stücke aus den Propheten ergänzt. Vor allem an den Festen treten bestimmte kultische Handlungen, die z. T. aus der Tempelliturgie kommen, hinzu, so etwa das Schofarblasen am Neujahrstag oder die Prozession am Laubhüttenfest. Trotz der Unterschiede vor allem zwischen orth. und religiös-liberalen Juden in Einzelheiten der Glaubenslehre ist allen die Grundstruktur der Liturgie gemeinsames Gut, wie auch das im „Höre, Israel!" (= Sch* ma) enthaltene Bekenntnis zum /Monotheismus und die im Zusammenhang damit ausgedrückten Glaubenslehren von Schöpfung, Offenbarung und Erlösung. Die überkommene Gottesdienstordnung wurde in der Neuzeit von der jüd. Reformbewegung in Frage gestellt. Hauptanliegen der Reform waren die Einführung der Landessprache, die Umgestaltung der Gebete (z. B. Streichung der messianischen Erwartungen oder der Bitte um die Wiederherstellung des Tempel-K.), die Liturgiefähigkeit der Frau.
Wie im Christentum geht es im Judentum nicht um ein einseitiges Verständnis des K., denn Gott ruft sein Volk zusammen, das sein Heilshandeln in der Verkündigung der Schrift vernimmt und ihm darauf in Glaube und Liturgie antwortet. Es geht also um ein dialogisches Geschehen, in dem in der gegenwärtigen Feier das Heilshandeln Gottes bekannt und daraus Zuversicht auf seine Verheissungen bis zum Ende der Zeiten geschöpft wird. Diesem gottesdienstlichen Bekenntnis muss die ethische Ausrichtung des gesamten Lebens entsprechen.
 


 

 

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