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Jnana

Von seiner Sanskrit-Wurzel jna her bedeutet Jnana Wissen, Erkenntnis. Als solche ist sie philosophisch zunächst zu unterscheiden von der wahren Erkenntnis (Skt. prama), dass sich fragen lässt, wie aus Erkenntnis (Jnana) wahres Wissen (prama) wird. In der Epistemologie der einzelnen Schulen (Hinduistische Philosophie) erhält Jnana nochmals eigene Nuancen. Wo Jnana aber Schlüsselwort der hinduistischen Soteriologie ist und die heilbringend-befreiende Erkenntnis der Wirklichkeit, wie sie wirklich ist (tattva-jnana), die Erkenntnis des Atman und der absoluten Wirklichkeit des Brahman meint, ist sie selbst das wahre Wissen. Zumal im Advaita-Vedanta ist die Kenntnis des Brahman (brahma-jnana) der Weg zur Befreiung, insofern als erkannt wird, dass die Unwissenheit (avidya) die Trennung, Jnana aber die Einheit bzw. Identität zwischen dem individuellen Selbst (atman) und dem universalen Selbst (brahman) herstellt. Der Weg dieser Erkenntnis ist mit der Meditation verbunden und bedarf der Führung durch den Guru. In der Bhagavad-Gita ist Jnana neben den Wegen des Karma und Bhakti einer der drei Wege zum Heil.
Buddhistisch ist Jnana (P. nana) einmal in Beziehung zu setzen zu vijnana (P. vinnana), das in der Bedeutung von Bewusstsein in der Reflexion auf die Konstitution des Menschen wie des Lebendigen in den Lehren von den 5 Skandha (P. khanda) - dort an 5. Stelle - und von Pratityasamutpada (P. paticca-samuppada) - dort als 3. Glied der Kette - seinen Platz hat und das entscheidende psychische Organ des Erkennens und der subjektiven Wahrnehmung bezeichnet. Als Prajna (P. panna) ist Jnana die Höchstgestalt des Wissens, die vor allem auf dem Weg des Bodhisattva als zehnte und damit höchste Stufe (Skt. bhumi) erreicht wird. Jnana ist im Mahayana-Buddhismus die Höchstform der Erleuchtung, in der die Einheit von Samsara und Nirvana erkannt und die Unterscheidung von Objekt und Subjekt „aufgehoben" ist und zugleich im Sinne der Drei-Körper-Lehre (Trikaya) der Dharma-kaya des Buddha „realisiert" wird. Im Religionsvergleich wird Jnana heute einmal mit den soteriologischen Vorstellungen der Gnosis, sodann aber auch mit den verschiedenen Formen negativer Theologie verglichen.
 


 

 

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