eso-shopping Partnerprogramm
 
Web sphinx-suche.de
Moviestreaming, filmdownloads etc..  Bücher
Religionen
A-Ani   Ant-Az   B-Bo  Br-C   D-Ep  Er-Fe   Fr-Gl   Gn-Gz   H-He   He-Hz   IJ   K
 L-Men  Mes-N   OPQ   R  S-Schu   Schu-Sz  Ta-Ti   To-Tz   U-Z
 

Inkulturation

1. Begrifflich
Der relativ junge, in der Missiologie beheimatete, aber dann auch kultursoziologisch zu verstehende Begriff hat schon deshalb noch nicht die volle Schärfe erlangt, weil er sich noch nicht hinreichend gegen bislang gebräuchlichere Begriffe wie Adaptation, Akkommodation, Indigenisation, Anpassung u. ä. durchgesetzt bzw. von ihnen abgesetzt hat. Nicht selten wird er auch mit ähnlich lautenden Begriffen wie Akkulturation (= der Wandlungsprozess, der durch die unmittelbaren Kontakte von aus unterschiedlichen Kulturen stammenden Menschen(gruppen) ausgelöst wird) oder Enkulturation (= der Prozess, in dem ein Individuum in seine eigene Kultur hineinwächst) verwechselt. Demgegenüber soll Inkulturation christlich-missiologisch den Prozess bezeichnen, in dem die Botschaft bzw. die Wirklichkeit des Evangeliums Jesu Christi in den verschiedenen Kulturen und Religionen der Erde Wurzeln fasst. Dem zeitorientierten Begriff des „aggiornamento" fügt Inkulturation die Raumorientierung mit allen Konsequenzen hinzu, so dass der mit ihm gemeinte Vorgang grundsätzlich alle Kulturräume der Welt betrifft, sowohl solche, denen das Christentum auch heute noch als Fremdkörper gegenübersteht, wie auch jene, in denen es zwar seit langem ein kulturbestimmender Faktor ist, aufgrund der gesellschaftlichen Wandlungsprozesse aber immer neuer Einwurzelung bedarf. Der im Hinblick auf das Verhältnis von Christentum und Kulturen gebrauchte Begriff lässt sich aber dann kultursoziologisch auf die entsprechenden zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen sich abspielenden Prozesse und Phänomene übertragen.

2. Geschichtlich
Insofern als der heutige Kulturbegriff neuzeitlichen Ursprungs ist, der Verlust seines Normcharakters aber dann auf den dem 20. Jh. eigentümlichen, auf der Erfahrung des Kulturpluralismus beruhenden Kulturschock zurückgeht, stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Christentum und Kultur im besonderen, Religionen und Kultur im allgemeinen ausdrücklich erst in unserer Zeit. In diesem Sinne nennt „Evangelii nuntiandi" (20) den Bruch zwischen Evangelium und Kultur „das Drama unserer Zeitepoche". Rückblickend lassen sich unter Berücksichtigung der heutigen Kulturerfahrung drei Epochen der Christentumsgeschichte unterscheiden:

a) Die Entstehung des Christentums als Universalreligion durch die bewusst vollzogene Herauslösung aus dem jüdischen Kulturverbund: Durch diese Loslösung wurden einerseits Freiräume geschaffen für die Verkündigungs- und Kultsprache, die kirchlichen Strukturen, die Übernahme fremdreligiöser bzw. nichtreligiöser Symbolik und Terminologien. Andererseits ergab sich in dieser Zeit zugleich die Situation kultureller Unbehaustheit bzw. des Lebens in der Fremde.

b) Die Periode, in der das Christentum selbst in die Rolle eines Kulturproduzenten hineinwuchs: Vorbereitet durch die Symbiose von theologischer Reflexion und griechischer Philosophie und deren Religionskritik sowie die Übernahme römischer Lebens- und Rechtsstrukturen, ferner begünstigt durch die Tatsache, dass das Christentum in Zentraleuropa auf kulturell-literarisch nicht dem Reflexionsstand des Mittelmeerraums entsprechende Stammeskulturen traf, entstand die europäische Kultur, die in der Folgezeit als eine Verbindung von jüdisch-christlicher Religiosität und griechischer Rationalität beschrieben wird. Das Gesetz der Überformung bei gleichzeitiger Unterdrückung vorhandener Kulturen bestimmte weithin auch die neuzeitliche Eroberung Nord-, teilweise Mittel- und Südamerikas sowie Afrikas. Der europäische Kolonialismus scheiterte in Zentralasien, in China und Japan, aber letztlich auch in Indien. Seine Grenzen zeigen sich auch im heutigen Afrika. Da das Christentum den entscheidenden religiösen Faktor der europäischen Kultur bildet, verlief seine Expansion parallel zum politisch-kulturellen Einfluss der Kolonialmächte, sieht es sich aber heute auch in die Krise der Eurozentrik hineingezogen.

c) Die mit der Beendigung des europäischen Kolonialismus markierte Epoche der kulturellen Polyzentrik: Sie verwirklicht sich einmal im Ringen der 3. und 4. Welt um politisch-wirtschaftliche Unabhängigkeit gegenüber den antagonistischen Systemen der 1. und 2. Welt, sodann in der bewussten Rückbesinnung auf die verlorenen nationalen und kulturellen Identitäten, schliesslich, damit verbunden, im Neuaufbruch unterdrückter einheimischer Religionen bzw. in bewusster Hinkehr zu den Religionen des eigenen Kulturraumes. Diese exemplarisch umfassend in Afrika zu beobachtende Situation findet starke Unterstützung durch jene asiatischen Staaten, die selbst in der Zeit des europäischen Kulturimperialismus ihre eigene Identität kulturell und religiös bewahren konnten. Nicht zuletzt unter asiatischem Einfluss wird sich Europa heute seiner eigenen kulturellen Relativität bewusst, wird aber konsequenterweise auch das europäische Christentum in den Relativierungsprozess einbezogen.

3. Aktuelle Fragen
Die Situierung des Christentums in einer kulturell polyzentrischen Welt stellt das Christentum wie nie zuvor vor den selbsterhobenen Anspruch, Weltreligion zu sein (Absolutheitsanspruch) und als solche in allen Kulturen das Evangelium zu verkünden und zu verwirklichen. Dabei gilt: „Das Evangelium und somit die Evangelisierung identifizieren sich ... nicht mit der Kultur und sind unabhängig gegenüber allen Kulturen. Dennoch wird das Reich, das das Evangelium verkündet, von Menschen gelebt, die zutiefst an eine Kultur gebunden sind ... Unabhängig zwar gegenüber den Kulturen, sind Evangelium und Evangelisierung jedoch nicht notwendig unvereinbar mit ihnen, sondern fähig, sie alle zu durchdringen, ohne sich einer von ihnen zu unterwerfen".
Konsequenterweise lässt die Erfahrung eines kulturellen Pluralismus einerseits und die Unterscheidung von Christentum und Kultur andererseits

a) nach einem allen Kulturen gemeinsamen Kulturbegriff fragen, dem gegenüber der neuzeitlich-abendländische Begriff von Kultur zwar einen heuristisch-analytischen Wert, aber nicht mehr eine normative Bedeutung besitzen kann.

b) Nun gehört, auch wenn das Bewusstsein für die enge Verbindung von Kultur und Kult im Abendland weithin verlorengegangen ist und dafür die Momente ergologisch-soziativer Sinngestaltung historischer Wandel stärker hervortreten, die Religion nach wie vor zu den mit der Kultur gegebenen Elementen. Darum erfordert die Beschäftigung mit den Kulturen stets eine genaue Bestimmung des Stellenwertes der Religion bzw. der Religionen in den einzelnen Kulturen. In dem Masse, als die Religion das eigentliche Substrat einer Kultur bildet, müsste die Inkulturation nach A. Pieris genauer „Inreligionisation" werden.

c) Die Verhältnisbestimmung von Kultur und Religion besagt für das Christentum selbst, dass es einer Kultur stets in kultureller Vermittlung begegnet. Inkulturation kann christlich folglich nicht als Begegnung zwischen einem kulturlosen reinen Christentum und religionslosen „reinen Kulturen“ verstanden werden, sondern setzt die Möglichkeit einer dialogisch-kritischen Kommunikation zwischen verschieden Kulturen voraus, in der den Religionen von deren Selbstverständnis her die fundamental diagnostisch-unterscheidende wie therapeutisch-heilende Grundfunktion zukommt. Da im Anspruch der umfassenden Heilsvermittlung die Religionen das Herzstück der Kulturen bilden, begegnet das Christentum in jeder wahren Inkulturation dem in einer Kultur wirksamen Religiösen, damit zugleich jenen geistlichen und sittlichen Gütern und jenen so kulturellen Werten, die es im Sinne des Evangeliums anzuerkennen, zu wahren und zu fördern gilt.

d) aus dem umfassenden Heilsanspruch des Evangeliums heraus ergibt sich, dass die Inkulturation weder in die Dichotomie von Diesseits und Jenseits noch von Geist und Materie verkürzt werden darf, sondern die konkrete Welt und ihre Geschichte mit ihren Todesgrenzen betreffen muss. Christlich muss die Inkulturation aber auch das nichtchristliche Fremde in seiner Werthaftigkeit ernst nehmen und alle Menschen in ihrer freien Subjekthaftigkeit fördern. Dialog, Kooperation, Solidarität u. ä. sind da, wo das Christentum im Abendland zum Kulturproduzenten geworden ist, grundlegende Momente einer in Freiheit sich entfaltenden Menschlichkeit, die das Christentum deshalb auch in sich selbst dort zu verwirklichen hat, wo es mit seiner Botschaft alle Menschen in ihren konkreten geschichtlichen Kontexten zu erreichen und die universale Heilsbotschaft Christi zu vermitteln sucht. Dabei kann es sich konkurrierenden Inkulturations-Versuchen anderer Heilsangebote und -systeme in Gelassenheit stellen.
 


 

 

Hauptseite

Studienlehrgang über Träume und Traumdeutung

Beste Bücher online einkaufen

Beste Internetadressen   Multimedia   Kunst   Zukunftsdeutung & Astrologie   Esoterik & New Age   Traumdeutung

Magie & Märchen & Mystik   Grenzwissenschaften   Hexenwesen   Dunkles im Netz   Parapsychologie & Okkultismus etc.

         Religion & Spiritualität   Alte Kulturen   UFO`s & Phänomene   Meditation, Licht, Fortleben

Heilmethoden, -therapien, Wellness   Aus-, Weiterbildung & Organisationen

Esoterisch-spirituelle Lexika   Lexikon der Parapsychologie   Lexikon der Esoterik