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Initiation

Die Initiation wird im allg. als Übergangsritus bezeichnet (rite de passage), in dem junge Leute vom Kindesalter ins Erwachsenenalter eingeführt werden. Dennoch geht es um mehr als nur das Alter: unterstrichen werden muss der Verantwortungscharakter des Ritus, der schon vor oder erst nach der Pubertät in Erscheinung treten kann. In Schwarzafrika ist der Initiations-Ritus von Stamm zu Stamm - und manchmal von Sippe zu Sippe - verschieden. Es gibt aber gemeinsame Züge, die auf das gleiche Ziel hinweisen. Die Initiation ist die Zeit der Selbstwerdung des Individuums durch Bewusstwerdung seiner Identität. Zugleich gelangt der einzelne durch einen psychosomatischen Schock zum Bewusstsein seiner verantworteten Mitgliedschaft innerhalb jener Gemeinschaft, der er sich nicht entziehen kann. Dies ist ein Prozess, der sich durch mannigfaltige Handlungen vollzieht. Die Initiations-Kandidaten oder -Kandidatinnen müssen sich eine gewisse Zeit, deren Dauer je nach Stamm variiert, von ihrer Dorfgemeinschaft trennen, um an einem abgelegenen Ort (z. B. Sakralwald, Busch ...) unter Aufsicht eines Meisters zu leben. Dort müssen, vor allem die männlichen Kandidaten, viele Proben - manchmal unter Androhung der Todesstrafe - bestehen: kilometerlang laufen, vom Baum herunterspringen, Hunger und Durst ertragen, in Schlaflosigkeit ausharren und viele andere asketische Übungen. Der Höhepunkt des ganzen Ritus ist bei vielen Stämmen zweifellos die Beschneidung, wo gerade Mut und Tapferkeit verlangt werden.
Über die physischen Übungen hinaus müssen alle Initiations-Bewerber unter Führung des Initiations-Meisters die Tradition, Geschichte und Weisheit ihrer Sippe und ihres Stammes erlernen. Dadurch treten sie in intensive Lebensgemeinschaft nicht nur mit den lebenden Sippen- bzw. Stammesmitgliedern, sondern ebenso mit den Ahnen.
Die Bedeutung einer solchen Ausbildung, die das totale Engagement der ganzen Person erfordert, ist nur dem begreiflich, der auf die symbolische Sprache zu achten weiss. Der ganze Initiations-Ritus durch das zeitweilige Abschiednehmen von der Dorfgemeinschaft und durch allerlei Übungen (physisch, geistlich, geistig) zielt nämlich dahin, die Bewerber zu neuen Menschen zu gebären. Die Trennungszeit an einem abgelegenen Ort ähnelt dem Tod, der am Ende der ganzen Zeremonie doch besiegt wird. Die Rückkehr in die Dorfgemeinschaft und der feierliche Empfang durch dieselbe werden als echte Auferstehung erlebt. Als neue Menschen erhalten die Initiierten neue Namen.
Die Beschneidung, wo sie praktiziert wird, hat ausserdem folgende Bedeutung, die jedoch im gesamten Kontext des soeben Gesagten gesehen werden muss. Sie macht den Jungen zum Mann, indem die Vorhaut, Symbol des Weiblichen, entfernt wird. Umgekehrt macht die Exzision der Klitoris, Symbol des Männlichen, das Mädchen zur Frau. - Die Beschneidung hat aber eine noch tiefere Bedeutung. Sie stellt eine echte Weihe zum Leben dar. Der Ritus um lebenspendende Organe will die jungen Menschen Gott als Quelle und den Ahnen als Vermittler des Lebens weihen.
Nennenswert im Initiations-Ritus insgesamt ist noch seine erzieherische Dimension. Durch physische, harte Übungen und andere Entbehrungen lernen die jungen Leute Gehorsam, Disziplin und Selbstbeherrschung. All dies hat aber eine unersetzliche Bedeutung für das Gemeinschaftsleben. Schon unter allen Mitinitiierten derselben Promotion wächst ein spontanes Gemeinschaftsgefühl. Das gemeinsame Leid eint. Mehr noch: Durch Leid und Entbehrungen gelangen die Bewerber zum Bewusstsein ihrer Rolle für die Sippen- und Stammesgemeinschaft, damit diese gesund, sicher und stark lebt.
 


 

 

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