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Katholizismus und röm.-kath. Kirche

a) Konfessionalisierung des Katholischen.

In der Zeit der Reformation und Gegenreformation begann eine verhängnisvolle Konfessionalisierung der Katholizität. Selbst die Reformatoren des 16. Jh. wollten die Katholizität als inneres Wesen der Kirche zuerst nicht leugnen, noch weniger abschaffen, sondern im Gegenteil von Grund auf erneuern. Sie wollten auf die urspr. Katholizität der Kirche zurückführen, indem sie Missstände und äusserliche Traditionen an der damals bestehenden röm. Kirche tadelten. Auf diese urspr. Kirche wollte Luther hinaus, wenn er für „eine heilige catholica oder christliche Kirche" eintritt, deren Wesen es sei, die „reine und lautere Lehre des Evangelii" zu verkünden „äusserlich Bekenntnis derselben an allen Orten der Welt und zu jeder Zeit" abzulegen. Oder Melanchthon kann in seinem Hauptwerk erklären: „ Wir müssen alle katholisch sein", weil die Katholizität der Kirche ihre unaufgebbbare Wesenseigenschaft ist. Der wichtigsten Bekenntnisschrift der reformatorischen Kirchen, der Confessio Augustana 1530, muss, wie grösstenteils anerkannt wird, gerade das Anliegen der ursprünglichen Katholizität der wahren Kirche zugute gehalten werden.
Erst nachdem der Versöhnungsve der Confessio Augustana gescheitert zerfielen die Anstrengungen, das ge sam Katholische in den verschied Bekenntnissen zu suchen. Die alte, in, reformat. Sicht von der wahren Ki Christi abgefallene röm. Kirche e den alleinigen Anspruch auf Katholi Die Kirche der Reformation, die seits die wahre Kirche für sich r mierte, versuchte zunächst noch zu e sen, dass auch partikulare Kirchen Bindung an Rom kath. zu sein verm um sich dann ganz von dem At kath. zu trennen. Die innere Qualität Katholischen hatte sich zugunsten de valität verschiedener Katholizismen gelöst. Schliesslich wurde die konf nelle Identifikation des Katholischen dem Römischen zum Kontroversp zwischen den Konfessionen.
Die röm.-kath. Kirche ihrerseits un mauerte meist in apologetischer Abs - vom 16. bis zum 19. Jh. - den rech ssigen Titel des Katholischen. Sie suchte das Kirchenattribut des Katholischen hist. und demonstrativ zu erweisen. Die apologetische Tendenz im Verständnis des Katholischen tritt nun deutlich hervor. Rom beansprucht für sich den Ort der gesch. und geographischen Kontinuität. Diese wird zudem mit der Person des röm. Papstes identifiziert. Das Römische selbst wird zu einer hervorgehobenen inhaltlichen Qualität der Kirche. Damit wurden auch die anderen Wesenseigenschaften der Kirche an Rom gebunden: Die eine, heilige und apostolische Kirche existiert sichtbar in der röm.-kath. Kirche weiter; dort ist der Ort des wahren Glaubens und der wahren Lehre. Mit dem Vatikanum II hat sich die Situation wesentlich geändert. Die Berufung auf die Katholizität der röm.-kath. Kirche als Unterscheidungsmerkmal zu anderen Kirchen tritt in den Hintergrund. Die apologetische Sicht wird weitgehend zugunsten der urspr. Sicht des Katholischen zurückgestellt.

b) Merkmale der röm.-kath. Kirche
Trotz der erneuerten Sicht der röm.-kath. Kirche hat sich in ihr gesch., theol. und kulturell eine Gestalt entwickelt, die ihr unterschiedliches Gepräge ausmacht und sie als K. etwa von 'Protestantismus unterscheidet. K. meint diese gewachsene Gestalt der röm.-kath. Kirche, die sich teils aus eigentümlichen kath. Prinzipien ergibt und sich teils in äusseren Erscheinungsformen kundtut. Im Verhältnis zum Protestantismus etwa wurden die Unterscheidungsmerkmale des Katholischen lange Zeit schematisch so formuliert: Während das Merkmal der ev. Kirche das „sola" (Glaube allein, Christus allein, Schrift allein, Gnade allein) sei, halte die röm.-kath. Kirche am „et" fest (Glaube und Liebe, Christus und Kirche, Schrift und Tradition, Gnade und Werke). Auch diese Schematisierung ist durch das Vatikanum II weitgehend überholt. Einige kath. Merkmale, die heute noch wirksam sind, seien aber genannt:
Christus und Kirche: Die röm.-kath. Kirche hat in einer langen Tradition besonderen' Wert auf die Sichtbarkeit der Kirche gelegt. Damit ist gemeint, dass die Fülle des Heils in Jesus Christus in der Kirche bleibend präsent bleibt. Das Vatikanum II hat aber den Ursprung der Kirche aus dem dreifaltigen Gott in Jesus Christus neu betont und die Kirche als unsichtbare und zugleich sichtbare Gemeinde des Herrn herausgestellt.
Kath. und röm. Kirche: In der Tat kommt „Rom" für die röm.-kath. Kirche eine besondere Bedeutung zu. Diese Auszeichnung Roms hat letztlich ihren Grund darin, dass die röm. Hauptstadt die Gräber der Apostel Petrus und Paulus birgt und sich die Gemeinde dort seit alters Mutter aller Kirchen nennen durfte. Aus diesem Vorrecht der röm. Bischofskirche hat sich der Primat des röm. Papstes entwickelt.
Papst und Bischöfe: Die röm.-kath. Kirche hat zu ihrem Oberhaupt den röm. Papst; er hat das höchste Lehr-, Richter-und Priesteramt inne; in ihm ist mit den Bischöfen die apostolische Nachfolge auf besondere Weise sichtbar. Das Vatikanum II hat die Kollegialität zwischen Papst und Bischöfen der Weltkirche besser geklärt, so dass Papst und Bischöfe zusammen als Kollegium die Weltkirche repräsentieren.
Schrift und Tradition: Die röm.-kath. Kirche gründet ihren Ursprung und ihre gesch. Erscheinung zu gleichen Teilen in der Schrift und in der Tradition. Auch hier hat das Vatikanum II einen entscheidenden Durchbruch des Kirchenverständnisses erbracht. Allerdings legt die röm.-kath. Kirche besonderen Wert auf die Sichtbarkeit des kath. Wesens in der gesch. Wirklichkeit; z. B. in der apostolischen Sukzession oder in den kirchl. Ämtern.
Wort und Sakrament: Die röm.-kath. Kirche wurde in der Vergangenheit oft als Sakramentenkirche apostrophiert. Deshalb hat das Vatikanum II etwa die gleiche Bedeutung des Wortes und des Sakramentes in der Eucharistie betont. Allerdings sieht die röm.-kath. Kirche in der Eucharistiefeier den Höhepunkt ihres gläubigen Vollzuges. Daneben gehören einige spezifische Ausprägungen kath. Frömmigkeit zu ihrem Selbstverständnis: Für sie ist die eucharistische Frömmigkeit charakteristisch, ebenso die besondere Verehrung des Sakramentes; sodann vermittelt sie Jesu Heilswerk nicht nur in Wort und Sakrament, sondern durch verschiedene symbolische Handlungen wie Weihen und Segnungen.
Gnade und Werke: Die besondere Schätzung des Lebens und Werkes der Gläubigen, die das Gnadengeschenk Gottes nicht ausschliesst, sondern voraussetzt, äussert sich in einigen Eigenarten kath. Theologie und Frömmigkeit. Auf ihr ruht die weitverbreitete und durch Dogmen bekräftigte Marienverehrung. Ähnliche Verbreitung geniesst die Verehrung von Heiligen. Damit verbunden ist eine kath. Sicht der Letzten Dinge, d. i. etwa vom Ort der Reinigung (/' Fegfeuer) und von der Fürbitte für die Verstorbenen.

c)Katholizismus
Von K. im engeren Sinne ist die Rede, wo die weltzugewandte Seite der röm.-kath. Kirche eine konkrete gesch. und kulturelle Gestalt in nationalen, gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen angenommen hat. Der röm.-kath. Kirche wird ein bes. positives Verhältnis zu Welt, Geschichte und menschlicher Existenz nachgesagt. K. Adam bestimmt die Katholizität als welterobernde Kraft der Kirche, als Durchdringung und Heimholung der Welt, als „Wertbejahung auf der ganzen Linie, Weltoffenheit im umfassendsten und edelsten Sinn" (227). Aus diesem missionarischen Impuls sind in den verschiedensten Ländern viele Anregungen zur Gründung kath. Aktionen, Gruppen und Vereinigungen ausgegangen.
Röm.-kath. Kirche nach dem Vatikanum II. Zusammenfassend kann zum Verständnis der röm.-kath. Kirche nach der Selbstbesinnung auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil gesagt werden: Die Kirche hat ihr Selbstverständnis weitgehend vertieft. Die apologetische Sicht ist weitgehend zurückgetreten. Die inneren Qualitäten der urspr. Katholizität der Kirche werden wieder in den Vordergrund gerückt. Vor allem wird die ganze Kirche Gottes als „universales Sakrament des Heils für die Welt" erkannt (LG 1). Auf besondere Weise enthält LG 13 die erneuerte Sicht einer Katholizität, die grosse Bedeutung hat für das Verständnis der röm.-kath. Kirche nach innen und nach aussen, für die eigene innere Reform und für ihre ökumen. und missionarische Aufgabe: „Die Eigen schaft der Weltweite, die das Gottesvo auszeichnet, ist Gabe des Herrn selbst. I ihr strebt die katholische Kirche mit T. kraft und Stetigkeit danach, die ga Menschheit mit all ihren Gütern unt dem einen Haupt Christus zusammenz fassen in der Einheit des Geistes. Kr» dieser Katholizität bringen die einzeln - Teile ihre eigenen Gaben den übrig Teilen und der ganzen Welt hinzu, so d das Ganze und die einzelnen Teile zune men aus allen, die Gemeinschaft mitei ander halten und zur Fülle der Einh zusammenwirken."
 


 

 

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