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Herrscherkult ist die
kultische Verehrung, die einem politischen Herrscher entgegengebracht wird.
Sie gilt entweder dem Amt des Herrschers, z. B. der Institution des
Königtums, oder der Familie des Herrschers (bes. wo diesem göttliche
Abstammung zugesprochen wird), oder aber seiner konkreten Person, wenn diese
als sichtbarer Gott gilt.
Im Herrscherkult gilt der Herrscher als ein Mittler zwischen der Welt des
Menschen und dem Bereich des Göttlichen. Er ist Zentrum und Schwerpunkt
seines Wirkungsbereiches, der sich in seiner Person als in einem Mikrokosmos
spiegelt. Herrscherkult ist daher dem Gläubigen gleichzeitig Verehrung des
Ganzen, des Kollektivs, der Ethnie, des Reiches oder Staates. Diese werden
als Kosmos gesehen, der nach einem Weltgesetz geordnet ist, das sich
wiederum im Herrscher verkörpert und von ihm aufrechterhalten wird. Auf der
Ebene der Zeit ist die Regierung des Herrschers eine kleine Weltzeit, ihr
Beginn ein kleiner Weltenbeginn, ihr Ende ein kleines Weltende. Die Person
des Herrschers ist neben der profanen Zeit auch immer in der Urzeit des
Mythos gegenwärtig, die die Ewigkeit der Zeitlosigkeit ist. Ähnlich, jedoch
nicht gleich einem geistlichen Oberhaupt steht der Herrscher allein oder
bevorzugt einem wie auch immer gearteten Transzendenten gegenüber: Dem
Untertan manifestiert sich dieses durch den Herrscher, er spricht es an im
Dienst an ihm.
In der Religionsgeschichte ist Herrscherkult in verschiedensten Formen sehr
verbreitet. Die urtümlichste Ausprägung ist das Sakralkönigtum, das u. a.
heute noch in Afrika verbreitet ist, bis ins Mittelalter auch in Europa zu
finden war (z. B. Königsheil). Dabei besteht ein Kausalnexus zwischen der
Person des Herrschers und dem Zustand des Reiches: Kriegerische Tüchtigkeit,
Fortpflanzungsfähigkeit, Glück des Herrschers bürgen für Fruchbarkeit,
Kriegsglück, Wohlergehen des Volkes und Landes. Ein kranker, oder glückloser
König kann dementsprechend geopfert werden. Theologisch und kosmologisch
weiterentwickelt lin sich das Sakralkönigtum in Altägypten und
Altmesopotamien sowie im Fernen Osten. Die effektive Gottebenbildlichkeit
des Herrschers ist hier vor allem Auftrag an den Herrscher, erhebt ihn
jedoch der conditio humana und macht ihn nach dem körperlichen Tode zum
Gott. Griechenland und Rom früh übenden, in Israel mit deutlicher Distanz
von den Verfassern der biblischen Bücher betrachtet, erlebten das
Sakralkönigtum und Herrscherkult in der hellenischen Zeit und später
besonders ter iran. Einfluss (Idee des Grossköni eine Wiederbelebung, die
auch auf R. wirkte. Der römische Herrscherkult traf bis zuletzt eine
entschiedene aristokratische Opposition, die die römische Historiographie
der Kaiserzeit färbte (Tacitus, Sueton). Das Christentum lehnte den
Herrscherkult wegen seiner polytheistischen Implikationen ab, in griene ihn
jedoch nach der Konstantinischen Wende (Eusebius von Cäsar Idee des
Apostolats des Kaisers). christianisierter Herrscherkult lebte im
Mittelalter in Byzanz fort (Cäsaropapismus), im Westen unter Beimischung
archaischer sakralköniglicher Elemente. In China bestand hochentwickelter
kosmologischer Herrscherkult 1911, in Japan zumindest bis zum Ende des 2.
Weltkriegs.
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