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Himmel - jüdisch-christlich

1. Himmel bezeichnet im heutigen Sprachgebrauch jene Sphäre, in die der glaubende und begnadete Mensch nach seinem Tode eintritt, um in Gott zusammen mit allen Geretteten die Fülle des Heils zu erfahren, auf das die geschaffene Person wesentlich angelegt ist. Mit dem heliozentrischen Weltbild werden alle orthaften Vorstellungen von einem Wohnen im obersten Stock des Weltgebäudes hinfällig. Eine Verlegung des Himmels in die endlosen Fernen des Kosmos erweist sich naturphilosophisch und theologisch als sinnlos. Doch schon die biblische Rede vom Himmel hält sich ausserhalb der mythologischen Vorstellungen (Mythos), trotz aller Bindung an das antike Weltbild. Entscheidend dafür ist der ganz anders geartete Gottesbegriff. Gott wird von keiner geschöpflichen Realität - auch nicht von Zeit und Raum als den Anschauungsformen der Materie in einem empirisch gebundenen Vernunfterfassen - umgriffen und ist mit ihnen nicht kommensurabel. Himmel und Erde sind gleichermassen von Gott geschaffen und bilden den Inbegriff für das Schöpfungsganze (Gen 1, 1). Himmel heisst die sich in der Welterkenntnis auftuende religiöse und ethische Bezogenheit des personalen Geistes auf den transzendenten Gott.

2.Die entscheidende Fortführung in der Idee vom Himmel bringt die Verkündigung des Gottesreiches durch Jesus. Durch ihn ist der Himmel offen. Er selbst ist die reale Ankunft Gottes bei den Menschen und bringt so das Heil in geistlicher, geistiger und leiblicher Hinsicht. Durch Kreuz und Auferstehung ist ihm alle Macht im Himmel und auf Erden übertragen. Von Jesus Christus her betrachtet, heisst Himmel die definitive Verwirklichung der gnadenhaften Selbstmitteilung des dreifaltigen Gottes, die in Glaube, Nachfolge und Gleichgestaltung mit Christus angenommen wird. Des Christen wahre Heimat ist im Himmel, weil er mit Christus, der zur Rechten Gottes sitzt (Erhöhung, Himmel-Fahrt), auferweckt wurde (Eph 2,6; Kol 3,1 f.). Wenn sein Wandel im Himmel ist (Phil 3,20), dann kann dies mit einer Flucht in ein besseres Jenseits nur dann verwechselt werden, wie es die Religionskritik (Feuerbach, Marx, Nietzsche, Freud) im Gegenzug zur „natürlichen Religion" der Aufklärung, die man für die christliche hielt, tat, wenn man unter Himmel ein späteres Schlaraffenland versteht anstelle der gnadenhaft getragenen neuen Existenzform des Christen vor Gott.

3.Die Frage nach dem Schicksal des einzelnen nach dem Tod war in der Geschichte oft von der Frage nach der Parusie, dem allgemeinen Gericht und der endzeitlichen Gemeinschaft der Heiligen überlagert. Auch die frühe Kirche glaubte an eine Existenz der Verstorbenen in der Unterwelt, einem Wart stand bis zur Parusie. Nur die Pa chen, Propheten und bes. die Märtyrer werden bei Christus weilend im dies geglaubt. Schon bei Tertullian Cyprian aber findet sich der Glaube an deutet, dass jeder im Stand der Heilig sterbende Christ bei Christus im Himmel ist. der bedeutsamen Lehrentscheid Papst Benedikts XII. (1336) kommt doch der Glaube der Kirche voll zum Ausdruck, dass jeder in der Rechtfertigungsgnade gestorbene Christ nach dem individuellen Gericht und noch vor Wiederkunft Christi der himmlischen Herrlichkeit teilhaftig wird, in der er den Engeln und allen Heiligen in Gemeinschaft der endgültig Gerettete lebt. Im Himmel findet der Christ nicht die Erfüllung sinnlicher Freuden in einem Genuss ohne Reue, so wie in vielen Religionen das Paradies vorgestellt wird. Gott selbst kann in der Selbstgabe seines Lebens in der dreifaltigen Liebe die Erfüllung der personalen Transzendenz Geschöpfs auf ewige Liebe hin sein.
Der Himmel ist so die unverlierbare Weise der Teilhabe am Leben des ewigen Gottes. die Schönheit der Schöpfung und in Ordnung nur in einer Vielfalt ihrer Erscheinungen ein Abbild Gottes ist, Gott der Inhalt der Seligkeit des ein nen nur so sein, wie dieser in der sozialen Verknüpfung mit den geistbegabten Geschöpfen steht. Die heilshafte Nähe Gott umschliesst so auch die Gerne schaft der Heiligen und drückt sich sentlich in ihr aus.

 


 

 

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