eso-shopping Partnerprogramm
 
Web sphinx-suche.de
Moviestreaming, filmdownloads etc..  Bücher
Religionen
A-Ani   Ant-Az   B-Bo  Br-C   D-Ep  Er-Fe   Fr-Gl   Gn-Gz   H-He   He-Hz   IJ   K
 L-Men  Mes-N   OPQ   R  S-Schu   Schu-Sz  Ta-Ti   To-Tz   U-Z
 

Kastenordnung

1. Zum Begriff der indischen Kastenordnung:
Das Wort Kaste ist vom portug. casta, Unvermischtes, Rasse, Stamm, Sippe, übernommen und auf das indische Sozialsystem übertragen worden. In einer Arbeitsdefinition kann man sagen: Sie „teilt die ganze Gesellschaft in eine Anzahl erblicher Gruppen, unterschieden und verbunden durch drei Charakteristika: Trennung in Angelegenheiten der Heirat und des direkten oder indirekten Kontakts (Essen); Arbeitsteilung, da jede Gruppe theoretisch und traditionell einen Beruf hat, von dem sich ihre Mitglieder nur innerhalb gewisser Grenzen entfernen können; und schliesslich eine Hierarchie, welche die Gruppen vergleichsweise höher oder niedriger einstuft". Theoretisch-religiös wird die Kastenordnung vielfach auf eine Aussage des Rgveda (10.90.12) zurückgeführt: „Des Ur- purusa (der Urperson) Mund ward zum Brahmana, seine beiden Arme wurden zum Rajanya gemacht, seine beiden Schenkel zum Vaisya, aus seinen Füssen entstand der Sudra." Genaugenommen ist hier aber nicht von Kaste, sondern von vier Klassen (Skt. vartia — Farbe, Klasse, Stand) die Rede:

1. Brahmane, Priester, Kenner und Lehrer der heiligen Schriften;

2. Ksatriya (Rajanya im Rgveda), Krieger, Adel;

3. Vaisya, Ackerbauer, Gewerbetreibender;

4. Sudra, Diener, Arbeiter.

 

Die ersten drei sind dvija, „Zweimalgeborene", weil ihnen die als zweite Geburt aufgefasste „Brahmanenweihe" (upanayana) und somit die Zulassung zum Unterricht in heiligen Schriften bei einem brahmanischen Lehrer zustand. Sudras war dies verwehrt; sie galten als rituell unrein. Diese ideale Sozialordnung ist jedoch zu keinem Zeit-Punkt der Geschichte nachweisbar.
Das indische Wort für Kaste ist jati und bedeutet Geburt und durch sie bestimmte Daseinsform, Rang und Zugehörigkeit zu einer Klasse.

2.Die Frage nach dem Ursprung der Kastenordnung ist ungeklärt. Die Rassentheorie, nach der die arischen Eroberer um die Mitte des 2. Jt. v. Chr. ein Apartheidssystem geschaffen hätten, um nicht in die grosse Masse der einheimischen Bevölkerung aufzugehen, ist nicht bewiesen. Jedenfalls hat Kaste (oder auch varga) heute nicht das Geringste mit Rasse zu tun. Überdies sind die Kasten nicht durch Vermischung oder Unterteilung der sog. „ursprünglichen vier Hauptkasten" entstanden. Die Varga-Aufteilung war stets ein äusserer Rahmen, dem sich die auch durch die Assimilierung der Fremdvölker entstandenen Kasten zuordneten. Dieser äussere Rahmen blieb durch Jahrtausende hindurch intakt. Die Zahl der Kasten war jedoch niemals fixiert. Megasthenes, zu Ende des 4. Jh. v.Chr. griech. Gesandter am Mauryahof, hatte deren sieben ausgemacht; heutige Erhebungen kommen auf etliche tausend. Die Kastenordnung ist nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt geschaffen oder verordnet worden. Sie ist vielmehr ein im Laufe vieler Jahrhunderte gewachsener sozialer Organismus von äusserster Kompliziertheit. Wie alle gewachsenen Organismen war und ist auch sie nicht so starr und unwandelbar, wie es den Anschein hat. Das Strukturprinzip dieses Organismus ist das der Hierarchie. Diese ist ihrerseits aber keine „feste Rangordnung", sondern „die Zuweisung eines Ranges an jedes Element in seinem Verhältnis zum Ganzen". Die Kastenordnung setzt eine überschaubare Dorfgemeinschaft voraus, in der jeder seinen ihm zugewiesenen Platz, seine Rechte und Pflichten kennt und jeder von jedem abhängt. Sie lässt sich daher nur schwer auf eine moderne urbane Gesellschaft übertragen.

3.) Der hierarchische Status einer Kaste innerhalb der Kastenordnung wird bestimmt aufgrund der Reinheit bzw. Unreinheit, zusätzlich zur Zuordnung zu einem Varga. Beide Kriterien werden regional unterschiedlich gehandhabt. Die hierarchische Ordnung ist nicht linear und der Gegensatz zwischen Rein und Unrein nicht absolut (es gibt zeit- und raumbedingtes Unrein-sein). Demnach gibt es kein Kastensystem als solches, sondern Kastensysteme. Durch Geburt erworbene physische Reinheit ist die eine Komponente, die andere ist die kontingente körperliche; hinzu kommt die Lauterkeit des Lebenswandels. Schon das Mahabharata (13.131,49) hatte verkündet: „Nicht Herkunft noch Weihe, noch Gelehrsamkeit, noch Vollzug des vedischen Rituals (samnati, nach der krit. Ausgabe) begründen, dass einer zu den Zweimalgeborenen gerechnet wird, sein Lebenswandel allein ist der Grund dafür." Dass es in der Praxis nicht selten anders zuging, ist nicht verwunderlich; der gute Lebenswandel wurde als erbliches Vorrecht ausgegeben. Das ging aber - wenn überhaupt - nur so lange gut, wie eine Staatsmacht das durchzusetzen vermochte. Denn obgleich „Gott auf Erden", war der Brahmane stets ein Abhängiger der Könige (oder der sog. dominanten Kaste); selber König konnte er nicht sein. „Der Unterschied zum Westen, etwa zum kath. Christentum, scheint", wie Dumont (72) zu Recht feststellt, „in der Tatsache zu liegen, dass es in Indien niemals eine geistliche Macht, d.h. eine oberste geistliche Autorität gegeben hat, die gleichzeitig eine weltliche Macht gewesen wäre. Die Suprematie des Geistlichen hat zu keiner Zeit politischen Niederschlag gefunden."

4. Die Kastenordnung ist vermutlich religiösen Ursprungs und sanktioniert durch die heiligen Schriften. Dies heisst jedoch nicht, dass das Heil des Menschen von nichts anderem abhinge. Für das Heil notwendig ist lediglich das menschliche Dasein. Mag der Hinduismus als varnagrama-dharma, als „dem varna und Lebensstadium gemässer Sittenkodex (1)" definiert sein, Heilsbedeutung hat die Kastenordnung nicht (vgl. Hacker, Kleine Schriften 507: „Endgültiges Heil, sei es nun theistisch oder monistisch aufgefasst, ist durch Dharma-Tun nicht erreichbar"). Jedem Menschen, gleich welcher Kaste er angehört und in welchem Lebensstadium er sich befindet, kann das Heil zuteil werden.
Die Kastenordnung ist eine uralte Gesellschaftsform Indiens. Trotz vieler Nachteile hat sie alle Schicksalsschläge, militärische und politische Unruhen überdauert, nicht zuletzt aufgrund ihrer Elastizität. Wäre das System statisch gewesen, hätte es kaum diese Überlebenskraft entwickelt. Christentum und Islam, die seit ihrer Entstehung in Indien heimisch sind, haben sich diesem System eher angepasst, als eine Alternative anzubieten. Die durch das Kastenwesen bedingten Benachteiligungen sind gesetzlich aufgehoben, d.h. jedoch nicht, dass sie auch aus dem praktischen Leben verschwunden sind. Die hinduistische Gesellschaftsordnung hat es keinem Fremden leichtgemacht, in sie Eingang zu finden.

Wenngleich Kastenzugehörigkeit nur durch Geburt vermittelt wurde, so bestand doch immer die Möglichkeit, „Hindu", d. h. Sivait, Visuit oder Anhänger eines anderen hinduistischen Kultes zu werden.
Die Aufgaben der Unterrichtung in vedischen Schriften und die des Priesters beim Vollzug der vedischen Riten war nur den Brahmanen vorbehalten; beim Tempeldienst und bei anderen nichtvedischen Zeremonien war es und ist es heute verstärkt auch Angehörigen anderer Varnas möglich, als Priester zu fungieren. Zu allen Zeiten gab es religiöse Führer, die nicht Brahmanen waren; in den letzten Jahrhunderten hat ihre Zahl eher zugenommen: Svami Vivekananda (1863-1902) und Mahatma Gandhi (1869-1948) waren keine Brahmanen von Geburt.
Der moderne Hinduismus ist nicht gewillt, die grundsätzliche Gebundenheit an Kasten aufrechtzuerhalten. Heute orientiert man sich an Bhavisyapurana Brahmaparva 41.45: „Hat ein Vater Kinder, so ist die Kaste (jati) seiner Kinder die eine. Eines Vaters Kinder sind alle Menschen; wenn dieser Vater eine ist, dann gibt es keine Kastenunterschiede."
 


 

 

Hauptseite

Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung

Beste Bücher online einkaufen

Beste Internetadressen   Multimedia   Kunst   Zukunftsdeutung & Astrologie   Esoterik & New Age   Traumdeutung

Magie & Märchen & Mystik   Grenzwissenschaften   Hexenwesen   Dunkles im Netz   Parapsychologie & Okkultismus etc.

         Religion & Spiritualität   Alte Kulturen   UFO`s & Phänomene   Meditation, Licht, Fortleben

Heilmethoden, -therapien, Wellness   Aus-, Weiterbildung & Organisationen

Esoterisch-spirituelle Lexika   Lexikon der Parapsychologie   Lexikon der Esoterik