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Krishna

I. Krsna („der Schwarze, der Anziehende") ist ein Name Gottes. Er ist der achte und mit Abstand wichtigste Avatara Visnus. Nach einigen Schulen -insbesondere der Bengal-Schule des Visnuismus - ist er kein avatara, sondern avatari und Bhagavan, „der Urgrund und Aussender aller avataras"; im letzteren Falle wird sein älterer Bruder Rama oder Balarama als der achte avatara angesehen. Die erste Erwähnung eines Krishna findet sich in der Chandagya-Upanisad (3.17.6), vermutlich aus dem 9. Jh. v. Chr.: „Dies erklärte Ghora Angirasa dem Krsna, dem Sohne der Devaki", dass das ganze Leben selbst ein Opfer sei. Über ein halbes Jt. später verkündete die Bhagavadgita eine ähnliche Lehre; auch hier wird der vedische Opferkult relativiert. Die in buddh. und jinistischen Schriften überlieferte Lebensgeschichte Krishnas stimmt mit der der hinduistischen Tradition überein. „Die Krishna-Geschichte war also, obgleich die Upanisaden und Sutras sie nicht erwähnen, schon ziemlich früh in verschiedenen Kreisen und Gegenden Indiens bekannt". Er ist eine wichtige Persönlichkeit im heiligen Epos Mahabharata. Unmittelbar vor der grossen Schlacht verkündet er als Wagenlenker Arjunas seinem Vetter, Freund und Bhakta die Bhagavadgita („Lied des Bhagavat"), die am meisten verbreitete und kommentierte heilige Schrift der Hindus. Im 11. Kapitel sagt er im Anschluss an seine Offenbarung (V. 55): „Wer seine Werke um meinetwillen tut, wer sich mir völlig hingibt und mich liebt, wer frei ist von dem Hang zu allen Dingen dieser Welt und ohne Feindschaft gegen alle Wesen, der gelangt zu mir." Die Bhagavadgita gilt als eine Upanisad, d. h. als ein Teil des Veda, mehr noch: als Quintessenz der Upanisaden-Lehre. Das als Anhang zum Mahabharata betrachtete Harivamsa-purana (ca. 400 n.Chr.) erzählt ausführlich die Geschichte der Kindheit, der Jugend und der Liebesspiele Krishnas.
Das Bhagavata-purapa (ca. 850 n. Chr.) und das noch jüngere Brahmavaivarta-purana sind einige weitere Etappen in der Entwicklung der Krishna- Biographie und Krishna-Theologie. Insbesondere der letztgenannte Text ist für die Ausbildung des Kultes um Radha, Gefährtin und weibliche Sakti („Kraft") Krishnas, von entscheidender Bedeutung. Dies sind die Hauptentwicklungslinien der Krishna-Biographie, die jedoch das Phänomen nur äusserlich kieren.

2. K. ist einzigartig; er ist die faszi rendste, göttliche Gestalt im Hinduism Allein Siva strahlt eine annähernd glei wertige Faszination aus. K. ist nicht der grösste Sittenlehrer, Verkünder Bhagavadgita und Ratgeber im diplo tischen, politischen, kriegsstrategisc Fragen, er ist zugleich der unnachah che Herzensbrecher, Charmeur und Li haber. Endlos sind K.s Spiele. Als Sä ling und Kleinkind vernichtet er Dä nen, erfreut er die Herzen seiner Pfleg tern, Nanda und Ya§odä (die auch seine beispielhaften Bhaktas gelt heckt er aber auch ungezogene Strei aus, wie den Diebstahl der Butter, wo er des öfteren Prügel bezieht. Als Jü ling raubt er die Herzen der jungen tinnen. Wir mögen seine „Biographie den Bericht über seine Spiele (Iflä) -verfolgen und feststellen, wie immer n Streiche und Heldentaten hinzuge wurden. Dieser Addierungsprozess längst nicht abgeschlossen und wird - lange die K.-Bhakti lebt - nicht ab schlossen sein. Seine liläs zu besin _ heisst gleichsam, als ein nahestehen• Familienangehöriger an ihnen zu patt' pieren. In K. findet die Bhakti ihre E lung. Der Bhakta will nicht den „Oz des Daseins" überqueren, er hat ni den Wunsch, ans andere Ufer zu gel gen; er will nur in den Ozean der Li tief eintauchen und versinken. Wie Hindi-Dichter Bihäreal (wahrscheint' 1595-1664) sagt: „Niemand begreift was in dem Herzen, das liebt, vor si geht: Je tiefer es in die Kf$üa-Farbe - die ,Farbe des Schwarzen' ! - taucht, sto strahlender wird es." K. ist der G der Liebe, ein Vertrauen Erwecken• und ein Vertrauter seiner Bhaktas. Es nicht schwer, zu ihm eine freie, un: zwungene, intime Beziehung zu hab Im alten wie im neuen Indien hat er Di ter und Musiker, Maler und Bildhau Tänzer und Schauspieler inspiriert. Auch Aussenstehende und Nichthindus haben sich seinem unwiderstehlichen Zauber nicht zu entziehen vermocht, wie der Grieche Heliodorus (2. Jh. v.Chr.) und zahlreiche muslimische Dichter, Musiker und Maler der


 

 

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