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Jesus - ausserbiblisch

Das ausserchristliche und ausserbiblische Interesse an Jesus ist so alt wie die Kirche. Es gibt eine Geschichte des Widerspruchs und der Zustimmung ausserhalb der Kirche. In der Neuzeit hat sich das Interesse an Jesus - evtl. unter kirchenkritischen Akzenten - eher noch verstärkt.

1. Islam
Im Koran des nachchristlichen Islam kommt Jesus vor. Die Christologie des Koran ist unterschiedlich akzentuiert. Die mekkanischen Suren nennen Jesus ('Isa) weder Wort noch Kind Gottes, wohl aber Knecht Gottes. Als dieser ist er der Muslim, der die Menschen aufruft, Muslime, Gottesknechte, zu werden. Die medinischen Suren wehren die Gottessohnschaft Jesu ab. Jesus ist auch nicht Erlöser der Welt. Bezüglich der Kreuzigung ist Sure 4,157 zu bedenken. Nach R. Farm Übersetzung wurde ein mit Jesus verwechselter Doppelgänger gekreuzigt, nach C. Schedl nur der Leib, nicht aber der Geist-Messias. Allerdings hat die Tradition stets die Kreuzigung Jesu verneint. Die medinischen Suren enthalten auch positive Aussagen über Jesus und sein Verhältnis zu Gott: An ihm ereignet sich das Handeln Gottes, sein Leben ist Werk Gottes, er wird eingereiht innerhalb des Wirkens der Engel. Insgesamt handeln im Koran 15 Suren und 93 Verse von Jesus. Elfmal wird er Messias genannt, 33mal Sohn Marias. Andere Bezeichnungen sind Prophet, Gesandter, Wort der Wahrheit. Wort Gottes ist Jesus nur im Sinne einer Erfüllung des schöpferischen Wortes Gottes im Augenblick seiner Empfängnis oder weil er im Auftrag Gottes sprach. Die Darstellung der Kindheit Jesu erinnert an die apokryphen Evangelien. Eine besondere Auferstehung für Jesus nimmt der Koran nicht an. Am Tag der allg. Auferstehung wird Jesus die Christen anklagen, dass sie ihn als Gott verehrt haben. Die Gottessohnschaft widerspricht dem Verbot einer „Beigesellung" bei Gott. Jesus ist zwar wie die anderen im Koran genannten Propheten (Abraham, Mose, Noach, u. a.) Empfänger der einen göttlichen Offenbarung, aber als der vorletzte Prophet. Siegel der Propheten ist Muhammad. Die Diskussion um die Christologie des Korans muss einerseits deren (juden-christl., nestorianische, monophysitistische?) Quellen bedenken. Andererseits darf nicht übersehen werden, dass islamische Mystik wie Muslime der Gegenwart mit grossem Respekt von Jesus sprechen.

2. Hinduismus
Im (Neo-)Hinduismus geht es nicht um die historische Person Jesu, auch nicht um seine Menschlichkeit, sondern um seine Göttlichkeit. Er erscheint als ein Mittler in die wahre Wirklichkeit. Für Ram Mohan Roy (gest. 1833) ist Jesus Führer zu Frieden und Glück. Für Keshab Chandra Sen (gest. 1884) ist Jesus, ein Asiate, Mensch geworden, um das Göttliche im Mensch wieder aufzurichten. Für Vivekananda (gest. 1902), den Begründer der Rama-Krishna-Mission, ist Jesus eine Inkarnation Gottes, ein Avatara, eine göttliche Erscheinungs- und Herabkunftsgestalt neben vielen anderen. Für Mahatma Gandhi (gest. 1948) ist Christus eine Titulatur, die die Gegenwart Gottes ausdrückt (wie Krishna oder Rama). In der unschuldig geduldeten Gewaltlosigkeit ist Jesus ein Fürst. Für S. Radhakrishnan (gest. 1978) ist Jesus ein Avatara, unter welchem Begriff auch das Aufsteigen des Menschen zu seiner Göttlichkeit gefasst ist. Spiritualität und Gewaltlosigkeit Jesu stammen aus Indien, vor allem von Buddha.

Buddhismus
Auch im Buddhismus ist die historische Gestalt Jesu nur von untergeordneter Bedeutung (wie ja auch der historische Buddha). Einerseits versuchen Buddhisten die Überlegenheit des Buddhismus aufzuzeigen am Widerspruch zwischen dem (unerträglichen) gekreuzigten Christus zum Zärtlichkeit ausstrahlenden Bodhisattva (D. T. Suzuki). Anderseits gibt es im Mahayana-Buddhismus Versuche, Jesus als Bodhisattva anzusprechen. Die japanische Kyoto-Philosophie bedenkt darüber hinaus den Zusammenhang der christlichen Lehre von der Entäusserung Christi mit der buddhistischen Nicht-selbst-Ich-Lehre (K. Nis tani).

4. Unterschiedliche Gruppen und Richtungen
Neben diesen ausschristlichen Deutungen Jesu sind noch andere zu nennen. Jesus ist aktuell für unterschiedliche Gruppen und Richtungen. Marxisten sind hier zu nennen wie R. Garau, E. Bloch, V. Gardavsk-fr, M. Machov L. Kolakowski, Philosophen wie P. Sartre, A. Camus oder K. Jaspers. Es gibt den Jesus in der Literatur (von E. Kästner zu P. Handke), den Jesus der tiefenpsychologischen Deutung im Gefolge von S. Freud oder von C. G. Jung her oder bei E. Fromm. Eine solche auch ausser- oder antichristlich sich verstehende Jesus-Deutung darf nicht von vornherein als negativ qualifiziert werden. Im Rahmen einer christlich-theologischen Argumentation kann sie als „Christologie von aussen" bezeichnet werden. Sie gibt Verstehens- und Erfahrungszugänge zu Jesus, lässt die Menschlichkeit Jesu erahnen und zwingt dazu, Jesus als den Spiegel darzustellen, in dem jeder sich sehen kann, wie er ist und sein könnte. Nicht zuletzt ist die Inspiration, die Jesus vielen ausserhalb der Kirche gibt, ein Indiz dafür, dass die Menschen Gott nicht loslassen können, weil Gott die Menschen nicht loslässt. Reine „Christologie von oben" beschränkt sich allzu leicht darauf, zu sagen, Jesus sei, was er bedeute. „Christologie von aussen" weist daraufhin, dass Jesus derjenige ist, der sich als Mensch zum Raum radikaler Mitmenschlichkeit macht und darin als Gott erweist. Die Erfahrungen, die Menschen mit ihrem Menschsein und mit dem Menschen Jesus machen, sind spekulativ in die Christologie einzubringen. Andererseits sollte nicht einfach von „Jesulogie" nichtkirchlicher Jesus-Deutung gesprochen werden, da das Interesse an Jesus das Biographisch-Historische übersteigt.
 


 

 

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