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Azteken (nach ihrer
mythischen Urheimat Aztlan) waren erst im 12. Jh. n. Chr. mit anderen Nahua
sprechenden Stämmen, aus dem Nordwesten kommend, in das mexikanische
Hochland eingewandert. Sie wurden die letzten Träger jener Kultur, die 1521
mit der Zerstörung ihrer erst 1370 erbauten Hauptstadt Tenochtitlan durch
die Conquista vernichtet wurde. Soweit die Vorgängerkulturen archäologisch
bestimmbar sind (bis 2. vorchristliches Jahrtausend), handelt es sich
bereits um sog. Hochkulturen; selbst die ältesten Spuren stammen von
sesshaften Ackerbauern mit multipler Wirtschaftsform (Maisanbau, Fischfang,
Jagd, Handel). Der ursprünglich nomadisierende Jägerstamm der Azteken
vermischte sich mit den im Hochland ansässigen Kulturvölkern und übernahm
von diesen wie von benachbarten Völkern ausser Landwirtschaft und
Architektur vor allem deren Götter, so dass ein grosses Pantheon entstand.
Die religiösen Vorstellungen der Azteken waren aufgrund des synkretistischen
Charakters komplexer, teils auch widersprüchlicher Art. Ihr eigentlicher
Stammesgott Huitzilopochtli wurde in das vorhandene Gefüge zahlreicher
Erdgottheiten, Vegetations- und Regengötter eingegliedert, und mit dem
Aufstieg der Azteken stieg er zum „Sonnengott" auf. Wie die Römer
integrierten auch die Azteken die Götter besiegter Völker, so dass
schliesslich ein und derselbe „Ressortgott" unter verschiedenen Namen
bekannt war, andere Gottheiten ihre Zuständigkeit wechselten.
- Alt war der Glaube an einen Hochgott: ein Urpaar („Herr und Herrin unseres
Fleisches"), das die übrigen Götter und den Menschen schuf, sich dann aber
zurückzog, weshalb ihm keine kultische Verehrung zuteil wurde. Er regte zwar
auch die Schöpfung der Welt an, überliess den eigentlichen Akt aber einem
allmächtigen Schöpferpaar, meist mit Quetzalcoatl und Tezcatlipoca
identifiziert, die auch als Widerpart (Gott des Lichtes / Tages bzw. Gott
der Finsternis / Nacht) auftreten konnten. - Die Welt, in der die Azteken
lebten, galt ihnen als fünfte und letzte Schöpfung, die durch ein Beben
vernichtet werden würde, während die erste Schöpfung durch Jaguare, die
zweite durch einen Wirbelsturm, die dritte durch Vulkanausbrüche und die
vierte durch eine Sintflut vernichtet worden war. Himmel und Unterwelt
wurden als zwei an der Basis verbundene 9-bzw. 13stufige Pyramiden, die
(anders als die ägypt.) keine Grablege, sondern kosmisches Symbol waren,
gedacht, deren Schnittfläche die Erdscheibe war. Die Stufen der Pyramide,
von der Sonne in ihrem Lauf hinauf- und hinabgestiegen, bzw. die über- und
untereinandergelagerten Schichten symbolisierten die 9 (oder 13) Himmel und
9 Unterwelten. Während die einzelnen Himmelsschichten Sitz der
verschiedenen, u. a. die Naturerscheinungen repräsentierenden Götter waren,
wurden die 9 Unterwelten eine schlimmer als die andere geschildert. Der
oberste Himmel war Sitz des Urpaares, die unterste Unterwelt war das
Totenreich Mictlan. Nicht ethisches Verhalten, sondern die Todesart
entschied über die Bestattungsart und den Aufenthaltsort der Toten:
Privilegierte wie Könige, gefallene Krieger, Geopferte, im Kindbett
gestorbene Frauen wurden eingeäschert und gingen in das „Haus der Sonne"
ein, die sie bis zur Mittagsstunde begleiteten; erdbestattet wurden u. a.
Ertrunkene und vom Blitz Erschlagene, die für das auf Berggipfeln gedachte
Reich des Regengottes bestimmt waren; die übrigen, gewöhnlichen Verstorbenen
wurden eingeäschert und mussten den Weg nach Mictlan antreten, für den sie 4
Jahre benötigten.
- Dieses mythische Weltbild, in dem jede Erscheinung durch die Götter
verursacht wurde, erforderte entsprechende Handlungen des Menschen, die die
Götter beeinflussen sollten. Solche Handlungen waren Gebet, Kasteiung und
Opfer, insbesondere das Menschenopfer, das unter den Azteken zur
Massenschlachtung ausartete. Die bereits klassische, d. h. voraztekische
Form war das Herzopfer. Dem Auserwählten wurde aus dem über den
kegelförmigen Opferstein gespannten Leib das Herz herausgeschnitten, das in
einer Schale vor allem dem Sonnengott dargebracht wurde, um diesen nach dem
nächtlichen Kampf gegen die Finsternis zu stärken. Die meisten Opfer
wiederholten Schöpfungsakte. Wie sich in mythischer Vorzeit die Götter
geopfert hatten, um den Menschen durch ihren Tod ein Kulturgut zu schenken,
so waren es nun zum Opfer bestimmte Gefangene, die diese Akte wiederholten.
Diesen Opfern wurde bis zu ihrem Tod grosse Ehre zuteil (entsprechend der
Gottheit, die sie symbolisierten); nach ihrem Tod begleiteten sie die Sonne
vom Morgen bis zum Mittag.
- Die Kultfeste folgten dem Jahresrhythmus. Das Frühlingsfest stand im
Zeichen der ursprünglich weiter südlich beheimateten Vegetationsgottheit
Xipetotec, zu deren Ehren einem Priester die abgezogene Haut eines Opfers
übergestülpt wurde, so zugleich den im Opfer sich erneuernden Gott
darstellend und die erbetene Wiederbelebung der Natur symbolisierend. Im
Mittelpunkt solcher Kultfeiern stand neben dem Opfer der Priester. In der
ständisch strukturierten Gesellschaft nahm er immer noch eine hervorragende
Stellung ein, wenngleich sie nicht mehr die der theokratischen Zeit (ca.
200-1000 n. Chr.) war, als ein Priesterkönig das Land regierte. Im
aztekischen Reich (das nicht vor 1430 zu expandieren begann) nahm ihre
Bedeutung parallel zum Anwachsen der Zahl der Menschenopfer ab. An Bedeutung
gewannen hingegen die Krieger: Um den grossen Bedarf an Opfern zu decken,
erfanden die Azteken den sog. „Blumenkrieg", der nicht dem Landgewinn,
sondern der Beschaffung von Opfern in Form von Kriegsgefangenen diente.
Hierzu bestand sogar ein Vertrag mit zwei Nachbarstaaten, die gemeinsam mit
den Azteken einen Dreibund bildeten. An der Spitze des Staates stand ein
zuletzt absoluter, gottgleicher Herrscher, zugleich oberster Kriegsherr;
sein Bruder oder zumindest ein naher Verwandter war Hohenpriester.
Angehörige des Geburtsadels stellten die militärische Führung, während
ausgezeichnete Krieger in einen Verdienstadel erhoben werden konnten. Das
übrige gemeinfreie Volk war in Zünfte unterteilt. Unter- und ausserhalb der
ihrerseits stark strukturierten Priesterschaft gab es noch eine Anzahl von
Zauberern und Wahrsagern, deren Metier die Heilkunde, die Deutung
unheilverkündender Zeichen und die Abwendung von Schaden war. Die Priester
waren Träger und Hüter der kulturellen Errungenschaften. Zu diesen zählte
neben der (Bilder-)Schrift insbesondere die Pflege des Kalenderwesens, einer
Kombination aus Himmelsbeobachtung und Zahlensymbolik.
- Die wohl populärste mexikanische Göttergestalt war Quetzalcoatl, ein
vergöttlichter Priesterkönig der Tolteken aus dem 10. Jh., der als
Urpriester und Kulturheros galt. Er soll aufgrund seiner humanen Kultpraxis
angefeindet und zum Verlassen des Landes gezwungen worden sein; unter dem
Namen Kukulcan tauchte er bei den Maya auf. Die Vorstellung von ihm als
hellhäutig und bärtig sowie die Erwartung seiner einstigen Rückkehr von
Osten her führte zu der verhängnisvollen Identifizierung des Cortes mit
Quetzalcoatl.
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