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Israel

1. Die Bedeutung des Namens ist nicht sicher. Die Volksetymologie in Gen 32,29 ist nicht haltbar. Am wahrscheinlichsten sind „(der Gott) El herrscht“ oder „El kämpft". Im Alten Testament umfasst das Wort drei Bedeutungsbereiche: wie Ugarit kann es Name einer Einzelperson sein, so vor allem in der Genesis der „Erzvater Israels"; sodann kann es auch als Name des Landes begegnen, „aeraes I."; zumeist aber wird es zur Bezeichnung eines (von diesem Erzvater abstammenden) Kollektivs, der „Söhne Israels", des „Volkes Israels" verwendet.

2. Der älteste Beleg findet sich auf einer Stele des Pharao Merneptah (um 12 v. Chr.). Bis vor etwa 20 Jahren genoss die These nahezu allg. Anerkennung, dass dieses frühe Israel ein aus 12 Stämmen - mit jeweils eigener, z.T. nomadischer Vorgeschichte - bestehender Stämmeverband war, der nach und nach in das Land Kanaan eindrang und sich nach Analogie zu griechischen Städten in einer Amphiktyonie organisierte: mit einem gemeinsamen Kult für Jahwe, den Gott Israels, an einem turnusmässig wechselnden Zentralheiligtum; mit einem gesamtisraelitischen Kultgegenstand, der Lade; mit einem (apodiktischen) Bundesrecht; mit Stämme übergreifenden Richterämtern; mit gemeinsamen Aktionen zur Sanktionierung von Rechtsbrüchen; Kriegsführung aber war Sache des jeweils bedrohten Stammes. Die Amphiktyonie-Hypothese ist gegenwärtig mehrfach bestritten worden, ohne dass an ihre Stelle eine überzeugende neue Sicht getreten wäre. Wo sich nicht radikale historische Skepsis eingestellt hat, werden Vorstellungen von Israel als akephaler, segmentärer Gesellschaft, als Eidgenossenschaft oder als regulierter Anarchie diskutiert.

3. Mit der Entstehung des vereinigten Königtums um 1000 v.Chr. wird der Begriff zur politischen Selbstbezeichnung des selbständigen Staates. Nach dem Zerfall des davidisch-salomonischen Grossreiches Israel bei der Reichsteilung 926 haftet der Name (im Unterschied zu Jerusalem-Juda) am Nordreich. Nach dessen Untergang 722 wandert er ins Südreich. In der Verkündigung der vorexilischen Schriftpropheten ist nicht immer deutlich erkennbar, wer mit Israel gemeint ist, das Nord- oder das Südreich oder das Ganze.

4. Schon in der Königszeit wird aber der Gedanke eines „Restes" von Israel geboren, der nach dem radikalen Gericht Gottes als „wahres Israel" vielleicht übrigbleibt (z. B. Am 5,3 f.15; Jes 1,8 f.; 6,13 und den Symbolnamen des Jesaja-Sohnes „Ein Rest kehrt um" in Jes 7,3). Wer dieser Rest sei, ist nach dem Gericht (in Gestalt der Beendigung der Eigenstaatlichkeit 586) umstritten: die durch das Exil geläuterte babyl. Gola (Jer 24; Neh 1,3) oder die in Jerusalem Zurückgebliebenen (Zef 3,12 f.).

5. Nach dem Verlust der staatlichen Selbständigkeit wird Israel zur Selbstbezeichnung der Gemeinde der Jahwe-Verehrer als des auserwählten Gottesvolkes. (Die politische Provinz trägt den Namen Jehud.) Den Ehrentitel machen sich im zersplitterten Frühjudentum mehrere Gruppen streitig: Gegen die theokratische, durch Abstammung und Gesetzesobservanz legitimierte Jerusalemer Tempelgemeinde erwarten einerseits eschatologische Kreise erst für die Zukunft ein neues, wahres Israel, beanspruchen andererseits die Samritaner den Titel für sich (vgl. indirekt die Polemik 2 Chr 13, 4 ff.); später reklamieren ihn die antihellenischen Makkabäer für sich, aber auch die Qumran-Gemeinde (1 QS 8,1 ff.; CD 1,4 ff.), noch später das sich unter pharisäischer Führung nach dem Untergang des Tempels 70 n.Chr. neu organisierende rabbinische Judentum wie auch die Christen-Gemeinde.

6. Entscheidend für die (bleibende) Zugehörigkeit zum Gottesvolk ist nach neutestamentlicher Auffassung nicht die Abstammung oder der Gesetzesgehorsam, sondern allein der Glaube an Jesus Christus. Im Gegensatz zu dem „Israel nach dem Fleische" (1 Kor 10,18) versteht sich die junge Christenheit aus Juden und Heiden als „das Israel Gottes" (Gal 6,16). Der im Neuen Testament meist vorsichtig ausgesprochene, aber doch deutliche Gedanke einer Substituierung des alten Gottesvolkes der Juden durch das wahre Israel der Christusgläubigen, wurde in der frühen Kirche breit ausgebaut und ist fester Bestandteil der kirchlichen Tradition, an der allein im jüdisch-christlichen Dialog unserer Tage theologische Sachkritik geübt wird.
Auch innerhalb des gegenwärtigen Judentums selbst ist der Begriff Israel umstritten: Wie verhält sich der 1948 neu gegründete Staat Israel zu der religiösen Grösse Israel? In welchem Masse muss das Gesetz - etwa die Sabbatruhe - eingehalten werden? Welchen Status sollen die zahlreichen nicht-jüdischen Bewohner Israels haben? Eine Verfassung existiert wegen der Probleme der Selbstdefinition noch nicht.
 


 

 

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