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Jerusalem ist unlösbar
mit Person und Werk Jesu verbunden: Letztes Mahl, Kreuzigung, Auferweckung,
Geistsendung. Jerusalem bleibt daher für die Christen die heilige Stadt mit
zahlreichen heiligen Stätten. Lukas stellt Jerusalem in seinem Evangelium
und in der Apostelgeschichte als Zentrum der Heilsereignisse dar. Bereits
vor ihm verwendet Paulus in Gal 4, 26 das jüdisch-apokalyptische Bild vom
„oberen Jerusalem" (hebr. Yerushalayim shal ma 'Iah), um den mit Jesus
Christus angebrochenen Äon zu verkünden. Dieses „obere Jerusalem "
entspricht der Sphäre des erhöhten Herrn; als die Mutter aller Juden- und
Heidenchristen ragt es in die christliche Gemeinde hinein, ohne jedoch mit
ihr identisch zu sein (werdende Gottesherrschaft durch werdende
Christusherrschaft). Da nach der Intention des Paulus Gal 4,21-31 von den
späteren Aussagen in Röm 11,12-32 her zu verstehen ist und sich der
Heidenapostel im Galaterbrief primär nicht gegen Juden, sondern gegen
judaisierende Christen wendet, muss eine antijüdische Deutung dieser
Typologie ausgeschlossen werden (zu „himmlisches/hl. Jerusalem ": Hebr
12,22; Offb 14,1 und 29,9-27).
Aufgrund der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 wie auch wegen unerfüllter
Naherwartung der „Wiederkunft" Christi wird in der christlichen Theologie
nach und nach das hellenisch-spiritualisierte Jerusalem-Bild dominant, und
zwar mit antijüdischer Ausprägung. Massgeblich wird so das
entterritorialisierte, ideale Jerusalem. Bei Origenes findet sich diese
Interpretation mehrfach, deutlich auch Hilarius v. Poitiers (Tract. in Ps.
121) auch bei Ambrosius (Expos. in Luc. 7,' und Augustinus (z. B. In Ps.
9,12). In dieser Typologie wird die Kirche in platonisierender Weise als
Abbild (also in Differenz und Identität) des „himmlischen Jerusalem“
interpretiert, verbunden mit der antijüdischen Polemik in der Deutung der
Tempelzerstörung.
Nach der Konstantinischen Wende setzt von christlicher Seite in Jerusalem
eine rege Bautätigkeit ein, u. a. initiiert durch die Kaisermutter Helena
(Jerusalem-Besuch 326). Da bekunden die Christen den Anspruch nunmehr die
wahren Erben Jerusalems zu sein. In zahlreichen Pilgerreisen suchen sie an
den heiligen Stätten die Ursprünge ihres Glaubens wie auch die Zeugnisse der
biblischen Heilsgeschichte. Andererseits lehnen wichtige Stimmen (u. a.
Gregor v. Nyssa und Hieronymus) unter Hinweis auf das ideale, „himmlische"
Jerusalem solche Fahrten ab. Die christliche Haltung zeigt also eine
Ambivalenz.
Infolge der arabischen Eroberung Jerusalems (ca. 63 erlangen verschiedene
islamische Dynastien Herrschaft über die Stadt. Die christlichen Ritter des
I. Kreuzzuges richten 1099 bei der Eroberung Jerusalems ein Massaker unter
dem muslimischen und jüdischen Einwohnern an. Mit dem christlichen
„Königreich Jerusalem" ist eine Episode florierender Ökonomie verbunden.
1187 wird die Stadt von Sultan Saladin erobert. Nach dem Ende der
Kreuzfahrerzeit sehen die Christen Jerusalem wieder primär als geistige,
idealisierte Grösse ablesbar an den Zions- und Jerusalem-Liedern des
Mittelalters, wie z. B. der Hymne „Caelestis urbs Ierusalem" (später im
Stundengebet zum Kirchweihfest). Seit der Reformation im 16. Jh. kommen
Christen verstärkt mit biblischem und archäologischem Interesse nach
Jerusalem Im 19. und frühen 20. Jh. errichten die Kolonialmächte kirchliche
und karitative Institutionen sowie Konsulate in der Stadt, um hier ihre
Präsenz zu zeigen. Am 25.1.1904 lehnt Papst Pius X. gegenüber Th. Herzl aus
„theologischen" Gründen eine Rückkehr der Juden nach Jerusalem (und in einen
jüdischen Staat) radikal ab.
Erst durch den Staat Israel und insbesondere aufgrund der Wiedervereinigung
Jerusalems (1967) ist die Freiheit der Religionsausübung sowie der
ungehinderte Zugang zu allen heiligen Stätten garantiert (Gesetz zum Schutz
der Heiligen Stätten, 27.6.1967, und Jerusalem-Gesetz, 30.7.1980). Die
zahlreichen christlichen Kirchen und Denominationen wie auch alle anderen
Religionen in Jerusalem profitieren von dieser Rechtssicherheit, so dass
sich jede Art von Forderung einer „Internationalisierung Jerusalems" als
haltlos erweist. Papst Johannes Paul II. spricht in seinem „Apostolischen
Schreiben über die Stadt Jerusalem" (20.4. 1984) die christliche
Wertschätzung der Stadt u. a. so aus : Jerusalem ist „als der Ort, wo nach
dem Glauben die unendliche Transzendenz Gottes und das Erschaffene
zusammenkommen, das Symbol des Zusammentretens und der friedlichen
Verbindung der gesamten Menschenfamilie." Es gehört zur (ökumenischen)
Aufgabe aller Christen, zur Verwirklichung dieser Hoffnung beizutragen.
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