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Jerusalem - jüdisch

David macht die Jebusiterstadt Jerusalem (hebräisch Y'rushalayim; aramäisch Y'rushlem) um 1000 v. u. Z. zum politischen und religiösen Zentrum seines Reiches; Salomo errichtet auf dem Zion den Tempel Jahwes. Im Jahre 586 zerstören die Babylonier die Stadt und verschleppen die Oberschicht der Einwohner. Diese kehren ab 538 teilweise aus dem babylonischen Exil zurück und erbauen wieder Stadt und Tempel (Esra 1-7 und Neh 1-4: Kultzentralisation). Gegen den Hellenisierungszwang der Seleukiden (Antiochus IV. Epiphanes) leisten die Makkabäer erfolgreich Widerstand (14.12.164: Tempelweihe). Ab 63 römische Herrschaft; unter dem idumäischen Usurpator Herodes den Grossen Tempelausbau und Stadtbefestigung. Zerstörung Jerusalems durch die Römer (70 u. Z.) sowie nach der Niederschlagung des Bar Kochba-Aufstandes (135 Fall Betars) die Umwandlung Jerusalems in die römische Kolonie Aelia Capitolina. In ihr darf nunmehr nur bleiben, wer sich nicht auf jüdische Weise mit der vom Tempel verbürgten Heiligkeit der Stadt identifiziert. Ab 638 unter islamischer Oberhoheit. Von 1517 bis 1917 unter türkischer Herrschaft, an die sich bis zum 14.5.1948 britische Besetzung und Mandatszeit anschliessen. Seit Dezember 1949 Hauptstadt des Staates Israel. Bis zum „Sechstagekrieg" (Eroberung der Altstadt am 8.6.1967, offizielle Wiedervereinigung am 28.6.1967) bleiben der Ostteil und die Altstadt durch Jordanien besetzt.
Jerusalem kommt im gesamten jüdischen Glauben zentrale Bedeutung zu, die im Kontext der heilsgeschichtlichen Kategorien Gott, Bund, Volk, Land und Hoffnung zu sehen ist. Im Tanach sprechen zahlreiche Psalmen eine solche heilsgeschichtliche Jerusalem-Theologie aus (u.a. Ps 48; 50; 76; 84; 87; 102; 122; 147). Jerusalem erhält auch die Bezeichnung „Zion" (z. B. Jes 2,3; 33,14; 40,9; 46,13; Joe 3,5; Mi 4,2) oder „Tochter Zion" (z. B. Jes 1,8 ; 62,11; Sach 9, 9).
Auch nach der Zerstörung des 2. Tempels, von dem ein Teil der westlichen Stützmauer des Tempelberges erhalten ist (die „Westmauer": ha-Kotel ha-Ma'aravi), betonen Halakha und Haggada die Heiligkeit Jerusalems. Pilgerfahrten und Einwanderungen zeugen von der Lebensrelevanz der Stadt. Das irdische kann dem oberen Jerusalem derart gegenübergestellt werden, wie es in den Worten des R. Jobanan überliefert wird: „Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Ich komme nicht eher in das obere Jerusalem, als bis ich in das untere Jerusalem gekommen bin". Die Halakha misst Jerusalem besondere Heiligkeit zu. Viele Vorschriften zielen darauf ab, alles das von Jerusalem fernzuhalten, was zu (ritueller) Verunreinigung führt. Besonders in der Diasporasituation seit dem Jahre 70 gibt Jerusalem die zentrale Gebetsrichtung an.
In der Haggada beziehen sich zahlreiche Aussagen auf Jerusalem, und zwar in geschichtlicher, metageschichtlicher und in idealtypischer Sicht. So wird Jerusalems Schönheit gerühmt, ist Jerusalem der Sieg, das Heiligtum die Schönheit. Von Zion aus - näherhin dem Tempelfelsen ('even ha-Shetiyyah, mit Moriah gleichgesetzt) - wird die Welt erschaffen und auch vollendet. In bBB 75b finden sich Aussagen über die vollendete Gestalt des künftigen Jerusalem.
In der synagogalen Dichtung, dem Piyyut, in Kunst und Literatur wie auch in den mystischen Spekulationen der Kabbalah erhält die Stadt sehr grosse Relevanz. Von den Gebetstexten bezieht sich insbesondere die 14. Bitte des „She-moneh 'asreh" auf Jerusalem: „Nach deiner Stadt Jeruschalaim kehre in Erbarmen zurück, wohne in ihr, wie du gesprochen, erbaue sie bald in unseren Tagen als ewigen Bau, und Davids Thron gründe schnell in ihr. Gelobt seist du, Ewiger, der du Jeruschalaim erbaust." Ebenso hervorgehoben wird Jerusalem im Abend- und Morgengebet wie auch in der Pessach-Haggada mit ihrem Wunsch „Das kommende Jahr in Jerusalem!" bzw. - wenn in Jerusalem gesprochen - „im wiederaufgebauten Jerusalem!" Die israelische Nationalhymne spricht ihre Hoffnung dahin aus, „dass ein freies Volk in unserem Land wir wieder werden, in Zions, Jerusalems Land." Diese Zionsliebe und -sehnsucht verbindet die Epochen jüdischer Geschichte miteinander: Jerusalem ist lebendiges Symbol für jüdische Existenz.
 


 

 

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