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Judentum und Christentum |
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Der Anspruch des
Christentums, dass die Heilswegfunktion der Tora im Erlösungswerk Christi
aufgehoben wird, die Kirche aus Juden und Heiden somit „Israel" im Sinne der
heilsgeschichtlichen Bestimmung ist, fand im Judentum wenig positives Echo.
Aus der Enttäuschung und im Zuge wechselseitiger Polemik entstand eine
umfangreiche antijüdische Literatur. Folgenreich war die These, wonach die
„Synagoge" infolge der Ablehnung Christi „unerlöst" in der Knechtschaft der
Sünde verblieb, da diese theologische Theorie im Laufe der Jahrhunderte
mittels der weltlichen christlichen Herrschaft in rechtlich-soziale Realität
umgesetzt wurde, um die unbekehrten Juden als negative Zeugen der Wahrheit
augenfällig präsentieren zu können. Aufklärung und demokratische
Staatsformen haben mit der (nur teilweise geglückten) Emanzipation zwar
entscheidende Veränderungen bewirkt, doch fand der moderne und insbesondere
der rassistische Antisemitismus neue Wege zur Judenverfolgung, dabei
teilweise auch auf traditionelle christliche Argumente und Vorwürfe
zurückgreifend. Aus den Erfahrungen der NS-Zeit zogen die Kirchen nach und
nach auch grundsätzliche Konsequenzen, überdachten kritisch die polemisch
überlagerten herkömmlichen Aussagen und suchten in kirchlichen und
theologischen Formulierungen und Erklärungen eine Neubestimmung des
Verhältnisses. Dies freilich stösst an Grenzen, sofern beiderseits schon die
Selbstdefinition des Christentums oder Judentum angesichts des modernen
Pluralismus Probleme bereitet hat und daher einander häufig theologisch
nicht vergleichbare Gesprächspartner gegenübertreten. Zusätzlich besteht
eine weitgehende Differenz in der Repräsentation und Autorisation der
Gesprächspartner, zumal jüdischerseits mit dem geringeren religiösen
Anspruch an das Christentum auch ein geringeres Interesse am Gespräch
vorhanden ist. Das neue Verhältnis bleibt inhaltlich daher noch recht
konfus, bezeugt aber den Willen zur Vermeidung alter Fehler. Jüdischerseits
besteht auf traditioneller Basis kein theologisches Interesse am
Christentum, es gehört zu den „Weltvölkern", auch wenn Islam und Christentum
seit dem Mittelalter nicht mehr mit den Heiden (der Antike) gleichgewertet
wurden. Das moderne Judentum sieht häufig im Christentum den missionierenden
Arm des Judentum unter den Heiden. Es habe in dieser Funktion neben dem
Judentum eine legitime heilsgeschichtliche Bedeutung, könne jedoch das
Judentum selbst nicht ersetzen oder ablösen. Im Rückblick auf den
„Holocaust" wird von den christlichen Kirchen zudem auch ein politisches
Engagement zugunsten des Zionismus und Israels erwartet. |
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