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Hindu-Religionen - Heutiges Selbstverständnis und Wirkung im Westen

Nach einer Periode der Erstarkung des Selbstbewusstseins und der Offenheit für Reformen, die sich in den neo-hinduistischen Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts ebenso wie im Wirken Mahatma Gandhis spiegelte, hat die säkulare, ausschliesslich auf wirtschaftliches Wachstum orientierte Politik der indischen Regierung seit 1947 zu einer neuen Situation geführt: Marxistische und kapitalistische Ideologien zehren gleichermassen an den überkommenen religiösen Traditionen. Allerdings sind diese in den ländlichen Regionen, wo ca. 80% der Bevölkerung leben, noch immer stark. Auch wird neuerdings sogar von der städtischen Intelligentia in Frage gestellt, ob das Vorbild des Westens in jeder Hinsicht nachahmenswert ist.
Im Bewusstsein, die überlegene spirituelle Tradition zu besitzen, hatte schon Svami Vivekananda 1893 auf dem „Parlament der Religionen" in Chicago dem Westen geistige Hilfe aus dem Osten versprochen. Eine erste Welle der Begeisterung für indische Lehren wurde zwar durch den I. Weltkrieg fast erstickt, doch übten Rabindranath Tagore und Shri Aurobindo zwischen den Kriegen beachtlichen Einfluss aus. Aber erst seit ca. 1955 hat die Suche junger Europäer und Amerikaner nach einer Spiritualität, welche sie im christlichen Bereich nicht mehr finden, zu neuen Angeboten geführt: indische Gurus, durch westliches Management unterstützt, bieten in Europa und Amerika Wege zur Selbstfindung und Auswege aus Verzweiflung, Minderwertigkeitsgefühlen und Isolierung. Diese Mission bedient sich der Techniken des Yoga und der Meditation. Sie ist erfolgreich, wird aber in Indien mit Misstrauen oder Ablehnung verfolgt, wenn die Gurus der Verlockung erliegen, weltlichen Besitz anzuhäufen.
Alle Gurus vertreten individuelle Formen eines neo-hinduistischen Synkretismus, in den Yoga, Vedanta, Bhakti-Religion und Tantrismus ebenso eingehen können wie Elemente aus den Lehren des Christentums, des Islam und fernöstlicher Religionen. Beispiele bieten die „Transzendentale Meditation" des Maharshi Mahesh Yogi, die „Krishna Consciousness"-Bewegung (Hare Krishna), die ihr Zentrum unter Bhaktivedanta Svami Prabhupada in den Vereinigten Staaten ausgebaut hat, die „Divine Light Mission" des Balyogesvar und die Bewegung des Bhagwan Rajneesh. Unter den kleineren missionierenden Gruppen befindet sich auch der Nonnenorden der Brahma Kumaris aus Rajasthan.
 


 

 

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