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Hethitische Religion

1.Quellen
Die religiösen Vorstellungen der Hethiter bzw. der Bevölkerung Kleinasiens und Noordsyriens während der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. sind wir im wesentlichen durch Tausende von Keilschrifttafeln religiösen Inhalts - Ritualistik, Mantik, Mythologie, Hymnen und Gebete - aus den Archiven der hethitischen Metropole Hattusa (ca. 150 km östlich von Ankara beim heutigen Dorf Bogazköy), fernerhin durch Keilschriftarchive nordsyrischer Ruinen wie Ugarit, Alalab und Meskene, aber auch durch eine Fülle archäologischer Zeugnisse informiert.

Kontinuität
Die für agrarische Kulturen in den Regenfeldbaugebieten der Mediterrane übliche Konstellation eines atmosphärischen Wettergottes (Taru, Tarhunt, Tessup) in der ursprünglichen Gestalt eines Stieres und einer die Erde darstellenden Muttergöttin (Sonnengöttin von Arinna, Inar[a] und Hepat - letztere gelegentlich in Epiphanie eines Leoparden) lässt sich in Kleinasien und Nordsyrien über die Zeit der altassyrischen Handelskolonien und Alaca Höyük (3./2. Jt.) bis ins neolithische Catal Hüyük (7./6. Jt.) zurückverfolgen.

Heterogenität
Wie der hethitische Staat selbst seine Entstehung der Verschmelzung der Kulturen der einheimischen Bevölkerungsgruppen z. B. den (Proto-)Hattiern mit den zu Beginn des 2. Jt. eingewanderten indogermanischen (späteren) Hethitern verdankt, so ist auch die hethitische Staatsreligion durch das ständige Bemühen, Götter und Kulte des gesamten Territoriums in den Staatskult zu integrieren und durch verschiedenste Synkretismen eine Art einheitliches Pantheon zu schaffen, geprägt.

Götterkreise
Dem historischen Werdegang des hethitischen Staates gemäss bilden die Kulte und Gottheiten der (Proto-)Hattier die älteste Schicht des hethitischen Pantheons, in welcher noch die indogermanischen Himmels- und Sonnengottheit dieus eine gewisse Rolle gespielt hat (1600-1500); in dieser frühen Phase finden die Überlieferungen sowohl Südostanatoliens als auch - mit der Erweiterung der hethitischen Machtsphäre nach Nordwestsyrien (seit Hattusili I. um 1560) - Syriens Eingang in das Staatspantheon. Während der hurritischen Dynastie des Mittleren Reichs (ca. 1440-1345) erfährt die Staatsreligion durch hurritische Götter, Kulte und Mythen eine entscheidende Bereicherung. Im Zuge einer umfassenden Restauration von Staat, Wirtschaft und Kultus besonders unter dem Grosskönig Tuthaliya IV. (ca. 1200) wird eine verbindliche Kultordnung, d.h. ein hethitischer „Festkalender", für das gesamte hethitische Reich nebst seinen syrischen Besitzungen neu organisiert.

Göttergruppen
Die Gottheiten, zumeist anthropomorph vorgestellt, sind grundsätzlich in ober- und in unterirdische Mächte eingeteilt. Nach mesopotamischer Vorstellung besitzen die grossen Götter (Tessup/Tarhunt, Sonnengöttin von Arinna, fiepst und Sawuska) einen eigenen Hofstaat. Bezeichnend ist die Beseeltheit der gesamten Natur; Pflanzen, Steine und Tiere - letztere als Hilfsgeister und Hypostasen verschiedenen Gottheiten zugeordnet - sind von numinosen Kräften erfüllt. Quell-, Fluss- und Berggottheiten fungieren zumeist als lokale Gemeindeschutzgottheiten. Gelegentlich finden sich, z. T. als verselbständigte Hypostasen, Göttergruppen, wie Dyaden, Triaden, Heptaden sowie, besonders von Unterweltsgottheiten, Neuner- und Zwölfer-Gruppen.

Gott und Mensch
Der König ist als oberster Priester Garant für die Fruchtbarkeit und das Gedeihen des Landes; er ist der Verwalter (maniyahtalla-) des den obersten Göttern gehörenden Landes. Der Kultus bzw. die regelmässig vollzogenen Feste stellen zwischen Menschen und Göttern eine enge Beziehung her, die darin zum Ausdruck kommt, dass Menschen und Götter gleichermassen die Festgemeinde bilden. Durch Orakel (Eingeweideschau, Haruspiz, Losorakel) oder Traum kann der Wille der Götter erfahren werden.
 

 

 

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