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Hinduismus - Begriff

Die Mission und Reisenden, die ab dem 16. Jahrhundert zunehmend häufig über Religion und Bräuche in Indien berichteten, hatten die Inder generell als Heiden eingestuft, sofern sie keiner der Buchreligionen (Judentum, Christentum, Islam) angehörten. Man nannte sie lat. gentiles. portug. gentio, daraus abgeleitet engl. gentoo und niederländisch/dt. Heyden (Heiden). Demgegenüber war es ein Fortschritt, als im 18. Jh. an die Stelle von „Gentoo" das Wort „Hindoo" (pers. Hindu) trat, aus dem im 19. Jh. schliesslich der Begriff Hinduismus abgeleitet wurde. Hinduismus ist also keine Selbstbezeichnung einer indischen Religion. Der Begriff hat aber auf das Selbstverständnis des Neo-Hinduismus im 19. und 20. Jh. Einfluss ausgeübt. Er suggeriert eine religiöse Einheit, die im Kampf um die politische Unabhängigkeit und die nationale Einheit Indiens eine Rolle spielte und die auch heute noch separatistischen Tendenzen entgegenwirkt. Der Begriff Hinduismus kann jedoch Missverständnisse hervorrufen. Als man ihn prägte, ging man von zwei unzutreffenden Voraussetzungen aus. Erstens glaubte man, das aus dem Persischen übernommene Wort Hindoo (Hindu) bezeichne die Anhänger einer bestimmten Religion, die man eben mit dem Wort Hinduismus zu benennen versuchte. Zweitens hielt man alle Inder für Anhänger dieser Religion, wenn sie keiner der schon bekannten Religionen angehörten, also weder Muslime noch Christen, Juden, Parsen, Buddhisten oder Jainas waren. Beide Voraussetzungen waren falsch. Das schon im Avesta und in altpersischen Inschriften belegte Wort Hindu bedeutet urspr. nichts anderes als unser von den Griechen ererbtes Wort Inder. Beide sind vom Namen des grossen Stromes Indus abgeleitet (Skt. Sindhu, pers. Hindu, griech. Indus), der auch dem Land und den Bewohnern des Landes seinen Namen gab: Hindus sind die Leute aus dem Land des Indus, die Inder. Wenn auch die Persisch sprechenden, islamischen Eroberer Indiens zwischen Muslimen und Hindus unterschieden, so bedeutete dies nicht, dass die Hindus alle einer Religion angehörten. Heute kennen wir eine Reihe von Religionen der Hindus, und unsere Detailkenntnis nimmt ständig zu. Der Begriff kann daher nicht - wie man ursprünglich glaubte und auch heute noch oft fälschlich annimmt - eine bestimmte indische Religion bedeuten, sondern er muss als zusammenfassende Bezeichnung für eine Gruppe von verwandten, aber voneinander verschiedenen Religionen aufgefasst werden, die im südasiatischen Raum (Indien, Pakistan, Bangladesh) entstanden sind. Diese Religionen sind ebenso verwandt, aber auch ebenso verschieden wie Judentum, Christentum und Islam. Sie haben verschiedene Gottesvorstellungen und unterschiedliche rituelle Praxis; sie besitzen eine je eigene Theologie, berufen sich auf eigene Theologen und verehren eine je andere Gottheit als höchsten Gott.
 


 

 

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