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Katharsis

Vorgang oder Massnahme, die in den Zustand der Reinheit versetzen soll, ist nicht ohne den Begriff der Unreinheit zu betrachten. „Rein ist im Gegensatz zu unrein eine Person oder Sache, die von einem durch religiöse oder profane Vorstellungen bestimmten Etwas getrennt ist. Dieses Etwas variiert in Umfang und Inhalt bei den verschiedenen Völkern und heisst (materiell, physisch) Schmutz, übertragen (kultisch, ethisch, moralisch) Sünde u. ä.".
Es lassen sich vier verschiedene Komponenten innerhalb des Reinheitsbegriffes herausheben:

1. Für die Kontaktaufnahme mit dem Göttlichen ist rituelle Reinheit Voraussetzung, so beim Betreten des Heiligtums und zur Feier von Festen, die sich in verschiedenen Handlungen ausdrückt, wie das Ausziehen von Schuhen, Kleidern, Enthalten von Nahrung, Arbeit, Geschlechtsverkehr usw.

2. Reinigungen zur Wiederherstellung des urspr. Zustandes; u. a. gelten ‚Wasser und Feuer dazu als Mittel. Die weisse Farbe dient dabei als Symbol der Reinheit. Es geht hier weniger um die Reinheit für kultische Anlässe. Was früher als Tabu angesehen wurde, wird immer mehr als unrein eingestuft; vgl. die Übertragung der Unreinheit durch alle Arten von Berührungen und Beziehungen mit den Wirklichkeiten. Damit es nicht zu einer blossen Beobachtung starrer Regeln kommt, werden Unreinheit und Sünde gleichgesetzt ("Shintöismus). Als unrein gelten die Wöchnerinnen und die Neugeborenen sowie alle Ausscheidungen des menschlichen Körpers.

3. Unreinheit als Folge des Brechens von Weisungen und Tabus. Rituelle Unreinheit wird als Strafe für Tabubrüche gesehen, ebenso Krankheit, Unglück und Tod ("Totem/Totemisraus).

Als 4. Komponente ergibt sich die ethische Dimension der Reinheit. Die Propheten des AT legen in ihrer Verkündigung besonderen Wert auf die Reinheit der Gesinnung und des Gewissens. In späterer Zeit erlangt die rituelle Reinheit im Judentum oft eine grössere Bedeutung als die sittliche Reinheit. Jesus hat die kultische Reinheit verworfen, da sie nur im Vollzug äusserer Vorschriften besteht. Im Christentum bewirkt die ‚Taufe eine volle Reinigung. Die Reinheit des Christen besteht in der Erneuerung des Herzens durch die ungeteilte Hingabe an Gott und den Nächsten.

Spätere Epochen fallen mitunter in die mechanistische Auffassung der Reinheit zurück, wobei z. T. magische Riten durchsickern (Tao/Taoismus). Schliesslich kommt es wie im Manichäismus dazu, dass die gesamte Materie als unrein qualifiziert wird (Karma, Jinismus). Die Katharer, eine christliche häretische Bewegung des 12.-14. Jh. (bes. in Südfrankreich und Norditalien), übten völlige Weltenthaltung und Askese, um sich selbst zu erlösen. Der Seele des Reinen stellten sie die von Gott abgefallene Welt des Satans gegenüber. So war jede Berührung mit der Welt (Ehe, Fleischgenuss, Arbeit usw.) Sünde, da sie unrein macht.
 


 

 

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