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Islam - Selbstverständnis

Der Muslim glaubt, dass Gott mehrfach durch Propheten und zuletzt durch Muhammad gesprochen und den Menschen mitgeteilt hat, was sie tun und glauben sollen. Diese Offenbarung liegt nach islamischer Überzeugung unverfälscht in schriftlicher Form in den 114 Abschnitten (Suren) des Koran, des heiligen Buches der Muslime, in arabischer Sprache vor, weshalb es keine weiteren Propheten mehr geben wird (daher auch die Ablehnung der Baha’i-Religion (Baha’ismus). Als Verfasser des Koran sehen die Muslime Gott allein, ja das göttlich schöne Arabisch des Koran ist ihnen Beweis dafür, dass dieses Wort nicht Menschenwerk, sondern wahrhaft Gottes Wort ist.
Juden und Christen sind nach islamischer Auffassung als „Schriftbesitzer" nicht unwissend wie die Heiden, doch haben ihre Schriften Mängel, die erst durch den Koran vollständig beseitigt sind. Dem entspricht eine gewisse Sonderbehandlung der „Schriftbesitzer" (dhimmi-Status) im Unterschied zu den Heiden, was durch den Koran bereits nahegelegt und im islamischen Recht näher ausgeführt wird.
Die göttliche Offenbarung beinhaltet, dass es nur einen einzigen Gott gibt, der Schöpfer und Herr der Welt ist, die Menschen dereinst richten wird, die einen ins Paradies kommen lässt, andere dagegen in die Hölle schicken wird. Um Gottes Willen zu erfüllen, sind das uneingeschränkte Bekenntnis des einen Gottes und die Einhaltung der Gebote unerlässlich. Dem Muslim ist seine Religion gewöhnlich so selbstverständlich, dass er sich gar nicht vorstellen kann, weshalb sie anderen Menschen nicht in gleicher Weise evident vorkommt. Er erklärt sich diese fehlende Einsicht bei den anderen meist damit, dass entweder Fehlinformationen oder böse Absichten der Annahme des Islam im Wege stehen. Um den Fehlinformationen entgegenzuwirken, gibt es heute eine Fülle von Informationsmaterial islamischer Provenienz.
Diese Informationsliteratur stellt den Islam meist recht einheitlich dar und erwähnt selten eine de facto konstatierbare Vielfalt religiöser Richtungen und Ausdrucksformen. Denn neben den unter II. erwähnten Richtungen und den in den Handbüchern vorgestellten idealen Verhaltensweisen im Sinne des Religionsgesetzes gibt es zahllose lokale Praktiken und eine Fülle von Formen der sog. Volksfrömmigkeit (z. B. Tragen von Amuletten).
Hinzu kommt, dass immer wieder islamische Mystiker (Sufis) betont haben, dass die Erfüllung des Religionsgesetzes (Shari’a) lediglich die Aussenseite wahrer Religiosität darstelle, dass es demgegenüber aber auf die Erfahrung der Innenseite (batin) ankomme.
Mit Blick auf die Auseinandersetzung mit der modernen Welt und ihren Lebensformen lassen sich inzwischen auch Unterschiede im Umgang mit der normativ zu verstehenden Tradition feststellen. Hierbei kann man vielleicht vier Grundausrichtungen unterscheiden:

1. die, die im Stile Atatürks (gest. 1938) auf eine Trennung von Religion und staatlicher Gesetzgebung hinarbeiten;

2. die, die wie Ayatollah Khomeini und andere Verfechter der islamischen Revolution im Iran von 1978/79 auf die Wiedereinführung der vollständigen shari’a aus dem islamischen Mittelalter drängen;

3. die, die wie die Muslimbrüder in Ägypten und Syrien verlangen, dass der Koran voll angewandt, auf nicht-koranisches Späteres jedoch verzichtet wird;

4. die kleine Zahl derer, die selbst innerhalb des Koran eine Scheidung zwischen historisch und sozial Bedingtem und der wahren Offenbarung durchführen wollen und sich nur letzterer verpflichtet fühlen.
Welche dieser Richtungen letztlich die massgebliche sein wird, muss die Zukunft zeigen.
Alle Muslime stimmen darin überein, dass zum Islam die Verwirklichung dieser Prinzipien gehört: das auf Muhammads Verkündigung fussende monotheistische Bekenntnis, das tägliche Gebet, die Almosensteuer (Zakat), das Fasten im Fastenmonat Ramadan und wenigstens einmal im Leben die Wallfahrt nach Mekka während des Wallfahrtsmonats. Dazu kommt noch für viele der Djihad, eine besondere „Anstrengung" zur Rettung bzw. Verbreitung des Herrschaftsbereiches des Islam, was klassisch militärische Aktionen (Heiliger Krieg) durchaus mit einschliessen kann.
 


 

 

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