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Himmel - chinesisch

Die chinesische Religion und Philosophie gründen auf der Konzeption des Himmels (T'ien), der eine anthropomorphe Kraft des Universums darstellt. Das chinesische Schriftzeichen zeigt eine menschliche Figur mit grossem Kopf. In der alten chinesischen Religion wurde der Himmel als ein höheres Wesen verehrt. Zuerst jedoch gab es die Begriffe Ti („Herrscher") und Shang-ti („höchster Herrscher") als Bezeichnungen für Gott. Erst später (Chou-Zeit, 1000-221 v. Chr.) kam der Begriff T'ien vor, der einen übersipplichen Himmelsgott bezeichnete. Der Himmel wird zunächst als ein beseeltes Wesen zusammen mit Ti und Shang-ti verehrt, bald aber wurde T'ien zum Zentralbegriff des chinesischen Denkens. Der Himmel ist der elementarste Raum des (spezifisch chinesisch verstandenen) Transzendenten, der Aufenthaltsort der Ahnen, Träger und Symbol der Macht. Für Mo-tzu (um 480-400 v. Chr.) war der Himmel ein persönlicher Gott. Der Himmel ist Quell des Universums, Weltgesetz, Ordnungsprinzip (Ii) und moralische, sich in dem /Menschen spiegelnde Kraft; der Himmel entgilt Gutes und Böses. Der sichtbare Himmel und der Himmel als aktives Prinzip der Weltordnung sind jedoch für die Chinesen untrennbar. Nach späteren kosmologischen Vorstellungen steht der Himmel (yang) mit der Erde (yin) in Verbindung/Gegensatz. Beide waren in der Mythologie ursprünglich nicht getrennt. Der Himmel hat Vorrang vor der Erde (von einem Dualismus ist jedoch nicht die Rede). Der Himmel bringt die Wesen hervor und sichert die Entwicklung. Er regelt den Kreislauf der Natur. Der Mensch, vor allem aber der Herrscher, der als Sohn des Himmels (T'ientzu) bezeichnet wird, ist verpflichtet, den Willen des Himmels als der höchsten ethischen Norm zu verwirklichen. Das ist sein Schicksal (tien-ming; „Himmlischer Auftrag").
Der Konfuzianismus und später der Neo-Konfuzianismus haben diese Vorstellungen noch weiter rationalisiert und zu einem staatspolitischen System („Staatskultwesen") ausgebaut („Ziviltheologie"). Der Himmel wurde zwar abstrakter, blieb jedoch in der konfuzianischen Lehre anthropomorph. Die Chinesen sehen die schöpferische Tätigkeit des Himmels als Herrschermacht an. Dem Himmel wurden auf dem Himmelsaltar (T'ien- t'an) Opfer dargebracht, was Pflicht und Vorrecht des Kaisers war. Im allg. darf man sagen, dass der Himmel für die Chinesen eine Hierophanie des Göttlichen (das jedoch nicht ein Äquivalent des westlichen sacrum ist) darstellte und mit dem Schicksal (ming) eng verbunden war. Der Himmel straft und segnet, ist jedoch kein Schöpfer und kein Absolutum. Der Begriff Himmel drückt eine göttliche und natürliche, kosmische und soziale Ordnung aus; in ihm treffen sich das Politische und das Religiöse, die Vorstellungen vom Menschen und von der Welt.
Die christlichen Missionare haben diesen Begriff übernommen und als T'ien-chu („Himmelsherr") für den christlichen Gott gebraucht. Dies wurde einer der Diskussionspunkte im Ritenstreit.
 


 

 

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