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Karma |
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1. Karma (Skt.; P. kamma
= „Tat, Handlung") bedeutet: 2.) In den philosophischen Sanskrit-Schriften ist die Karma-Theorie ausführlich erörtert. Eine unter normalen – d.h. mit zweckvoller Absicht und Leidenschaft – ausgeführte Handlung produziert ein karmisches Residuum, das entweder verdienstlich (dharma) oder nichtverdienstlich (adharma) ist, je nach Qualität der Handlung. Die karmischen Residuen werden von diversen Neigungen (samskara) begleitet und enthalten Spuren (vasana), die in Zukunft reaktiviert werden können. Beim Tod einer Person sammeln sich die nichtaktivierten karmischen Residuen in seinem individuellen Bewusstseinsstoff (citta); dieser geht in einen anderen Körper über. Die karmischen Residuen wirken weiter, indem sie dreierlei bestimmen:
a) die Art
des Körpers (jati, „Geburt", menschlich oder tierisch usw.); c) die generelle Gemütsstimmung (bhoga) der künftigen Erfahrungen (d. h. angenehm oder schmerzhaft).
Bezüglich des Ausreifens dieser Residuen unterscheidet man zwischen solchen, die noch in diesem Leben, und solchen, die erst in einem künftigen Leben zur Ausreifung gelangen.
Bei seiner Geburt ist der Mensch mit drei Arten von Karma ausgestattet:
1) prarabdha („begonnen"), das bereits zu wirken angefangen hat und sich als Schicksal des betreffenden Lebewesens manifestiert;
2) sancita („aufgeschichtet"), das durch frühere Handlungen aufgeschichtet ist und bei gegebenem Anlass in diesem oder einem späteren Leben zur Entfaltung gelangt;
3) agami, vartamana oder kriyamana („kommend, gegenwärtig" oder „im Vollzug"), das sind Handlungen, die in diesem Leben vollzogen werden, deren Ausreifen im normalen Verlauf der Dinge aber einem späteren Leben vorbehalten bleibt.
Bei einem bereits zu Lebzeiten Erlösten
wirkt sich nur das begonnene (prarabdha) Karma aus; die beiden anderen sind
gleichsam mit ihrem Samen verbrannt und so für immer vernichtet. 3. Viel ist über den „mechanischen Automatismus" und den „strengen Determinismus" geschrieben worden. Je tiefer man aber in die Problematik einsteigt, desto deutlicher wird, dass „der Mensch nicht absolut determiniert" ist. In der Bhakti-Frömmigkeit greift der persönliche Gott in das Karma-Geschehen ein und lässt Gnade walten. In der Bhagavadgita sagt Krsna (9.30-31 „Selbst wenn ein arger Bösewicht mich liebt und nichts anderes neben mir, so muss er für gut erachtet werden; denn er ist von rechtem Entschluss. Schnell wird er frommgesinnt und auf ewig der Ruhe teilhaft. 0 Arjuna, erkenne es: wer mich liebt, geht nicht zugrunde." Im Unterschied zum Buddhismus und einigen anderen Traditionen hat die vedische Tradition an der Übertragung (auch an der Abtretung) des Karma festgehalten. In einem Vortrag über M. Webers Interpretation der indischen Theodizee sagt W. D. O'Flaherty (94): „Das Karma ist eine Tatsache für alle Südasiaten. Für Hindus ... handelt es sich dabei um eine gute Tatsache, für Buddhisten ... dagegen um eine schlechte. Für diejenigen, die den Übeln entrinnen wollen, die sie im Leben wahrnehmen, ist Karma ein Ausweg; für diejenigen, die mehr von dem Guten haben wollen, das sie im Leben wahrnehmen, ist Karma ein Weg, um dieses Gute zu erlangen. In beiden Fällen aber wird Karma als ein dramatischer unvorhersagbarer und im wesentlichen unbegreiflicher Prozess aufgefasst, in dem sich emotionalen die Bedürfnisse und Sehnsüchte des einzelnen widerspiegeln." |
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