|
I.
Allgemein-religionswissenschaftlich
(Fleischwerdung) bezeichnet das Eingehen eines göttlichen Wesens in einen
menschlichen Körper. Zu den zahlreichen avataras (Erscheinungsformen) des
indischen Gottes Vishnu gehören auch die beiden Helden Rama und Krishna. In
Verbindung mit dem geschichtlichen Königtum verweist die Inkarnation auf den
göttlichen Ursprung der Herrschaft, indem der König wie bei den Inka und
Kelten-Königen entweder als Vertretung der menschgewordenen, auf Erden
weilenden Gottheit verehrt wurde oder als Gottessohn galt (Tenno,
Pharaonen). Religionsstifter werden gelegentlich als Inkarnationen eines
Gottes betrachtet (Kalif al-Hakim bei den Drusen, Nichiren in Japan als
Inkarnation Buddhas). Im Lamaismus ist das Dogma der Einkörperung des
Göttlichen von zentraler Bedeutung.
II. Christlich
Inkarnation ist einer der zentralen Termini des Christentums und besagt die
Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazaret. Christus, der ewige Logos Gottes,
hat in der hypostatischen Union - wie sie auf dem Konzil von Chalkedon 451
definiert wurde (Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch, DS
301-303) - die menschliche Natur in ihrem ganzen Umfang angenommen. Im Neuen
Testament kommt dieses Geheimnis in Joh 1,14 zum Ausdruck: „Und das Wort ist
Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt". Die Inkarnation darf nicht
isoliert betrachtet werden; erst im Licht von Jesu Tod und Auferstehung als
dem eschatologischen Heilsereignis erschliesst sich ihre tiefe Bedeutung.
Die neutestamentlichen „Kindheitsgeschichten" (Mt 1-2,3; Lk 1,5 - 2,52), die
u. a. von der Verkündigung an Maria durch den Engel Gottes und der Geburt
Jesu berichten, geben Zeugnis von Ursprung Jesu in Gott.
|